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Philipp Franck „Bachlauf“ (Aquarell, 1932)

Berlin - Die Galerie Mutter Fourage in Berlin-Wannsee hatten wir unseren Lesern bislang noch nicht vorgestellt. Aufgefallen war sie uns als regelmäßige Leihgeberin von Werken für die Sonderausstellungen der Liebermann-Villa, und so wollten wir nun doch wissen, was es mit dieser Adresse auf sich hat. Die aktuelle Ausstellung „Farbig & schwarzweiß - Arbeiten der Berliner Secession auf Papier“, welche noch bis zum 1. März 2020 gehen soll, nahmen wir zum Anlaß für einen Besuch.

Dabei haben Ort und Sammlung einen interessanten Hintergrund, welchen wir kurz skizzieren wollen. Es handelt sich um einen alten Bauernhof, welcher ab 1900 als Handlung für Pferdefutter (Fourage) genutzt wurde. Durch Weitergabe innerhalb der Familie erhielt schließlich Wolfgang Immenhausen diesen Hof, der ab 1977/78 sukzessive sein Konzept der Verbindung von Ökologie und Kunst umsetzte.

Immenhausen war nicht nur Schauspieler, sondern auch Kunstsammler, und mit der Zeit wurde er zu einem bedeutenden Kenner der Berliner Secession. Den Grundstock seiner Sammlung bildete ein Konvolut von Werken des deutschen Impressionisten und Mitbegründers der Berliner Secession Philipp Franck. Bedeutende Werke im Bestand der Galerie stammen des Weiteren u.a. von Oscar Begas, Anton von Werner, Max Liebermann und Emil Pottner.

1995 war Immenhausen auch Initiator und Mitbegründer der Max-Liebermann-Gesellschaft und zudem in Folge treibende Kraft bei der Restaurierung der seit 2006 der Öffentlichkeit zugänglichen Liebermann-Villa, daher der eingangs erwähnte Bezug.

Wir betreten also das Grundstück und gehen vorbei an einer Werkstatt für Bilderrahmen, einem Floristen, einem Bio-Laden und dem hübschen Hofcafé, hinein in die Galerie. Hier überrascht uns die große Fülle der gezeigten Arbeiten, es sind etwa 170, von durchschnittlich hoher Qualität.

Große Namen sind dabei, so Max Liebermann (etwa mit einem Selbstbildnis als Lithographie und einer Radierung mit badenden Knaben), Philipp Franck mit zahlreichen Arbeiten von der mythologischen Radierung bis zum farbenfrohen Landschaftsaquarell und Karl Hofer (mit einer späte Lithographie mit zwei jungen Mädchen).

Weitere Prominenz begegnet uns, so Lotte Laserstein, Franz Skarbina, August Gaul, Georg Kolbe, Max Slevogt, Lovis Corinth, Emil Orlik und Dora Hitz, ebenso Namen, die uns bislang vielleicht noch nicht oft aufgefallen sind und deren Werk noch weiterer Entdeckung harrt, etwa Emil Pottner, Hans Meid und Otto Schmidt-Cassella, es geht von der Federzeichnung über diverse Druckgraphik bis zu Pastell und Gouache, vom Porträt über die Genreszene bis zur Landschaft. Erwähnt seien auch die vergleichsweise humanen Preise. Auch weniger betuchte Bürger könnten sich hier ein Werk der frühen deutschen Moderne ins Heim holen.

Fazit: wir sind angenehm überrascht und werden unsere Leserschaft in Zukunft wohl kontinuierlich über das Wirken dieser Galerie auf dem Laufenden halten. Galerie Mutter Fourage, Chausseestraße 15a in 14109 Berlin-Wannsee. Geöffnet hat sie freitags von 14-18 sowie am Sonnabend und Sonntag von 12-17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

 

Verweise:

https://www.mutter-fourage.de/

Arbeiten der Berliner Secession auf Papier - Verkaufsausstellung in Berlin-Wannsee https://art-depesche.de/images/Bachlauf.png Ruedi Strese