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Johannes Riepenhausen, Vision Raffaels, Umrißradierung aus: 12 Umrisse zum Leben Raphaels von Urbino. Tafel VIII, 1833/1835, © Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett/ Dietmar Katz

Berlin - Die romantische Strömung der Deutschrömer betrieb einen wahren Kult um Raffael, sein Werk galt als das Ideal vieler dieser Maler, sein kurzes Leben war zur Legende geworden. Unter den Deutschrömern war auch der Göttinger Maler und Druckgraphiker Johannes Riepenhausen, welcher eine zwölfteilige Serie von Radierungen zum Leben Raffaels schuf, die nun anläßlich des 500. Todestages Raffaels, parallel zur Präsentation der Raffael-Madonnen, bis zum 26. April in einer Kabinettausstellung in der Gemäldegalerie zu sehen ist.

Johannes Riepenhausen wurde 1787 geboren, er lernte gemeinsam mit seinem Bruder Franz (1786-1831) zunächst bei seinem Vater, dem Zeichner und Kupferstecher Ernst Ludwig Riepenhausen (1762-1840), später dann bei Anton Wilhelm Tischbein in Kassel. Anschließend gingen die Brüder nach Dresden, und 1807 dann Rom, wo sie sich dauerhaft niederließen und auch starben, Franz bereits 1831 und Johannes 1860.

Dort war zu Beginn des 19. Jahrhunderts Raffael, nicht zuletzt inspiriert durch die Lebensbeschreibung Giorgio Vasaris aus dem 16. Jahrhundert, zu einem Mythos geworden, dem junge Künstler nachzueifern versuchten. Raffael-Reproduktionen fanden reißenden Absatz, und auch in ihren eigenen Werken ließen sich Künstler wie die Riepenhausens von Raffaels weichem Stil beeinflussen.

1816 fertigten sie eine Serie von Radierungen, welche die Kindheit und Jugend des Meisters zum Thema hatten und wurden damit die ersten, welche Raffael nicht bloß imitierten, sondern selbst zum Bildgegenstand machten. Als Franz 1831 starb, stand eine bedeutende Entdeckung kurz bevor.

Raffael, am Karfreitag 1483 geboren und am Karfreitag 1520 verstorben, hatte seine Beisetzung im Pantheon erbeten, doch gab es über den tatsächlichen Verbleib der Gebeine Unklarheit. 1833 aber konnten diese an einer Stelle im Pantheon klar identifiziert werden. Es war das Jahr von Raffaels 350. Geburtstag, und im selben Jahr brachte Riepenhausen unsere schlicht „Vita di Raffaelle da Urbino“ betitelte Serie von Radierungen heraus, welche auf den früheren Gemeinschaftsarbeiten basierte, doch nun das gesamte Leben darstellte.

Zudem hatte eine starke stilistische Veränderung stattgefunden, denn die erste Serie arbeitete stärker mit Schraffuren, war weicher und malerischer. Nun wurden die Umrisse betont, und Raffael erschien weniger als sensibler Jüngling, sondern als selbstbewußter, „faustischer“ Charakter von Anbeginn. Zwei Jahre später wurde die Serie auch auf Deutsch veröffentlicht, mit an Vasari angelehnten Begleittexten.

Zu sehen sind hier alle zwölf Blätter mit Begleittafeln, von denen einige Auszüge aus den originalen Beschreibungen wiedergeben. Ergänzend wird auch das Titelblatt gezeigt, welches Raffaels berühmtes Selbstbildnis von 1506 (im Besitz der Florentiner Uffizien) zum Vorbild hat, außerdem eine Zeichnung aus der Feder Franz Riepenhausens sowie eine Graphitstiftzeichnung Rudolph Friedrich Carl Suhrlandts, welche die beiden Brüder zeigt. Alles in allem durchaus interessant!

Abschließend sei noch darauf verwiesen, daß ab dem 28. Februar im Kupferstichkabinett der hauseigene Bestand an Zeichnungen Raffaels und seiner Schüler zu sehen sein wird. Da die beiden Museen sich im selben Gebäude befinden, ist sicher ein verbundener Besuch der beiden überschaubaren Ausstellungen zu empfehlen.

Die Gemäldegalerie befindet sich im Kulturforum am Matthäikirchplatz in 10785 Berlin. Geöffnet ist sie von Dienstag bis Freitagvon 10-18 (Donnerstags bis 20) sowie am Wochenende von 11-18 Uhr. Der Eintritt kostet regulär 10,- ermäßigt 5,- Euro

 

Verweise:

https://www.smb.museum/museen-und-einrichtungen/gemaeldegalerie/ausstellungen/detail/das-leben-raffaels.html
https://art-depesche.de/malerei/596-kabinettausstellung-raffaels-madonnen-in-der-gemäldegalerie.html
https://www.smb.museum/museen-und-einrichtungen/kupferstichkabinett/ausstellungen/detail/raffael-in-berlin-meisterwerke-aus-dem-kupferstichkabinett.html

Riepenhausens Radierungen zum Leben Raffaels in der Gemäldegalerie https://art-depesche.de/images/12_Umrisse_zum_Leben_Raphaels_von_Urbino.jpg Ruedi Strese