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Charles Allston Collins „Klostergedanken“ (Öl auf Leinwand, 1851)

Bremen - Im Umfeld des präraffaelitischen Ästhetizismus bewegte sich eine ganze Reihe heute halbwegs vergessener Künstler, welche der Bruderschaft oder einzelnen Protagonisten zeitweilig nahestanden, ohne deren engerem Kreis anzugehören, und doch von ihrer Strahlkraft ergriffen wurden. Einer dieser Künstler war Charles Allston Collins, dessen Karriere als Maler allerdings nur kurz währte. Ein einzelnes seiner Bilder ist aber in die Kunstgeschichte eingegangen.

Geboren wurde Collins 1828 in London als Sohn des angesehenen Landschaftsmalers William Collins; sein älterer Bruder war Wilkie Collins, in der Literaturgeschichte bedeutend als einer der ersten Verfasser von Kriminalromanen bzw. Mystery-Thrillern (u.a. „Der Mondstein“).

Als 19jähriger begann er sein Kunststudium an der Royal Academy, wo er zunächst ganz der akademischen Malweise verpflichtet war; der Romantiker William Etty war sein Haupteinfluß. 1850 lernte er John Everett Millais und William Holman Hunt kennen und somit die Kunstauffassung der Präraffaeliten. Mythologische Themen, äußerste Präzision in der Ausführung und eine exklusive Ästhetik waren deren Ansatzpunkte.

Millais schlug Collins als Mitglied der sich geheimnisvoll gebenden Präraffaelitischen Bruderschaft vor, Hunt sowie Frederic George Stephens unterstützten den Vorschlag. Allerdings lehnten Thomas Woolner und Dante Gabriel Rossetti die Aufnahme ab, denn er sah Collins als unsicheren Kantonisten, zu wenig überzeugt von den Ideen der Bruderschaft. Zudem bewarb dieser sich um Maria Francesca Rossetti, die Schwester Dante Gabriels, ein weiteres Ansinnen, welches erfolglos blieb.

Dennoch kam es zu einer zeitweisen gemeinsamen Ausstellungstätigkeit. Collins’ bekanntestes Werk, „Klostergedanken“, entstanden 1850/51, wurde in der Royal Academy ausgestellt und von der Kritik, die allerdings den Präraffaeliten seinerzeit eh noch recht feindlich gesonnen war, verrissen.

Selbst für präraffaelitische Verhältnisse war die Ausführung von höchster Genauigkeit. Der Kunsthistoriker Thomas Combe, welcher das Gemälde erstand, gab zu Protokoll, an einer einzigen Lilie habe Collins einen ganzen Tag gearbeitet. Einflüsse von Rossetti und Millais sowie der Gotik lassen sich ausmachen, der hohe Symbolgehalt ist typisch für die Präraffaeliten. Im anglikanischen England wurden die Präraffaeliten ob ihrer religiösen Gemälde römisch-katholischer Sympathien verdächtigt, dieses Bild diente als einer der kräftigsten Belege.

Collins scheint indes nicht der geborene Maler gewesen zu sein, er klagte, beim Malen bekomme er Bauchschmerzen, begann immer wieder neue Bilder, ohne fertig zu werden. Durch Vermittlung seines Bruders Wilkie lernte er schließlich Charles Dickens kennen, dessen Tochter Kate Macready Dickens er später heiratete. Eine Beziehung, die jedoch eine Freundschaft geblieben sein soll.

In diesem Kontext beschloß er, die Malerei aufzugeben und sich ganz der Literatur zu widmen. Es entstanden zwei Romane, mehrere humoristische Aufsätze und zwei Reisebücher. Halbwegs erfolgreich wurden seine Gespenstergeschichten, die erfolgreichste, „The Trial for Murder“, entstand in Zusammenarbeit mit dem berühmten Schwiegervater. Collins stark bereits 1873, mit nur 45 Jahren, in London an Krebs.

 

Verweise:

http://www.artcyclopedia.com/artists/collins_charles_allston.html
http://www.wilkie-collins.info/family_charles.htm
https://artuk.org/discover/artworks/search/actor:collins-charles-allston-18281873
https://de.findagrave.com/memorial/10567271
https://www.tate.org.uk/art/artists/charles-allston-collins-104

Charles Allston Collins - eine flüchtige Blüte des britischen Ästhetizismus https://art-depesche.de/images/Klostergedanken.jpg Ruedi Strese