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Evelyn de Morgan „Die Sturmgeister“ (Öl auf Leinwand, um 1900)

Bremen - Die ursprüngliche Präraffaelitische Bruderschaft war bereits 1848 von John Everett Millais, William Holman Hunt, Dante Gabriel Rossetti und einigen weiteren Künstlern gegründet worden. Der von ihnen entwickelte Stil zog jedoch ein gutes halbes Jahrhundert lang noch junge Künstler an, so Evelyn de Morgan, die zum Zeitpunkt seines Aufkommens noch nicht das Licht und Dunkel der Welt erblickt hatte, doch rückblickend zu den großen Namen der Präraffaeliten zählt und vielleicht die bedeutendste Frau dieser ästhetizistischen Strömung war.

Geboren wurde sie 1855 als Evelyn Pickering in London, als Millais bereits zwei Jahre zum Assoziierten Mitglied der von der Bruderschaft anfangs vehement abgelehnten Royal Academy gewählt worden war und somit das offizielle Ende des rebellischen künstlerischen „Geheimbundes“ besiegelt hatte.

Ihr Vater Percival Pickering war ein bekannter Anwalt und Cricketspieler, die Mutter Anna Maria Wilhelmina Spencer Stanhope war Schwester des bedeutenden Präraffaeliten John Roddam Spencer Stanhope. Sie erhielt gemeinsam mit ihren Geschwistern eine gediegene Bildung, und früh zeigten sich das Talent im Zeichnen und Dichten und der Wunsch, Künstler zu werden. Interessanterweise stand die selbst aus einer Künstlerfamilie stammende Mutter dem ablehnend gegenüber, wohingegen von väterlicher Seite Sympathie und die nötige finanzielle Unterstützung kamen.

Ersten Zeichenunterricht erhielt sie mit 15 Jahren, und ihre professionelle Ausbildung begann sie 1872 an der South Kensington National Art Training School, dem heutigen Royal College of Art, deren mechanistisches Ausbildungssystem ihr jedoch nicht zusagte, weshalb sie im Folgejahr zur bekannten Slade School of Art wechselte, wo Frauen gerade erst als Studenten zugelassen worden waren; sie räumte dort zahlreiche Auszeichnungen ab.

Ab 1875 besuchte sie regelmäßig ihren Onkel John Roddam Spencer Stanhope in Florenz, dessen Stil sie stark beeinflußte, zudem befaßte sie sich dort mit den Klassikern der italienischen Frührenaissance, allen voran Sandro Botticelli, offensichtliches Vorbild in Komposition und Darstellung der Figuren in vielen ihrer Arbeiten.

Ihre erste Ausstellung hatte sie 1876, und es sollten viele weitere folgen. Bedeutend war die Hochzeit mit dem Arts & Crafts-Designer, Keramiker und späteren Romanautor William de Morgan (1839-1917) im Jahr 1887.

Erfolgreich wurde sie mit, entsprechend dem präraffaelitischen Kunstverständnis, äußerst akribisch ausgeführten allegorischen Gemälden, gemäß ihrer frühfeministischen Gedankenwelt stellte sie bevorzugt im Guten wie Schlechten willensstarke und durchsetzungsfähige Frauengestalten wie Medea, Kassandra oder Ariadne dar.

Ab 1907 reduzierte Evelyn de Morgan ihre Ausstellungstätigkeit erheblich; Grund dürfte der mit seinem ersten Roman beginnende schriftstellerische Erfolg ihres Gatten gewesen sein, welcher sie des Zwanges, Bilder zu verkaufen, enthob. Dennoch blieb sie künstlerisch tätig, bis sie 1919, zwei Jahre nach William de Morgan, in London verstarb. Bestattet ist das Paar auf dem Brookwood Cemetery, auch als London Necropolis bekannt.

