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Jean-Honoré Fragonard „Die Geburt der Venus“ (Öl auf Leinwand, 1753-55)

Hamburg - Jean Honoré Fragonard gehört zu den Großmeistern des eloquenten französischen Rokoko, Giovanni Battista Tiepolo ist als vielleicht bedeutendster Vertreter des venezianischen Spätbarock bekannt und der Spanier Francisco de Goya wird heuer zuerst mit seinen grotesken und morbiden Druckgrafiken in Verbindung gebracht. Gleichzeitig waren diese Künstler in ihrer Zeit Innovatoren, welche sich über Konventionen der Malerei hinwegsetzten, Neues probierten, und als solche vereint die Hamburger Kunsthalle sie in einer bemerkenswerten Schau. „Goya, Fragonard, Tiepolo. Die Freiheit der Malerei“ soll bis zum 13. April 2020 zu sehen sein.

Ausgehend von der hauseigenen größten Sammlung spanischer Druckgraphik außerhalb Spaniens wurden insgesamt 150 Graphiken und Gemälde versammelt, dafür konnten bedeutende Leihgaben aus 30 deutschen und internationalen Museen gewonnen werden, u.a. aus dem Museo Nacional del Prado Madrid, dem Rijksmuseum Amsterdam, dem Städel Museum Frankfurt und dem Nationalmuseum Stockholm. Doch kommen wir kurz zu den einzelnen Künstlern.

Giovanni Battista Tiepolo (1696-1770) war als barocker Meister höchst anerkannt, und betrat doch Neuland. Ungewohnte, beinahe proto-impressionistische Farbigkeit, Skizzenhaftigkeit, lockere Pinselführung ergeben einen eigenen Stil: einen Tiepolo erkennt man oft auf den ersten Blick. Hier wurde Einiges zusammengetragen. In seine Fußstapfen trat der älteste Sohn Giovanni Domenico (1727-1804), der ebenfalls mit ein paar Werken vertreten ist.

Jean Honoré Fragonard (1732-1806) kennen wir vor allem als Maler üppig-sinnlicher Frauenbildnisse. Der Schüler François Bouchers orientierte sich hierin an seinem Lehrer, ähnlich Tiepolo wählte er jedoch eine gröbere Pinselführung und nahm impressionistische Techniken vorweg. Neben den grandiosen Gemälden brillierte er als Zeichner, auch dafür sehen wir Beispiele.

Von Francisco de Goya (1746-1828) sind mehrere Ölgemälde zu sehen, eine in Deutschland seltene Gelegenheit! Hier zeigen sich realistische wie auch groteske Züge. Letztere werden jedoch vor allem in seinen Aquatinta-Radierungen aus den Serien „Los Caprichos (Einfälle)“ (1796-97) und „Desastres de la Guerra (Die Schrecken des Krieges)“ (1810-14) manifest, welche sich im Besitz der Kunsthalle befinden und entsprechend ausführlich gewürdigt werden.

Interessanterweise gab es durchaus Bezüge zwischen diesen doch sehr verschiedenen Künstlern. So ließ Goya sich am Hof in Madrid für einige Altarbilder unmittelbar von Giovanni Battista Tiepolo beeinflussen, denn dieser hatte dort 1762 bis 1770 am Hof Karls III. gewirkt, Fragonard wiederum hatte sich 1756 und 1761 in Italien aufgehalten, Goya hatte zudem 1770/71 in Italien und 1824-28 bis zu seinem Tode in Frankreich gelebt. Von persönlichen Treffen ist wohl nichts bekannt, voneinander gehört hatte man hingegen durchaus.

Die ansprechende Präsentation einschließlich lesenswerter Begleittexte trägt ihren Anteil zu einer durch und durch gelungenen Ausstellung bei. Die Hamburger Kunsthalle befindet sich am Glockengießerwall 5 in 20095 Hamburg, wenige Minuten vom Hauptbahnhof entfernt. Sie hat von Dienstag bis Sonntag jeweils 10 - 18 Uhr sowie am Donnerstag von 10 - 21 Uhrgeöffnet, der Montag ist Schließtag. Der Eintritt kostet regulär 14,-, ermäßigt 8,- Euro, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt.

 

Verweise:

https://www.hamburger-kunsthalle.de/presse/ausstellungen/goya-fragonard-tiepolo
https://art-depesche.de/malerei/78-goyas-„los-disparates“-die-entfesselte-hölle.html

Goya, Fragonard und Tiepolo in der Hamburger Kunsthalle https://art-depesche.de/images/Die_Geburt_der_Venus.jpg Ruedi Strese