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Otto Nagel „Müllerstraße am Bahnhof Wedding“ (Öl auf Leinwand, 1934)

Berlin - Das Mitte Museum Gesundbrunnen befaßt sich mit der Lokalgeschichte des historischen Berliner Stadtzentrums. Ein auf besondere Weise mit dem Kiez verbundener Künstler war der Maler Otto Nagel. Ein kleines Jubiläum dient nun als Anlaß für eine gleichfalls kleine Sonderausstellung „Otto Nagel und das Mitte Museum“, zu sehen bis zum 20. März 2020.

1894 als Sohn eines Tischlers und Sozialdemokraten im proletarisch geprägten Bezirk Wedding geboren, thematisierte Otto Nagel seinen Kiez immer wieder, in zahlreichen Veduten wie in seinem vielleicht bekanntesten Werk „Weddinger Jungen (Proletenjungen)“ von 1928, welches sich im Besitz der Nationalgalerie befindet.

Stilistisch stand er dem Verismus, einer betont sozialkritischen bis kommunistischen Variante der Neuen Sachlichkeit, nahe, stellte mit der Novembergruppe aus und war mit Heinrich Zille und Käthe Kollwitz eng befreundet. Zu NS-Zeiten war das KPD-Mitglied zeitweilig interniert, durfte zwar malen, doch war ihm ein eigenes Atelier verwehrt. Nach 1946 wurde Nagel der SED eingemeindet, bewahrte jedoch seinen eigenen Kopf, brachte es ungeachtet dessen zum Präsidenten der Akademie der Künste der DDR. Er starb 1967 in Berlin-Biesdorf.

Das Mitte Museum verfügt über eine Zweigstelle im Rathaus Tiergarten, der Hauptstandort befindet sich jedoch in einem vormaligen Schulgebäude in der Pankstraße aus dem 19. Jahrhundert, es entstand 2004 als Projekt des Bezirksamtes Mitte von Berlin nach der Zusammenlegung der Bezirke Mitte, Tiergarten und Wedding durch eine entsprechende Fusion der jeweiligen Bezirksmuseen (Museum Mitte von Berlin, Heimatmuseum Tiergarten und Heimatmuseum Wedding).

Daß das Museum über eine kleine Sammlung von Werken und Dokumenten Nagels besitzt, ist einer Kontaktaufnahme des Künstlers mit dem Bezirksamt Wedding zum Zweck einer Retrospektive im Jahr 1965 zu verdanken, welche allerdings erst nach dem Tod Nagels mit Unterstützung seiner Ehefrau als Gedenkausstellung verwirklicht werden konnte.

Die lange Vorrede läßt es erahnen: die Ausstellung ist wirklich sehr klein. Kuratiert wurde sie von Dr. Tobias Hoffmann, dem Direktor des Bröhan-Museums, zu sehen sind ein stark impressionistisch beeinflußtes Ölbild „Müllerstraße am Bahnhof Wedding“ von 1934 sowie zwei Pastelle, eins davon eine Vedute der Grüntaler Straße (1940), das andere zeigt einen Spielplatz am Humboldthain (1938) und erinnert sehr an Zille. Zusätzlich gibt es ein Pastell des Nagel-Schülers Walter Protz, Tafeln mit Texten zur Beziehung zwischen dem Künstler und seinem Bezirk sowie einen Schaukasten mit allerlei Dokumenten zu und von Nagel.

Viel ist dies also nicht, allerdings ist das Museum wohl derzeit noch im Auf- bzw. Umbau, die Bestände an Kunstwerken sind recht umfangreich und es dürfte immer mal wieder etwas zu sehen geben. Einen kleinen Einblick in das Sammlungs- und Ausstellungskonzept erhalten wir derzeit noch im ersten Obergeschoß; für unsere Leser relevant sein dürften vor allem eine Serie von Landschaftsaquarellen Paul Gurks (1880-1953) sowie ein Ölgemälde „Kraftwerk Moabit“ (1926) des neusachlichen Malers Gustav Wunderwald (1882-1945).

Nach diesem Einblick in die Weddinger Kiezgeschichte verlassen wir, die Veduten Nagels noch vor dem inneren Auge, das Museum, und gehen in Richtung des U-Bahnhofs Pankstraße, um ergänzend auch ein Stück des heutigen Weddings zu sehen. Das Mitte Museum befindet sich übrigens in der Pankstraße 47 in 13357 Berlin. Es hat von Sonntag bis Freitag jeweils von 10-18 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.

 

Verweise:

http://mittemuseum.de/deutsch/ausstellung/sonderausstellung/otto-nagel-und-das-mitte-museum/otto-nagel-und-das-mitte-museum.html

Otto Nagel zum 125. Geburtstag - Kabinettausstellung in Berlin-Wedding https://art-depesche.de/images/Otto_Nagel.jpg Ruedi Strese