static-aside-menu-toggler
gkSearch
„Tête-à-Tête – Köpfe aus der Kunstsammlung der Berliner Volksbank“ (Ausstellungsansicht)

Berlin - Das Kunstforum der Berliner Volksbank verfügt über eine recht beachtliche Sammlung von Werken deutscher Künstler, mit dem Schwerpunkt bei solchen aus der Hauptstadt und deren Umland. In einer neuen Ausstellung wurde nun allerhand, was menschliche Köpfe darstellt, zusammengetragen, und zwar aus den verschiedensten Medien von Malerei über Grafik bis Skulptur. „Tête-à-Tête – Köpfe aus der Kunstsammlung der Berliner Volksbank“ wird bis zum 30. Juni 2020 zu sehen sein. Schauen wir, was uns dort erwartet!

Mit gleich fünf Bildern (Aquarell / Mischtechnik) aus dem Jahr 1989 ist Rainer Fetting (*1949) vertreten. Es handelt sich um recht grobe frontale Darstellungen von Gesichtern. Wir finden diesen Künstler in seinen bekannten Ansichten Berlins, speziell der Berliner Mauer, überzeugender.

Der prominenteste Künstler der Schau dürfte Gerhard Altenbourg (1928-89) sein. Sein meist sehr düsteres Werk bewegt sich in der Nähe des Surrealismus mit Einflüssen lyrischer Abstraktion, eine gewisse stilistische Verwandtschaft besteht zu Horst Janssen. Die drei ausgestellten rohen grafischen Arbeiten stammen aus den 50er und 60er Jahren.

Sehr bekannt ist auch Horst Antes (*1936), welcher sich als einer der ersten westdeutschen Künstler der Nachkriegsmoderne wieder der figurativen Malerei zuwandte. Bekannt wurde er indes vor allem durch seine Kopffüßler-Skulpturen. Sein „Kopf mit stehender Figur, Reif und Stab“ (1979/80) aus geschweißtem Stahl ist für Antes’ von afrikanischer und indianischer Kunst beeinflußten Stil typisch und gehört zu den interessantesten Stücken im Programm.

Außerordentlich schön ist eine Steingußarbeit von Clemens Gröszer (1951-2014), der „Kopf Engel (aus Engelsfragmente)“, 2007. Der Blick dieses rätselhaften Wesens entzieht sich der Deutung. Ist es Weisheit? Melancholie? Heimweh? Sollte man gesehen haben. Gröszer war sonst übrigens vor allem ein hervorragender Maler in der Tradition Otto Dix’, der sich durch genaueste Zeichnung hervortat.

Der Dresdener Max Uhlig (*1937) war bereits zu DDR-Zeiten auch außerhalb der sowjetischen Zone bekannt; sein Erfolg hält bis heute an, erkennbar an etlichen Ausstellungen und Bildern in den verschiedenen Museen. Hier sehen wir eine Radierung „Frauenkopf im Gegenlicht“ von 1978 sowie eine Tuschezeichnung „Männerkopf“ (1983); beide in Uhligs expressivem, ja verstörendem Stil; die Gesichter scheinen nur aus Schmerz zu bestehen bis zu ihrer Auflösung.

Angela Hampel (*1956) ist mit zwei Bleistiftzeichnungen von 1992 sowie einem „Selbstbildnis mit Maske“ (Mischtechnik auf Papier, 1993) vertreten, diese haben einen etwas nachtseitigen Varieté-Geruch.

Mit dem Schweizer Luciano Castelli (*1951) ist ein Maler aus dem Kreis der Neuen Wilden vertreten, der lange in Berlin lebte; das „Chinesische Porträt“ (1986) ist typisch für deren schroffen, expressiven Gestus, festgehalten auf großformatiger Leinwand. Großformatig ist auch das Acrylgemälde „Wildheit im Kopf“ (1996/97) von Helge Leiberg (*1954 in Dresden). Interessant ist, daß die Gesichtszüge des sehr rohen Kopfes zugleich eine Tänzerin darstellen, die Haare hingegen eine schwarzen Vogel.

Glanzlicht unter den grafischen und malerischen Werken ist unseres Erachtens allerdings ein Selbstbildnis von 1976 des Berliner Malers Roland Nicolaus (*1954), eines brillanten Zeichners, welcher sich hier in altmeisterlicher Weise in Öl auf Holz festgehalten hat. Wir empfehlen unseren Lesern eine weitere Beschäftigung mit diesem außergewöhnlichen Künstler! Auch ein recht mystisches Ölgemälde „Der Sterndeuter“ (1987) von Markus Lüpertz (*1941) verdient Beachtung.

Insgesamt ist festzuhalten, daß der Großteil der gezeigten Werke ausgesprochen düsterer bis morbider Natur ist, man erhält dabei einen recht interessanten Überblick verschiedener Stilansätze der Nachkriegsmoderne. Neben den bereits genannten Künstlern sind Martin Heinig, Gerd Sonntag, Ulla Walter, Christa Dichgans, Erika Stürmer-Alex, Dieter Hacker, Hans Scheuerecker, Cristina Renker, Burkhard Held im Programm.

Das Kunstforum der Berliner Volksbank befindet sich am Kaiserdamm 105 in 14057 Berlin und hat dienstags bis sonntags von 10-18 Uhr geöffnet; der Montag ist Schließtag. Der Eintritt kostet 4,-, ermäßigt 3,- Euro, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt.

 

Verweise:

https://kunstforum.berlin/aktuelle-aussstellung/?doing_wp_cron=1582620257.1959519386291503906250
https://www.das-alte-europa.info/

Köpfe aus der Sammlung der Berliner Volksbank https://art-depesche.de/images/Tte--Tte.jpg Ruedi Strese