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„Einblicke I“ (Ausstellungsansicht)

Berlin - Stefan Plenkers und Joachim Böttcher sind zwei Künstler, welche sowohl biographische Gemeinsamkeiten als auch stilistische Verwandtschaft verbinden. Aufgewachsen und ausgebildet in der DDR, und in ihrem Werk treffen sich Gegenständlichkeit und Abstraktion. Wenn die Galerie Berlin im Bezirk Mitte nun Arbeiten dieser beiden in einer gemeinsamen Ausstellung präsentiert, ist das also etwas Naheliegendes. Der Titel ist, so einfach wie passend, „Einblicke I“, und zu sehen sein wird sie bis zum 30. März 2020.

Stefan Plenkers wurde 1945 im unterfränkischen Ebern geboren und wuchs in Görlitz auf. Nach einer Lehre als Schriftsetzer studierte er ab 1967 Grafik an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden, 1980 bis 1982 war er Meisterschüler Gerhard Kettners. Zahlreiche Reisen führten ihn in die Bundesrepublik, nach China, nach Frankreich oder in den Kaukasus; seine Bilder sind unter anderem im Potsdam Museum, im Museum Barberini und im Leipziger Museum für Bildende Künste zu finden. Lebensmittelpunkt Plenkers’ ist Dresden.

Die Galerie Berlin zeigt nun zwei frühe druckgraphische Arbeiten, Aquatinta-Radierungen von 1982, wobei das Exemplar von „Zirkus 1/1“ später aquarelliert wurde, „Nächtlicher Bahnhof“ stellt eine Vedute dar, die, wie manche seiner Frühwerke, an Werner Heldt erinnert. Dazu gibt drei Gemälde aus den späteren 80er Jahren. Aus dieser Schaffensphase stammen seine bekanntesten Arbeiten, sie sind von kraftvollem, ja ruppigem Farbauftrag in großen Flächen geprägt, wirken abstrakt, doch bedienen sich figürlicher Fragmente. Ein schwerer Unfall 1989 stellte einen Bruch dar; und ein vergleichsweise neueres Werk von 2001 namens „Andalusische Häuser“ ist von gänzlich verändertem Ausdruck, weit leichter und zurückhaltender in Farbe, Dichte und Pinselstrich, nimmt zugleich Ansätze der frühen Veduten wieder auf.

Joachim Böttcher, Jahrgang 1946, stammt aus Oberdorla, Thüringen und lernte zunächst den Beruf des Steinmetzen, wonach es ihn wie Plenkers 1967 Hochschule für Bildende Künste Dresden nach Dresden verschlug; er studierte dort Malerei und Grafik, wobei auch Gerhard Kettner unter seinen Lehrern war. Meisterschüler war er schließlich bei Werner Stötzer. Er lebt und arbeitet in Berlin und der Uckermark.

„Einblicke I“ vereint nun verschiedene Werkgruppen. Der Bereich der Bildhauerei ist mit Bronzeskulpturen aus den Jahren 1989/90 sowie Steingußarbeiten aus den Jahren 2015-19 abgedeckt. Rudimente menschlicher Leiber bekommen etwas Archaisches und Monumentales.

Ältere Gemälde aus den mittleren 80er bis späten 90er Jahren zeigen eine stilistische Ähnlichkeit zu den Arbeiten Plenkers’ um 1990, sind allerdings weniger roh, auch hier die Begegnung von Figürlichem und gegenstandsloser Flächenmalerei. Zwei recht junge, kleine Bilder quadratischen Formates (darunter „Helle Kreuzigung“, 2016) sind Belege einer Entwicklung zu mehr Innerlichkeit, sie wirken zart, beinahe mystisch, farblich reduziert, mit grafischen Elementen - wie ausdrücke einer geheimen Sprache, deutlich eigenständiger und intimer als die frühen Werke. Ergänzend gibt es noch Arbeiten auf Papier, welche ohne Weiteres die gleiche Autorschaft verraten.

Insgesamt für Freunde kraftvoller zeitgenössischer Malerei mit Tendenz zum Gegenstandslosen recht empfehlenswert. Die Galerie Berlin / Küttner & Ebert GmbH befindet sich in der Auguststraße 19 in 10117 Berlin, geöffnet hat sie von Dienstag bis Samstag von 12 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung.

 

Verweise:

https://www.galerie-berlin.de/
http://www.joachim-boettcher.de/

Einblicke I - Stefan Plenkers und Joachim Böttcher in der Galerie Berlin https://art-depesche.de/images/Einblicke_I_Ausstellungsansicht.jpg Ruedi Strese