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Albert Weisgerber „Im Münchner Hofgarten" (1911)

Berlin - Der Maler Albert Weisgerber gehörte zu den bedeutenden Vertretern der Moderne im süddeutschen Raum. Lange in der Versenkung verschwunden, wurden in jüngster Zeit, insbesondere anläßlich seines 100. Todestages, seine Werke wiederentdeckt - mit Recht.

Weisgerber wurde 1878 in St. Ingbert im Saarland geboren, sein Vater war Bäcker und Gastwirt. Er besuchte von 1891 bis 1894 die Kreisbaugewerbeschule in Kaiserslautern und begann anschließend eine Lehre als Dekorationsmaler in Frankfurt am Main. 1894 bis 1897 lernte er an der Kunstgewerbeschule in München, worauf sich von 1897 bis 1901 ein Studium an der Münchener Akademie der Bildenden Künste anschloß. Er lernte zunächst bei Gabriel Hackl, später bei einem der Meister des Symbolismus und Jugendstils, nämlich Franz von Stuck. Zu seinen Bekanntschaften aus Studienzeiten gehörten u.a. Paul Klee, Wassily Kandinsky und Max Slevogt.
Bereits ab 1897 war er als Zeichner für die Zeitschrift „Die Jugend“ tätig, was ihm einen gewissen Zuverdienst brachte, er sollte es bis 1913 bleiben. 1898 gründete er mit einigen Freunden den Verein „Sturmfackel“, zu den Mitgliedern gehörten Rudolf Levy, Alfred Lörcher und Alfred Kubin.

1902 leistete er in München seinen Wehrdienst, das folgende Jahr fand ihn vorrangig in St. Ingbert, wo er einige stark vom französischen Impressionismus beeinflußte Bilder schuf. 1904 lernte er seine spätere Frau kennen, die Bankierstochter und Malerin Margarete Pohl. In den folgenden Jahren, bis 1907 (wo er auch Frau Pohl heiraten sollte), hielt er sich oft in Paris auf, gehörte dort dem Künstlerkreis des „Café du Dôme“ an und ließ sich von Cézanne, Manet, Matisse und Toulouse-Lautrec beeinflussen, auch die Beschäftigung mit den Arbeiten des bedeutenden Manieristen El Greco (1541-1614) blieb nicht ohne Spuren.

Die anschließende Zeit in München war von zunehmendem Erfolg geprägt, Bekanntschaften mit Erich Mühsam, Joachim Ringelnatz oder dem Journalisten und späteren Bundespräsidenten Theodor Heuss fielen in diese Zeit. 1909 reiste er mit Gino von Finetti nach Florenz, dort beeindruckte ihn die Frührenaissance und er wandte sich in Folge vermehrt religiösen Themen zu, sein Zyklus zum Heiligen Sebastian bildete hierbei den Anfang.

Mit Ausstellungen in München, Köln, Berlin, Dresden und Zürich von 1911-12 konnte er als sicher etabliert gelten und 1913 gründete er u.a. mit Paul Klee, Karl Arnold und Alexander Kanoldt als Abspaltung der „Münchener Secession“ die „Münchener Neue Secession“ und wurde zu deren erstem Präsidenten gewählt. Die erste Ausstellung der Gruppe im Herbst 1914 konnte er noch erleben, im Mai 1915 fiel er als Leutnant und Kompanieführer in Flandern.

Stilistisch ging Weisgerber einen ganz eigenen Weg zwischen der akademischen Münchner Schule, lichtdurchflutetem Impressionismus und Expressionismus. Trotz seiner engen Kontakte mit der modernen Avantgarde blieb er stets dem Figürlichen und der Abbildung der realen Welt verbunden, zur Abstraktion oder einem revolutionären Zwecken untergeordneten Verständnis von Kunst zog es ihn nicht.

Zu NS-Zeiten gehörte Weisgerber zu den Verfemten, seine Werke wurden aus den Museen entfernt und in Aktionen verkauft. Ein Großteil konnte glücklicherweise nach dem Krieg wieder zusammengetragen werden. Die Gedenkausstellungen in Saarbrücken und St. Ingbert zum 100. Todestag Weisgerbers haben ihre Zelte bereits abgebrochen, doch ab 2016 ist die feste Einrichtung eines Albert-Weisgerber-Museums in der Alten Baumwollspinnerei zu St. Ingbert vorgesehen.

 

Verweise:

http://www.albert-weisgerber-stiftung.de
https://www.kulturbesitz.de/weisgerber/home.html

Albert Weisgerber - im Spannungsfeld zwischen Impressionismus und Expressionismus https://art-depesche.de/images/Albert_Weisgerber_-_Im_Mnchner_Hofgarten_1911_1024px.jpg Ruedi Strese