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Svend Hammershøi „Das Clarendon Building Oxford“ (Öl auf Leinwand, ca. 1925)

Bremen - Vilhelm Hammershøi gilt mit Recht als größter dänischer Maler der frühen Moderne. Sein jüngerer Bruder Svend ist heutzutage vor allem durch seine Keramikarbeiten bekannt, welche sich auch in Neuauflagen und neuen Adaptionen weiterhin großer Beliebtheit erfreuen. Weniger Beachtung findet sein malerisches Werk, obwohl dieses gleichsam Einiges zu bieten hat.

Geboren wurde er 1873 im Bezirk Frederiksberg der dänischen Hauptstadt Kopenhagen als jüngstes von vier Geschwistern. Damals war sein Bruder Vilhelm (1864-1916) bereits neun Jahre alt, ein berühmter Maler war er noch nicht. Später aber sollte er die erste große Inspirationsquelle werden.

Svend interessierte sich früh schon für Keramik, malte und zeichnete auch sehr gerne. 1888 besuchte er eine Keramikausstellung, aufgrund derer er zunächst also Keramiker werden wollte. Seine Ausbildung begann Svend an der Technischen Schule Kopenhagen, 1890 bis 1892 folgte schließlich eine akademische Malerausbildung an der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen. Es folgten fünf weitere Jahre an der Freien Künstlerschule bei Kristian Zahrtmann, einem wichtigen Wegbereiter der Moderne.

Bereits in seinen Studienjahren war er als Keramiker tätig, er arbeitete in der Königlichen Porzellanfabrik unter Thorvald Bindesbøll, einem engen Freund seines Bruders, als Unterglasmaler. Zudem entwarf er Porzellan für Herman A. Kähler, welches in der von ihm gegründeten Firma heute immer noch produziert wird. „Hammershøi-Rillen“ auf Tassen, Vasen, Kännchen wurden zu einem Markenzeichen, es verbanden sich Eleganz und Handlichkeit.

Der Tod Bindesbølls 1908 führte zunächst zu einer Abkehr von der Keramik und einer Verlegung des Schwerpunkts auf die Malerei. Erste Erfolge in diesem Metier konnte er bereits 1892 als Student mit einer Ausstellungsbeteiligung in Kopenhagen vorweisen, 1893 publizierte die symbolistische Zeitschrift „Taarnet“ („Der Turm“) eine seiner Zeichnungen. Überhaupt stand Svend den Symbolisten recht nahe, mit denen er von 1895 bis 1909 regelmäßig gemeinsam ausstellte. Seine erste Einzelausstellung hatte er 1909 beim Kopenhagener Kunstverein.

Sein malerisches und graphisches Werk bestand zunächst vor allem aus Zeichnungen und Aquarellen, später entstanden zahlreiche Ölgemälde. Schwerpunkt waren kahle Bäume, menschenleere Landschaften und Architekturbilder. Historische Gebäude wie Kirchen hatten es ihm besonders angetan, auf Reisen nach England galt diesen sein Hauptinteresse. 1910 bis 1933 reiste er fast jedes Jahr zur Vedutenmalerei nach Oxford. Das Schloß Kronborg, die Hafenstadt Vordingborg und die Kopenhagener Altstadt waren ebenfalls wichtige Motive.

Ähnlich seinem Bruder Vilhelm nutzte er eine sehr zurückhaltende, reduzierte Farbpalette. Braun und Grau mit grünen und gelben Tönen herrschen vor. Die Atmosphäre ist jedoch anders, im Vergleich wirken die Arbeiten melancholischer, weniger meditativ. Svend zeichnet mehr Details, neigt weniger zur kahlen Fläche. Lichtwirkung spielt eine geringere Rolle. Er malte vorzugsweise pleinair, Intérieurs sind selten.

Nachdem Vilhelm 1916 dem Krebs erlegen war, blieb Svend schöpferisch als Maler wie Keramiker tätig. Er hatte bedeutende Ausstellungsbeteiligungen in Paris und London, verfaßte eine Biographie Bindesbølls. 1925 wurde er Ritter des dannebrogordens, 1944 erhielt er die Thorvaldsen-Medaille, die höchste Auszeichnung der Königlich Dänischen Kunstakademie. Er starb 1948 in Kopenhagen.

 

Verweise:

http://www.arcadja.com/auctions/de/hammershoi_svend/kunstler/12669/
https://www.invaluable.com/artist/hammershoi-svend-vuyu1h7v97/sold-at-auction-prices/
http://www.artnet.de/künstler/svend-hammershøi/
https://www.pamono.de/designers/svend-hammershoi
http://www.pundg.de/PUNDG/topthemen/default.asp?top_item=39009&i_item=39009&top_step=15&top_start=46&rb=topthemen&top_rb=topthemen

Mehr als nur kleiner Bruder: Svend Hammershøi https://art-depesche.de/images/Svend_Hammershi_-_The_Clarendon_Building_Oxford.jpg Ruedi Strese