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Raffaello Sanzio da Urbino „Madonna mit den Nelken“ (Öl auf Eibenholz, um 1506/07)

Berlin - Kabinettausstellungen erfreuen sich bei den Museen zunehmender Beliebtheit, bieten sie doch Gelegenheit, regelmäßig ohne allzuviel Aufwand einen der großen Namen zu thematisieren und damit vielleicht nicht Massen anzulocken, aber doch eine solide Basis ernstlich interessierter Kunstfreunde. Der 500. Todestag Raffaels ist eine willkommene Gelegenheit für die Berliner Gemäldegalerie, ihre Madonnen des Renaissance-Meisters gesondert zu präsentieren, ergänzt um einige Leihgaben. Bis zum 26.4.2020 ist „Raffael in Berlin - Die Madonnen der Gemäldegalerie“ angesetzt.

Raffaello Sanzio da Urbino bedarf wohl für die meisten unserer Leser kaum einer großen Einführung. Geboren im Frühjahr 1483 in Urbino, gestorben am 6. April 1520 in Rom. Als Maler und Architekt zählt er zu den Genies der italienischen Renaissance. In Florenz nahm er Einflüsse Michelangelos, Leonardos sowie Fra Bartolomeos auf, später wurde er vom Papst Julius II. nach Rom beordert, wo er Hofmaler und dann päpstlicher Architekt wurde; er war unter anderem an der Gestaltung der Sixtinischen Kapelle des Petersdoms beteiligt. Nach seinem frühen Tod wurde er auf eigenen Wunsch im Pantheon beigesetzt, wo sich sein Grab bis heute befindet.

In den Beständen der Gemäldegalerie befinden sich insgesamt fünf Mariengemälde Raffaels, entstanden zwischen 1502 und 1508. Ihre gemeinsame Präsentation ist den guten Ideen zuzurechnen. Jedes der Bilder ist mit einem Begleittext versehen, welcher eine kurze Erläuterung zum Werk selbst sowie zu dessen Weg in die Nationalgalerie gibt.

Das bedeutendste dieser Gemälde ist sicher die „Madonna mit dem Kind, Johannes dem Täufer und einem heiligen Knaben“, auch bekannt als „Madonna Terranuova“ (nach ihrem einstigen Besitzer, dem Herzog von Terranuova). Es handelt sich um ein Rundbild von etwa 1505, welches Raffael kurz nach seiner Ankunft in Florenz schuf und welches bereits den von Leonardo beeinflußten typischen weichzeichnerischen Stil (Sfumato) zeigt.

Hauptattraktion ist allerdings ein Gast aus der National Gallery in London, ein kleines Andachtsbild von außerordentlicher Kraft, die „Madonna mit den Nelken“, entstanden etwa 1506/07. Auch hier ist wieder die Inspiration durch Leonardo unverkennbar, doch nicht nur in Technik und Lichtbehandlung, sondern auch in der Komposition, welche sich dessen „Madonna Benois“, zu sehen in der Eremitage in Sankt Petersburg, zum Vorbild nimmt.

Ergänzend gibt es zwei zugehörige Zeichnungen (eine von, eine nach Raffael) aus den Beständen des Kupferstichkabinettes zu sehen, sowie einen kleinen Ausflug in die Geschichte der Rahmung Raffaels im Berliner Museum. So war etwa die „Madonna Colonna“ zunächst von Karl Friedrich Schinkel mit einer eigenen klassizistischen Anfertigung versehen worden, welche Wilhelm von Bode später im Streben nach Authentizität durch einen Renaissancerahmen ersetzte.

Eine hübsche kleine Schau also! Die Gemäldegalerie befindet sich im Kulturforum am Matthäikirchplatz in 10785 Berlin. Geöffnet ist sie von Dienstag bis Freitagvon 10-18 (Donnerstags bis 20) sowie am Wochenende von 11-18 Uhr. Der Eintritt kostet regulär 10,- ermäßigt 5,- Euro

 

Verweise:

https://www.smb.museum/museen-und-einrichtungen/gemaeldegalerie/ausstellungen/detail/raphael-in-berlin.html
https://www.daskreativeuniversum.de/sfumato-technik-malerei/

Kabinettausstellung: Raffaels Madonnen in der Gemäldegalerie https://art-depesche.de/images/Madonna_mit_den_Nelken.jpg Ruedi Strese