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Karl Hagemeister „Wiesenstück“ (Öl auf Leinwand, 1906, Potsdam Museum)

Potsdam - Karl Hagemeister (1848-1933) gehört zu den wichtigsten Vertretern der deutschen impressionistischen Landschaftsmalerei, und vielleicht war er ihr eigenständigster. Das Potsdam Museum verfügt über bedeutende Bestände dieses Meisters, welche nun, gemeinsam mit zahlreichen Leihgaben, in einer erstklassigen Schau zu sehen sind. „Karl Hagemeister ,…das Licht, das ewig wechselt.‘ Landschaftsmalerei des deutschen Impressionismus“ wird bis zum 5. Juli 2020 zu besichtigen sein.

Die museumseigenen Bestände umfassen 15 Ölgemälde, 5 größere Pastelle, 76 Zeichnungen sowie Fotografien und Dokumente Hagemeisters, das ist die zweitgrößte museale Sammlung seiner Werke. Ergänzend zu diesen Gemälden und Pastellen und einer Auswahl der Zeichnungen stehen die Gäste, welche u.a. aus dem Berliner Kupferstichkabinett, der Nationalgalerie, der Neuen Pinakothek München, dem Bröhan-Museum, dem Museum der Bildenden Künste Leipzig, dem Museum Georg Schäfer Schweinfurt und privaten Sammlungen stammen.

Vorgegangen wird weitgehend chronologisch, zudem werden ausgewählte Aspekte gesondert beleuchtet. Dazu finden sich an den Wänden biographische Stichpunkte und kurze Texte, dazwischen in lockerer Hängung die Kunstwerke, alles sehr ansprechend gestaltet. Bedenken wir: es handelt sich hier nicht um ein ausgesprochenes Kunstmuseum, sondern um das Potsdamer Stadtmuseum. Da kann sich die Berliner Entsprechung, nämlich das Märkische Museum, mehr als nur eine Scheibe abschneiden!

Es beginnt also mit Frühwerken aus der Zeit des Studiums bei Friedrich Preller dem Älteren (gleichfalls mit einer Landschaft exemplarisch vertreten), darunter Aktstudien, ein Selbstporträt und mehrere noch in dunklen Tönen gehaltene Landschaften. Thematisiert wird die Freundschaft mit Carl Schuch und die Beeinflussung durch den Realismus des Leibl-Kreises sowie die Schule der Freilichtmaler von Barbizon. In diesem Kontext ist ein von Schuch gemaltes Porträt Hagemeisters zu sehen, und ein erstklassiges Gemälde Charles-François Daubignys wird als Muster für Barbizon vergleichbaren Landschaften Schuchs und Hagemeisters zugesellt. Bemerkenswert auch zwei Landschaftszeichnungen, welche auf einer Italienreise Schuchs und Hagemeisters in Olevano entstanden, einem Ort, dem etliche deutsche Maler von den Deutschrömern bis zu Alexander Kanoldt Tribut gezollt haben.

Eine von Schuch angeregte gemeinsame Studienreise nach Paris 1883/84 hatte die Entzweiung der beiden Freunde zur Folge, denn unter dem Eindruck des Impressionismus wandte sich Hagemeister vom erdigen Realismus des Leibl-Kreises ab. Von einer diesbezüglichen Äußerung leitet sich auch der Ausstellungstitel her: „1883 war ich mit Schuch in Paris und ich erkannte, daß nicht die Tonigkeit die Hauptsache für die Bilder sei, sondern das Licht, das ewig wechselt.“

Es handelte sich um einen Schritt in Richtung Abstraktion, und in Folge fand Hagemeister auch seinen eigenen Stil, bei welchem er über den für Barbizon typischen kleinen Landschaftsausschnitt der paysages intimes noch hinausging und Details aus der Natur auswählte, welche er in seinen Gemälden annähernd lebensgroß darstellte, und mit leuchtenden Farben und breitem Pinselstrich eine naturmagische Kunst schuf, welche thematisch und farblich durchaus von Monet, den er in seiner Biographie Schuchs als den „Rembrandt des Lichts im Freien“ bezeichnete, beeinflußt ist und doch vollkommen eigen. Kleine Uferabschnitte, Seerosenbilder, Wiesenstücke, aus denen bisweilen das Licht zu strahlen scheint, sind hierfür typisch. Sehr interessant auch ein direkt Hagemeisters Stil folgendes Gemälde von Hannah Schreiber de Grahl (1864-1930), einer Freilichtmalerin, welcher dieser am Schwielowsee Unterricht gab.

