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Raffaelo Santi „Maria als Schmerzensmutter und der Heilige Petrus“ (Federzeichnung, ca. 1500-02)

Berlin - Nach der überwältigenden Menzel-Ausstellung hat sich das Berliner Kupferstichkabinett einen Künstler vorgenommen, welcher es weltweit zur Legende brachte. Anläßlich des Raffael-Jahres wird nun, neben den zwei Kabinettausstellungen in der im gleichen Haus befindlichen Gemäldegalerie (die Art-Depesche berichtete), ein weiteres Schlaglicht auf den vor 500 Jahren gestorbenen Renaissance-Meister geworfen. „Raffael in Berlin - Meisterwerke aus dem Kupferstichkabinett“ wird bis zum 1. Juni 2020 zu sehen sein und zeigt Arbeiten des Meisters und seines Umfeldes.

Im Zentrum der Ausstellung stehen die tatsächlich Raffael zugeschriebenen Zeichnungen, welche sich im Besitz des Kupferstichkabinettes befinden, genauer: sieben der acht, denn die Kopfstudie zur Madonna Terranuova, einem der Hauptwerke Raffaels, befindet sich neben dieser in der Ausstellung zu dessen Madonnen in der Gemäldegalerie, zu sehen noch bis zum 26. April.

Diese sieben Zeichnungen also sind nun chronologisch geordnet, von der „Maria als Schmerzensmutter und der Heilige Petrus“ (1500/02), als der Künstler die zwanzig Lebensjahre noch nicht erreicht hatte, bis zum kurz vor seinem frühen Tode entstandenen „Putto mit Medici-Ring um die Hüften“ (1519/20). Zu beobachten ist hier exemplarisch die wohl unter dem Einfluß Michelangelos erfolgte Entwicklung zu den markanten Körperhaltungen und dem stark betonten Spiel der Muskeln, landläufig als Manierismus bezeichnet.

Drei Zeichnungen stammen von oder aus der Werkstatt von Raffaels Lehrer Pietro Vannucci, genannt Perugino, wobei spekuliert werden kann, inwieweit der seinen Lehrer später weit überragende Schüler beteiligt war. Die Gegenseite stellen spätere Arbeiten aus Raffaels Werkstatt bzw. von seinen Schülern Giulio Romani und Giovanni Francesco Penni dar; die Frage nach der genauen Zuschreibung ist bei solchen Arbeiten natürlich naheliegend.

Die übrigen gezeigten Werke sind noch zu Lebzeiten Raffaels nach seinen Vorlagen und in seinem Auftrag entstandene Druckgraphiken, vorrangig Kupferstiche. Raffael selbst nahm den Stichel wohl nicht zur Hand. Unter den mit ihm offiziell zusammenarbeitenden Kupferstechern ragte Marcantonio Raimondi hervor. Dieser hatte sein Handwerk als Fälscher dürerscher Kupferstiche erlernt und mit seinem Können Raffael schwer beeindruckt; es entstand eine von etwa 1510 bis zu Raffaels Ableben währende, überaus erfolgreiche Zusammenarbeit.

Zwei weitere Kupferstecher, welche vom Meister selbst den Segen für ihr Schaffen erhalten hatten, waren Marco Dente da Ravenna und Agostino Veneziano. In diesem Kontext werden Probleme der Druckgraphik wie die verschiedenen Zustände der Platten oder die Frage, inwieweit es sich um Reproduktionsgraphik nach Ölgemälden oder eigens für den Graphikmarkt entworfene Motive handelte, thematisiert. Interessant auch die Gegenüberstellung ähnlicher Motive in der Umsetzung durch verschiedene Künstler.

Die letzte Gruppe von Blättern sind eine Reihe von Chiaroscuro-Holzschnitten von Ugo da Carpi, selbstverständlich gleichfalls nach Motiven Raffaels. Ugo gilt als der Mann, welcher diese Art der Druckgraphik erstmals in Italien produzierte. Inwieweit er dies in Kooperation bzw. Abstimmung mit Raffael tat, ist leider ungeklärt.

Das Berliner Kupferstichkabinett besitzt generell eine beeindruckende Sammlung, aus welcher sich gelungene Ausstellungen zu den verschiedensten Themen zusammenstellen lassen, eben auch zu Raffael. Durchaus zu empfehlen, besonders vielleicht in Verbindung mit einem Besuch der Madonnen in der Gemäldegalerie. Das Kupferstichkabinett befindet sich im Kulturforum am Matthäikirchplatz in 10785 Berlin, geöffnet ist es von Dienstag bis Freitag 10-18 Uhr sowie am Sonnabend und Sonntag von 11-18 Uhr; der Eintritt kostet 8,- Euro; die Kombikarte mit der Gemäldegalerie ist regulär für 16,- Euro zu haben.

 

Verweise:

https://www.smb.museum/museen-und-einrichtungen/kupferstichkabinett/ausstellungen/detail/raffael-in-berlin-meisterwerke-aus-dem-kupferstichkabinett.html
https://art-depesche.de/malerei/601-riepenhausens-radierungen-zum-leben-raffaels-in-der-gemäldegalerie.html
https://art-depesche.de/malerei/596-kabinettausstellung-raffaels-madonnen-in-der-gemäldegalerie.html

Raffael: Zeichnungen und Druckgraphik in Berlin https://art-depesche.de/images/Maria_als_Schmerzensmutter_und_der_Heilige_Petrus.jpg Ruedi Strese