static-aside-menu-toggler
gkSearch
Zuzanna Skiba „Je suis Gustave Nr. 1/4“ (Öl auf Leinwand, gefirnist, 2017)

Berlin - In der aktuellen Ausstellung der Salongalerie „Die Möwe“ begegnen sich zwei Künstler, welche, obgleich ganz verschiedenen Generationen angehörend, biographisch miteinander verbunden und von ihrer Herangehensweise verwandt sind. Werner Drimecker wie Zuzanna Skiba haben einen Hintergrund als Kartographen, von welchem ausgehend sie sich der Malerei zuwandten. Der Titel „... aus der Luft“ nimmt Bezug auf die Vogelperspektive; die Schau wird bis zum 23. Mai 2020 zu sehen sein.

Werner Drimecker wurde 1928 in Leipzig geboren, wo er 1943 eine durch Kriegseinsatz unterbrochene Ausbildung zum Kartographen begann. Er nahm für einige Zeit Unterricht bei dem Leipziger Maler und Graphiker Max Schwimmer (1895-1960), ging allerdings 1950 nach Westdeutschland. Er war dort zunächst in seinem Ausbildungsberuf tätig, ab 1960 befaßte er sich mit der Ölmalerei. Von 1963 bis zu seinem Tod 2011 war Bielefeld Stätte seines Lebens und Wirkens.

In der aktuellen Ausstellung findet sich ein Querschnitt aus verschiedenen Schaffensphasen. Einige Acrylgemälde von 1973 zeigen nach kubistischer Methode zerlegte Frauenakte, wobei durchaus ein eigener Stil erkennbar ist. Größtenteils aus der Mitte der 1980er Jahre stammt eine Gruppe von Aquarellen, welche sich im Grenzbereich zwischen minimalistischer Seelandschaft und Abstraktion bewegen.

Die bedeutendste Werkgruppe sind allerdings die „Aerolandschaften“ sowie die verwandten „Kopflandschaften“. Erstere entstanden seit Drimeckers erster Flugreise in den spätern 1970er Jahren und verbinden aus Luftperspektive Kartographie und Landschaftsmalerei zu einem Ergebnis, welches sich der flächigen Abstraktion nähert; nur entfernt vergleichbare Versuche hatten zuvor einige italienische Futuristen wie Mino Somenzi, Tulio Crali oder Gerardo Dottori mit ihrer Aeropittura unternommen. Die „Kopflandschaften“ stellen eine spätere Anknüpfung an Thema und Malweise dar, wobei die Farbfelder die Landschaft und den Denkraum Kopf miteinander in Bezug setzen.

Zuzanna Skiba wurde 1968 in Koszarin an der polnischen Ostsee in einer deutsch-ukrainischen Familie geboren; sie kam 1977 nach Westdeutschland, wo sie 1985 bis 1988 den Beruf der Kartographin erlernte, und zwar in Bielefeld, wo sie schließlich auch Wolfgang Drimecker kennenlernte, welcher ihr Freund und Mentor wurde. Die beiden trafen sich in ihrem Hang zur Betrachtung der Landschaft „aus der Luft“ und zur Malerei, und Drimecker bestärkte die junge Frau in ihrem Wunsch, Künstlerin zu werden. Sie begann ihr Studium 1991 in Bielefeld, setzte es in Groningen (Niederlande) fort und brachte es 1995 schließlich an der Universität der Künste in Berlin zu einem erfolgreichen Abschluß.

Die früheste in der Galerie zu sehende Arbeit ist eine Zeichnung gewaltigen Ausmaßes von 2006. Die mit Bleistift und Buntstift auf das Papier gesetzten Striche ergeben ein organisch wirkendes, vibrierendes Gebilde. Trotz der eher meditativen bis rauschhaften Herangehensweise ergeben sich der OP-Art ähnliche Effekte.

Eine zehn Jahre später entstandene Serie kleiner Bleistiftzeichnungen knüpft hier nahtlos an, und auch in den gezeigten Ölgemälden von 2014-19 ist der Individualstil unverkennbar. Die an Wellen, Federn, Mineralien erinnernden Strukturen sind aus der Landschaftsbetrachtung aus verschiedensten Blickwinkeln geboren, umgesetzt in zahllosen kleinen Pinselstrichen in fein nuancierten Farben. Wer bei dieser Beschreibung an Impressionismus denkt, liegt trotz der Entfernung vom Gegenständlichen nicht vollkommen falsch, was ein Bildtitel wie „Degas“ nahelegen mag.

Ein Ölbild von 2019 ist als besondere Hommage an Drimecker zu verstehen; hier sind die Pinselstriche in einem Rückgriff auf das zeichnerische Werk ganz schwarz gehalten, jedoch auf von Drimeckers Luftmalerei inspirierte Farbblöcke aufgetragen. Kleine Schmuckstücke stellen drei rezente Gouachen dar. Die mit den Fingern rasch gemalten kleinen Landschaften haben wenig Ähnlichkeit mit den zuvor beschriebenen Werken, sind jedoch deshalb nicht weniger gelungen.

Alles in allem eine gute Gelegenheit, zwei recht eigenständige und gut harmonierende Künstler kennenzulernen. Die Salongalerie „Die Möwe“ befindet sich in der Auguststraße 50b in 10119 Berlin, in der Nähe des Rosenthaler Platzes. Telefonisch erreichbar ist sie unter 030-30881842, geöffnet von Dienstag bis Sonnabend jeweils von 12-18 Uhr.

 

Verweise:

https://www.salongalerie-die-moewe.de/ausstellungsdetails/aus-der-luft-zuzanna-skiba-und-werner-drimecker.html
http://www.zuzannaskiba.com/

Kartographie trifft Malerei - Werner Drimecker und Zuzanna Skiba in Berlin https://art-depesche.de/images/Je_suis_Gustave_Nr_14.jpg Ruedi Strese