Einen eigenen Abschnitt bekommt das Pastell zugesprochen. Vor allem Edgar Degas hatte diesem im französischen Impressionismus seine besondere Bedeutung verliehen, doch auch in Deutschland wußte man den ätherisch-nebligen Effekt dieses Mediums zu schätzen. Neben Hagemeister finden sich dort Lesser Ury, Max Liebermann, Max Slevogt und Walter Leistikow mit Farbkreide-Landschaften.

Diese Kollegen sind auch in einem weiteren Raum versammelt, welcher sich mit dem künstlerischen Umfeld Hagemeisters zur Zeit der Berliner Secession, deren Gründungsmitglied er 1898 wurde, befaßt. Besonders interessant übrigens die „Mondscheinlandschaft“ Urys. Dieser war vor allem durch Berliner Nachtszenen in gewisser Verwandtschaft zu James McNeill Whistler hervorgetreten, hier findet sich dieser Ansatz meisterlich auf die brandenburgische Landschaft übertragen. Neben den bereits genannten Künstlern sind auch Lovis Corinth, Philipp Franck und der sehr an van Gogh orientierte Theo von Brockhusen mit durchweg hochwertigen Arbeiten dabei.

Den Abschluß der Ausstellung bilden ein Raum mit lichtvollen Großgemälden aus der zentralen Werksphase, darunter das fantastische „Teich in der Mark“ (1902), welches sich im Besitz des Bröhan-Museums befindet, sowie ein letzter, welcher sich dem an der Ostseeküste Rügens entstandenen Spätwerk widmet. Insbesondere in den Detailansichten von Wellen zeigt sich die außergewöhnliche Kraft des Malers, der Betrachter meint förmlich, das Rauschen des Meeres zu hören, obgleich es sich lediglich um einen durch den engen Fokus fast ins Abstrakte gehenden Ausschnitt der Natur handelt.

Diese Ausstellung zeigt insgesamt ein beeindruckend hohes Niveau; Freunde der Lichtmalerei sollten sie sich nicht entgehen lassen! Nach dem Ende in Potsdam wird sie noch in wohl etwas abgewandelter Form im Museum Georg Schäfer in Schweinfurt (18. Oktober 2020 bis 21. Februar 2021) sowie im Kunstmuseum Ahrenshoop (10. April bis 5. September 2021, hier mit Schwerpunkt auf dem Rügener Spätwerk) zu sehen sein.

Zu guter Letzt sei noch auf das unter der Ägide der Kunsthistorikerin Dr. Hendrikje Warmt in Entstehung befindliche Werkverzeichnis Hagemeisters hingewiesen, für welches noch nach bislang nicht erfaßten Arbeiten des Malers gefahndet wird. Nähere Informationen dazu gibt die Netzseite www.hagemeister-werkverzeichnis.de.

Das Potsdam Museum - Forum für Kunst und Geschichte befindet sich Am Alten Markt 9 in 14467 Potsdam, gleich neben dem Museum Barberini. Geöffnet hat es am Dienstag, Mittwoch und Freitag von 10-17, am Donnerstag von 10-19 sowie an Sonnabenden, Sonntagen und Feiertagen von 10-18 Uhr, der Montag ist Schließtag. Der Eintritt für die Sonderausstellung kostet regulär 5,-, ermäßigt 3,- €. Zu besichtigen ist auch eine Dauerausstellung zur Potsdamer Stadtgeschichte, welche mit einer hohen Zahl zum Teil durchaus interessanter Gemälde, vor allem Veduten, aufwarten kann.

 

Verweise:

https://www.potsdam-museum.de/ausstellung/karl-hagemeister-das-licht-das-ewig-wechselt-landschaftsmalerei-des-deutschen
https://www.havellaendische-malerkolonie.de/cms/zeigeBereich/15/karl-hagemeister.html
https://art-depesche.de/malerei/359-landschaften-von-hagemeister-und-leistikow-im-bröhan-museum.html
https://www.potsdam-museum.de/artikel/potsdam-museum-erhaelt-werke-von-hannah-schreiber-de-grahl

Hagemeister und der deutsche Impressionismus im Potsdam Museum https://art-depesche.de/images/Wiesenstueck.jpg Ruedi Strese