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Georg Schöbel „Erstürmung der Höhe 285. Argonnen, 13. Juli 1915“ (Öl auf Leinwand und Karton, 1915)

Berlin - Die deutsche Hauptstadt verfügt nicht nur über zahlreiche Kunstmuseen, sondern auch etliche weitere, welche an sich nicht unmittelbar in das Themenfeld unserer kleinen Seite gehören, jedoch unter anderem auch Gemälde zeigen. Darunter fällt das Deutsche Historische Museum. Ursprünglich hatte der Verfasser überlegt, den Artikel „Ein ignoranter Rundgang“ zu nennen, denn bewußt haben wir den eigentlichen Zweck des Museums ignoriert und uns vorrangig mit den ausgestellten Bildwerken befaßt. Schauen wir, ob es sich unter diesem Gesichtspunkt lohnt ...

Die Geschichte, welche hier erzählt wird, verläuft entlang der Zeit, und so ist es leicht, auch selbst der Chronologie zu folgen. Gleich zu Beginn sind wir positiv überrascht, denn posthume Bildnisse Karls des Großen und Sigismunds stammen immerhin aus der Dürer-Werkstatt, und Lucas Cranach der Ältere ist mehrfach im Programm, unter anderem mit Bildnissen Luthers und seiner Gattin Katharina von Bora. Somit ist die deutsche Renaissance prominent vertreten.

Außergewöhnlich auch die vier großformatigen Augsburger Monatsbilder von Jörg Breu dem Älteren, einem Vertreter der Donauschule. Es handelt sich um äußerst detailreiche Werke, welche ein umfassendes Bild des Lebens im mittleren 16. Jahrhundert geben. Daneben gibt es, und dies zieht sich durch die gesamte Dauerausstellung, Werke weniger bekannter Künstler bzw. solche, deren Urheber nicht mehr ermittelbar ist. Angesichts des Konzeptes natürlich kein Wunder und auch kein Problem.

Weiter geht es mit dem Barock Flanderns und des Goldenen Zeitalters der Niederlande. Zwei Gemälde aus der Werkstatt Peter Paul Rubens sind zu sehen, darunter amüsanterweise eine Tizian-Kopie. Vertreten ist auch der Antwerpener Frans Francken der Jüngere, interessant vor allem, unter dem Thema des Hexenwahns, sein „Hexensabbath“.

Aus dem Spätbarock bzw. Rokoko und frühem Klassizismus französischer Schule finden sich Arbeiten von Henri Testelin, Hyacinthe Rigaud und des vor allem für Preußen bedeutenden Antoine Pesne. Der Natur der Sache entsprechend sind darunter vor allem Porträts. Ein Bildnis Händels sticht heraus, Urheber ist der Niederländer Martin van Meytens der Jüngere.

Deutsche Künstler aus jener Zeit sind Wolfgang Heimbach, Johann Georg Ziesenis, Johann Heinrich Tischbein und natürlich der bedeutendste deutsche (eigentlich schweizer) Porträtist des Klassizismus, Anton Graff, hier mit einem Bildnis des aufklärerischen Philosophen Christian Fürchtegott Gellert. Sehr sehenswert auch mehrere Veduten Berlins von Carl Traugott Fechhelm aus dem Jahr 1785. Von dem Prager Ludwig Kohl, eigentlich eher bekannt aus Spätbarock und Klassizismus, sehen wir eine bereits stark romantisch gefärbte „Ruine einer gotischen Kathedrale“.

Aus Romantik und Biedermeier finden sich keine der großen Namen, doch mit einem Porträt Felix Mendelssohn Bartholdys von Theodor Hildebrandt und einem der Tradition der romantischen Landschaftsmalerei folgenden Bild einer rheinischen Textilfabrik Franz Stegmanns sind u.a. durchaus beachtliche Werke aus der Düsseldorfer Malerschule zu sehen.

Sehr gut abgedeckt ist hingegen der deutsche Realismus. Mit Adolph von Menzels „Borussia“ und Wilhelm Trübners „Verwundetem französischem Kürassier“ sind zwei in vielen Werken dem Naturalismus zuneigende Meister dabei, doch besonders gut vertreten ist die heute zu Unrecht verpönte akademische Malerei, denn bei all ihrer Nähe zur damaligen Macht und ihrer Gegnerschaft zu avantgardistischen Strömungen läßt sich eins nicht bestreiten: sie konnten malen.

Natürlich sind die in dieser Schule bevorzugten Porträts und Historiengemälde für ein historisches Museum prädestiniert. Von Oskar Begas sehen wir hierbei das Porträt des Bankiers Gerson Bleichröder, der Malerfürst Franz von Lenbach brachte Otto von Bismarck auf die Leinwand. Anton von Werner, langjähriger Direktor der Hochschule für die bildenden Künste, ist gleich mehrfach dabei. Besonders erwähnt sei hier das Monumentalgemälde „Eröffnung des Reichstages im Weißen Saal des Berliner Schlosses durch Wilhelm II.“.

Weiter nun zur angehenden Moderne. Die Symbolisten Fidus (mit einer Fassung des berühmten „Lichtgebets“) und Franz von Stuck (hier sind wir inkonsequent, das Werk ist eine Skulptur) begegnen uns ebenso wie bekannte Vertreter des deutschen Impressionismus, namentlich Franz Skarbina, Hans Herrmann, Lovis Corinth und Max Slevogt mit zum Teil recht untypischen Werken (etwa Kriegsbildern).

Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zeigt sich in all ihren politischen wie künstlerischen Gegensätzen. Nach nationalkonservativen Malern wie Arthur Kampf, Georg Schöbel und Walter Petersen kommen Werke der proletarisch-revolutionären Künstler Hans Baluschek, Käthe Kollwitz, Hans Grundig oder Curt Querner. Auch trifft die Kunst des Nationalsozialismus (vertreten etwa durch Adolf Wissel, Udo Wendel und Adolf Ziegler) auf die seiner Gegner (Felix Nussbaum und Edgar Ende), freilich stets im Kontext der geschichtlichen Erzählung.

Nach 1945 wird es mit Gemälden recht dünn, immerhin findet sich eine (kunsthistorisch allerdings kaum ausgeführte) Gegenüberstellung von westdeutscher Abstraktion (mit einem Bild Willi Baumeisters) und dem sozialistischem Realismus der DDR; darunter sich ein kleines Werk Werner Tübkes und damit eines der bedeutendsten dieser Maler.

Zu sehen gibt es also Einiges, bisweilen ist die Präsentation für Kunstwerke leider etwas ungünstig: es ist eben kein Kunstmuseum. Es sei betont, daß die Ausstellung tatsächlich sehr umfassend ist und selbst bei einem auf die Betrachtung der gezeigten Gemälde beschränkten Besuch durchaus drei Stunden eingeplant werden sollten.

Das Deutsche Historische Museum verteilt sich auf Zeughaus und Pei-Bau, Unter den Linden 2 in 10117 Berlin. Geöffnet hat es außer am 24. Dezember täglich von 10-18 Uhr, der Eintritt kostet regulär 8,-, ermäßigt 4,- Euro, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt.

Gemälde im Deutschen Historischen Museum - ein Rundgang https://art-depesche.de/images/Erstuermung_der_Hoehe_285_Argonnen.jpg Ruedi Strese