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Berthe Morisot „Mädchen auf der Wiese (Isabelle Lambert)“ (Öl auf Leinwand, 1885)

Hamburg - Impressionistische Malerei hat mehr als jede andere Strömung den expliziten Anspruch, das Auge unmittelbar anzusprechen, und so ist es kein Wunder, daß die entsprechenden Ausstellungen stets mit hohen Besucherzahlen rechnen können. Die Hamburger Kunsthalle, eine der gediegensten Sammlungen Deutschlands, hat die Bestände aus der dänischen Sammlung Ordrupgaard leihen können; sie werden nun noch bis zum 1. März 2020 zu besichtigen sein.

Genannte Sammlung wurde ab 1892 von dem Mäzen Wilhelm Hansen zusammengetragen und bildet den Grundstein des 1953 eröffneten staatlichen Museums Ordrupgaard in Charlottenlund bei Kopenhagen. Ein Teil besteht aus dänischer Malerei des 19. Jahrhunderts, u.a. von Vilhelm Hammershøi, Laurits Andersen Ring und Christen Købke, dieser war gerade zuvor in der Hamburger Kunsthalle zu sehen gewesen. Der andere sind die Franzosen, mit welchen wir uns an dieser Stelle befassen.

Die Hansens unterhielten beste Kontakte zur Pariser Kunstszene, so zu dem Kritiker Théodore Duret und dem Kunsthändler Ambroise Vollard. Vollard war einer der wichtigsten Unterstützer der Impressionisten und früher Förderer der Postimpressionisten; in seiner Galerie bot er beispielsweise Werke von Pierre-Auguste Renoir, Paul Gauguin, Maurice Vlaminck, Pablo Picasso, Henri Matisse oder Vincent van Gogh an. Somit hatte der dänische Sammler besten Zugang zur Quelle.

Seit Herbst 2017 ist das Museum vorübergehend geschlossen und die Sammlung auf Reisen; die Rückkehr ist für die Jahreswende 2020/21 anvisiert. Nun also haben wir in Hamburg die Gelegenheit. 60 Gemälde sind ausgestellt, dabei wird teils chronologisch, teils thematisch geordnet.

Zu Beginn sehen wir einige wenige Beispiele französischer Malerei des frühen 19. Jahrhunderts, aus Klassizismus (Jean-Auguste-Dominique Ingres, Thomas Couture), Romantik (Eugène Delacroix) und Realismus (Honoré Daumier).

Dann geht es weiter mit zwei bedeutenden Malern des Realismus, die durch ihre zum Teil im Freien entstandenen Landschaftsgemälde bereits als unmittelbare Vorläufer der Impressionisten gelten dürfen, namentlich Camille Corot und Gustave Courbet, welche jeweils mit einer Reihe zum Teil erstklassiger Gemälde, doch auch Studien vertreten sind. Zwei mit Corot durch die Schule der Freilichtmaler von Barbizon verbundene Maler sind Charles-François Daubigny und Jules Dupré, beide sind mit je einem Gemälde im Programm, besonders Duprés herrliches Seestück verdient Beachtung.

Die eigentlichen Impressionisten erfahren eine thematische Gliederung, wobei naturgemäß die Landschaft eine große Rolle spielt. Eine Strandszene von Eugène Boudin, einem völlig einzigartig stehenden Proto-Impressionisten, stellt ein besonderes Glanzlicht dar, ansonsten ist mit Landschaften und Veduten von Claude Monet (u.a. einer Version der „Waterloo Bridge“, Alfred Sisley, Armand Guillaumin und Camille Pissarro kaum etwas falsch zu machen.

Bei den Porträts und Genreszenen finden sich hervorragende Arbeiten von Edgar Degas (sehr elegant „Frau, ihr Haar frisierend“ von 1894), Eva Gonzalès, Pierre-Auguste Renoir, Édouard Manet und, mit mehreren Werken, Berthe Morisot; insbesondere ihr „Mädchen auf der Wiese (Isabelle Lambert)“ sollte man sich nicht entgehen lassen. Auch Paul Cézanne ist dabei, mit einer seiner Darstellungen der Badenden, eigenwilligen Aktgruppen-Versuchen.

Ein kleines Kontingent von Stilleben folgt, dem eigentlichen Impressionismus ist dabei allenfalls ein Werk Manets zuzurechnen, die Bilder von Paul Gauguin, Odilon Redon und Henri Matisse sind deshalb indes nicht von geringerem Reiz. Den Abschluß bildet ein Raum, welcher ganz Gauguin gewidmet ist, hier geht es vom impressionistisch geprägten Frühwerk über Landschaften aus seiner Zeit in Pont-Aven bis zum auf Tahiti entstandenen Südsee-Symbolismus. Außerordentlich!

Wer also Lichtmalerei liebt, sollte sich, so er die Gelegenheit hat, in der nächsten Zeit nach Hamburg begeben, zumal auch die Präsentation der Werke überaus gelungen ist. Die Hamburger Kunsthalle befindet sich am Glockengießerwall 5 in 20095 Hamburg, wenige Minuten vom Hauptbahnhof entfernt. Sie hat von Dienstag bis Sonntag jeweils 10 - 18 Uhr sowie am Donnerstag von 10 - 21 Uhrgeöffnet, der Montag ist Schließtag. Der Eintritt kostet regulär 14,-, ermäßigt 8,- Euro, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt.

 

Verweise:

https://www.hamburger-kunsthalle.de/ausstellungen/impressionismus
https://artisnext.net/kalender/detail.xhtml?id=34034
https://ordrupgaard.dk/en/
https://ordrupgaard.dk/en/keep-up-with-the-french-collections-international-tour/

Impressionismus - französische Lichtmalerei in der Hamburger Kunsthalle https://art-depesche.de/images/Maedchen_auf_der_Wiese.jpg Ruedi Strese