 

Bremen - Die ursprüngliche Präraffaelitische Bruderschaft war bereits 1848 von John Everett Millais, William Holman Hunt, Dante Gabriel Rossetti und einigen weiteren Künstlern gegründet worden. Der von ihnen entwickelte Stil zog jedoch ein gutes halbes Jahrhundert lang noch junge Künstler an, so Evelyn de Morgan, die zum Zeitpunkt seines Aufkommens noch nicht das Licht und Dunkel der Welt erblickt hatte, doch rückblickend zu den großen Namen der Präraffaeliten zählt und vielleicht die bedeutendste Frau dieser ästhetizistischen Strömung war.

Geboren wurde sie 1855 als Evelyn Pickering in London, als Millais bereits zwei Jahre zum Assoziierten Mitglied der von der Bruderschaft anfangs vehement abgelehnten Royal Academy gewählt worden war und somit das offizielle Ende des rebellischen künstlerischen „Geheimbundes“ besiegelt hatte.

Ihr Vater Percival Pickering war ein bekannter Anwalt und Cricketspieler, die Mutter Anna Maria Wilhelmina Spencer Stanhope war Schwester des bedeutenden Präraffaeliten John Roddam Spencer Stanhope. Sie erhielt gemeinsam mit ihren Geschwistern eine gediegene Bildung, und früh zeigten sich das Talent im Zeichnen und Dichten und der Wunsch, Künstler zu werden. Interessanterweise stand die selbst aus einer Künstlerfamilie stammende Mutter dem ablehnend gegenüber, wohingegen von väterlicher Seite Sympathie und die nötige finanzielle Unterstützung kamen.

Ersten Zeichenunterricht erhielt sie mit 15 Jahren, und ihre professionelle Ausbildung begann sie 1872 an der South Kensington National Art Training School, dem heutigen Royal College of Art, deren mechanistisches Ausbildungssystem ihr jedoch nicht zusagte, weshalb sie im Folgejahr zur bekannten Slade School of Art wechselte, wo Frauen gerade erst als Studenten zugelassen worden waren; sie räumte dort zahlreiche Auszeichnungen ab.

Ab 1875 besuchte sie regelmäßig ihren Onkel John Roddam Spencer Stanhope in Florenz, dessen Stil sie stark beeinflußte, zudem befaßte sie sich dort mit den Klassikern der italienischen Frührenaissance, allen voran Sandro Botticelli, offensichtliches Vorbild in Komposition und Darstellung der Figuren in vielen ihrer Arbeiten.

Ihre erste Ausstellung hatte sie 1876, und es sollten viele weitere folgen. Bedeutend war die Hochzeit mit dem Arts & Crafts-Designer, Keramiker und späteren Romanautor William de Morgan (1839-1917) im Jahr 1887.

Erfolgreich wurde sie mit, entsprechend dem präraffaelitischen Kunstverständnis, äußerst akribisch ausgeführten allegorischen Gemälden, gemäß ihrer frühfeministischen Gedankenwelt stellte sie bevorzugt im Guten wie Schlechten willensstarke und durchsetzungsfähige Frauengestalten wie Medea, Kassandra oder Ariadne dar.

Ab 1907 reduzierte Evelyn de Morgan ihre Ausstellungstätigkeit erheblich; Grund dürfte der mit seinem ersten Roman beginnende schriftstellerische Erfolg ihres Gatten gewesen sein, welcher sie des Zwanges, Bilder zu verkaufen, enthob. Dennoch blieb sie künstlerisch tätig, bis sie 1919, zwei Jahre nach William de Morgan, in London verstarb. Bestattet ist das Paar auf dem Brookwood Cemetery, auch als London Necropolis bekannt.

 

Verweise:

 

https://www.demorgan.org.uk/discover/the-de-morgans/evelyn-de-morgan/
https://www.the-athenaeum.org/art/list.php?m=a&s=tu&aid=20
https://web.archive.org/web/20060222021551/http://tbcs.org.uk/de_morgan.htm
https://www.npg.org.uk/collections/search/person.php?LinkID=mp08190

Evelyn de Morgan - späte Blüte der Präraffaeliten https://art-depesche.de/images/Die_Sturmgeister.jpg Ruedi Strese