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Tom Thomson „The Pointers” (Öl auf Leinwand, 1916-17)

Bremen - In Europa ist er weitgehend unbekannt, doch in Kanada ist der Maler Tom Thomson eine Legende, zum einen wegen seines tragischen frühen Todes, zum anderen wegen der Magie, welche seine Bilder ausstrahlen. Seine bedeutendsten Werke entstanden in nur wenigen Jahren in einem wahren Schaffensrausch. Das frühe Ende und die große Schöpferkraft lassen an van Gogh denken, und auch der zwischen Impressionismus und Art Nouveau liegende Stil läßt diesen Vergleich nicht ganz abwegig erscheinen.

Geboren wurde er 1877 als Sohn eines Farmers und wuchs im ländlichen Ontario auf. Als Kind zeichnete und malte er gelegentlich, doch ohne daß sich Künftiges hätte erahnen lassen. Allerdings stammte seine tiefe Naturverbundenheit aus jenen Jahren, und sie sollte später auch sein künstlerisches Schaffen prägen.

Seine Ausbildung war zunächst nicht von den Musen bestimmt, sondern begann an einer Wirtschaftsschule in Ontario. Mit dem Abschluß ging er 1901 nach Seattle, wo er sich als technischer und kreativer Zeichner und Radierer verdingte. Seine frühen gebrauchsgraphischen Arbeiten umfaßten unter anderem Farbdrucke, Broschüren und Plakate.

1905 ging er nach Toronto, wo er - möglicherweise - für eine Zeit bei dem englischen Maler William Cruikshank am Ontario College of Art lernte. Dies war jedoch, wenn überhaupt, sein einziger professioneller Kunstunterricht. Auch hier arbeitete er wieder als Gebrauchsgraphiker, und zwar für die führende kanadische Firma auf diesem Gebiet, Grip Ltd., welche sich dadurch auszeichnete, die Ästhetik des Jugendstils in Kanada eingeführt zu haben, welcher auch Thomson zunächst folgte.

In den Jahren 1910/11 arbeiteten mehrere der Künstler, welche später einmal die „Group of Seven”, Kanadas (vor allem impressionistisch geprägte) bedeutendste Künstlergruppe der frühen Moderne bilden sollten, bei Grip, und alle bewegten sich bereits in einem gemeinsamen Umfeld des „Arts and Letters Club”. J.E.H. MacDonald, Arthur Lismer, Lawren Harris, Franklin Carmichael und Frederick Varley seien hier genannt. 1913 lernte er auch A.Y. Jackson kennen, der ein enger Freund und später Mitbegründer der Group of Seven wurde.

1912 erkundete Thomson erstmals den Algonquin Park in Ontario, welcher Hauptinspiration seiner Bilder werden sollte. Der Wald und die Seen des Parks zu den verschiedensten Tages- und Jahreszeiten waren die Motive der etwa 400 auf Holztafeln gemalten Ölskizzen und 50 Leinwände seiner kurzen Karriere.

Dabei ging er zunächst von einer am Symbolismus und Jugendstil (Art Nouveau) orientierten Malweise aus, mit der Zeit ließ er sich jedoch zusehends vom Impressionismus und Pointillismus inspirieren. Bemerkenswerterweise war er nie in Europa, kannte die Werke der französischen Meister des Stils lediglich als Reproduktionen, doch scheinen Gemälde seiner zum Teil europäisch geschulten Künstlerfreunde einen großen Eindruck gemacht zu haben.

Anders als van Gogh hatte Thomson rasch kommerziellen Erfolg, er fand in Dr. James MacCallum einen Förderer, welcher sein Andenken auch später pflegen sollte, konnte ausstellen, und bereits ein frühes Gemälde, „Northern Lake” von 1912/13, wurde sogleich von der Regierung Ontarios erworben.

Seinen künstlerischen Höhepunkt erreichte er 1916/17 mit Landschaftsbildern, welche stark impressionistisch geprägt waren und voller Farbenpracht, doch ganz eigen, eine durchaus mystische Atmosphäre verströmend, welche dem Symbolismus entlehnt war. Er hatte eine hohe Meisterschaft erreicht. Seine Neigung ging weg vom Algonquin Park, er wollte zukünftig Landschaften weiter nordwärts malerisch erkunden.

Im Juli 1917 allerdings begab er sich auf eine Kanureise auf dem Canoe Lake im Algonquin Park, von welcher er nicht zurückkehrte. Sein Körper wurde erst sechs Tage später gefunden. War es ein Unfall? Mord? Selbstmord? Thomsons Tod wurde zu einem Mysterium in der kanadischen Kunstgeschichte. Die Künstlervereinigung Group of Seven, auch als „Algonquin School” bekannt, riefen seine Mitstreiter erst 1920 ins Leben, dennoch wird er in der Regel als Künstler dieser Gruppe gehandelt.

 

Verweise:

https://www.gallery.ca/collection/artist/tom-thomson
http://www.artnet.com/artists/tom-thomson
https://www.canadianmysteries.ca/sites/thomson/home/indexen.html
http://www.arthistoryarchive.com/arthistory/canadian/Tom-Thomson.html
https://www.thecanadianencyclopedia.ca/en/article/tom-thomson
https://aci-iac.ca/art-books/tom-thomson/biography

Tom Thomson - Kanadas Magier des Postimpressionismus https://art-depesche.de/images/The_Pointers.jpg Ruedi Strese