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Ernest Lawson „The Hudson at Inwood“ (Öl auf Leinwand, ca. 1917)

Bremen - Er war ein Grenzgänger: Kanada und die USA beanspruchen ihn als einen der ihren, und als Mitglied der modernen Künstlervereinigung The Eight, personell teilweise verbunden mit der „Ashcan School“, stach er auch dadurch hervor, wohl am wenigsten Avantgardist zu sein. Der Landschaftsmaler Ernest Lawson schuf ein bedeutendes und eigenständiges Oeuvre zwischen Realismus und Impressionismus, welches zu Recht seinen Platz in der nordamerikanischen Kunstgeschichte behauptet.

Geboren wurde er 1873 im neuschottischen Halifax, woraus sich seine Einordnung als kanadischer Künstler herleitet, allerdings zog die Familie mit ihm 1888 nach Kansas City, USA. Der Großteil seiner Ausbildung und Karriere sollte sich außerhalb Kanadas abspielen.

Diese begann 1891, als er nach New York ging, wo er sich bei der Art Students League einschrieb. Dort hatte er das Glück, Kurse bei John Henry Twachtman, einem der großartigsten amerikanischen Impressionisten, besuchen zu können. Dieser erwies sich als stilprägend, und auch das von Twachtman bevorzugte Motiv der Winterlandschaft sollte sich in Lawsons Werk des Öfteren finden.

Zudem folgte er seinem Lehrer nach Cos Cob, Connecticut, wo sich eine Freilichtmalerkolonie befand, und dort nahm er zudem Unterricht bei Julian Alden Weir, einem weiteren amerikanischen Impressionisten.

Stilecht ging er 1893 nach Paris, schrieb sich an der Académie Julian ein und erweiterte sein Können unter der Anleitung von Jean-Joseph Benjamin-Constant und Jean-Paul Laurens. Bei der Freilichtmalerei in Morte-sur-Loing begegnete er Alfred Sisley, dem frühen Weggefährten Monets, was sich gleichfalls in seinem Werk niederschlagen sollte, und 1894 durfte er sogar im Pariser Salon ausstellen.

1896 ging er nach New York zurück, wo er sich in einem Umfeld unabhängiger Künstler bewegte, aus welchem sich später die Gruppe „The Eight“ bilden sollte. Er erkundete die Landschaft um New York, doch auch in Florida, Colorado, Kansas, New Mexiko, Tennessee, Neuschottland; selbst nach Spanien gelangte er auf seiner Suche nach lyrischen Motiven. Er wurde mit seinen zumeist pleinair gemalten Bildern durchaus erfolgreich, und ein eigener Stil ist schon früh erkennbar. Neben der stimmungsvollen Landschaft schuf er auch außerordentliche Veduten des gerade im Wachsen befindlichen New York, wobei er sich eines pastosen, überaus kraftvollen Farbauftrags bediente und den Effekt flackernden Lichtes erzeugte.

1908 wurde er schließlich Mitglied der avantgardistischen Vereinigung „The Eight“. Seine Bundesgenossen waren Robert Henri, William Glackens, John Sloan, George Luks und Everett Shinn; diese fünf werden auch der realistisch-sozialkritischen Ashcan School zugerechnet; außerdem der brilliante postimpressionistische Aquarellist Maurice Prendergast sowie Arthur B. Davies, welcher stark zum Symbolismus neigte. Obgleich Lawson den rebellischen künstlerischen Wegen der Ashcan School fernstand, teilte er mit dieser das Ansinnen nach einer gründlichen Erneuerung im als festgefahren betrachteten Ausstellungsbetrieb, und tatsächlich gelang es ihnen, allerhand mediale Aufmerksamkeit zu erhalten.

Trotz dieser Teilnahme an einer künstlerischen Rebellengruppe erhielt er höchste Weihen. 1911-15 durfte er als Mitglied des Canadian Art Club ausstellen, 1917 wurde er Vollmitglied der National Academy of Design, und William Merritt Chase, der Vater des amerikanischen Impressionismus, bezeichnete ihn als den größten amerikanischen Landschaftsmaler.

An der Armory Show, welche 1913 in gewisser Weise die klassische Moderne in den USA einleitete, nahm er mit drei Gemälden teil, zeigte sich interessiert am Postimpressionismus, wobei besonders Cézanne ihn stark beeindruckte; neuere Strömungen wie Kubismus oder Futurismus überstiegen indes sein Verständnis.

In klingende Münze konnte er diese Anerkennung allerdings nicht dauerhaft umsetzen, und bald sah er sich von jüngeren Künstlern überholt; seine geistige und körperliche Gesundheit nahm rapide ab, und als seine Leiche 1939 am Strand von Miami gefunden wurde, wollten die Gerüchte, es habe sich um einen Selbstmord gehandelt, nicht verstummen. Verblieben ist uns Lawsons umfangreiches und qualitativ beeindruckendes Gesamtwerk, welches definitiv zum Besten der amerikanischen Landschaftsmalerei um 1900 gehört.

 

Verweise:

http://www.artnet.de/künstler/ernest-lawson/
http://www.artcyclopedia.com/artists/lawson_ernest.html
https://americanart.si.edu/artist/ernest-lawson-2833
https://www.invaluable.com/artist/lawson-ernest-ubgyp9a74v/sold-at-auction-prices/
https://art-depesche.de/malerei/193-john-henry-twachtman,-einer-der-großen-impressionisten-amerikas.html
https://art-depesche.de/malerei/311-maurice-prendergast-–-der-große-aquarellist-des-amerikanischen-postimpressionismus.html

Ernest Lawson - ein Meister der amerikanischen Landschaftsmalerei https://art-depesche.de/images/The_Hudson_at_Inwood.jpg Ruedi Strese