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"Vertumnus“ von Giuseppe Arcimboldi. Porträt von Kaiser Rudolf II. (ca. 1590)

Berlin - Skurriler Humor ist, entgegen eines weitverbreiteten Eindrucks, keinesfalls eine der (Post-)Moderne vorbehaltene Erscheinung. Ein Meister der italienischen Spätrenaissance schafft es heute noch wie kaum ein anderer, gleichsam Ehrfurcht wie Heiterkeit in den Betrachtern seiner Bilder zu erwecken.

Giuseppe Arcimboldi (bisweile auch Arcimboldo) wurde vermutlich 1526 (frühere Biographen vermuteten 1527 oder auch schonmal 1530) in Mailand geboren, er stammte aus einer angesehenen Familie. Die älteste bekannte Erwähnung läßt sich auf 1549 datieren, von diesem Jahr an arbeitete er mit seinem Vater an der Ausgestaltung des Mailänder Doms, die Arbeiten währten bis 1559. Norditalien einschließlich Mailands stand seit 1525 unter Herrschaft der Habsburger, und 1562 kam Arcimboldi an den Kaiserhof nach Wien, wo er als begabter Porträtist zum „Hauskonterfetter“ Ferdinands I. wurde; diese Stellung behielt er auch unter dessen Nachfolgern Maximilian I. und Rudolf II. Maximilian I. machte ihn zudem 1564 zum Hofmaler.

Seit 1563 schuf er für Maximilian I. die erste Serie der „Vier Jahreszeiten“ in der Art, welche seinen bis heute währenden Ruhm begründete. Die sogenannten „Kompositköpfe“ sind Darstellungen von Köpfen im Profil, welche sich aus für die jeweilige Jahreszeit typischen Pflanzen zusammensetzen. Ergänzt wurde die Reihe 1566 durch die „Vier Elemente“, hier werden die Bilder aus den Elementen Luft, Feuer, Erde, Wasser zugeordneten Tieren und Dingen gebildet.

1570 sandte ihn der Kaiser nach Prag, wo er als Maler, Bühnenbildner, Ingenieur, Architekt und Organisator großer Feste zu glänzen vermochte. Auch Maximilians Nachfolger Rudolf II. übernahm ihn als Hofmaler; bei dem stark der Kunst und Wissenschaft zugewandten Monarchen mangelte es nicht an Aufgaben. Zudem war Arcimbaldi als Erfinder, Musiker und Kunsttheoretiker tätig. 1587 durfte er endlich nach Mailand zurückkehren, wo er 1593, hoch angesehen und geadelt, starb. Ein Komet wurde nach ihm benannt.

Giuseppe Arcimboldi mag einerseits als typischer Vertreter des manieristischen Übergangs zwischen Spätrenaissance und Barock gelten, und nicht wenige Künstler dieser Epoche taten sich mit eigenwilligen Experimenten hervor, doch sein Stil ist absolut einzigartig. Die aus Pflanzenteilen, Fischen, Vögeln zusammengesetzten Porträts der Mächtigen seiner Zeit zeugen von atemberaubender technischer Meisterschaft und einem sonderbaren Humor. „Er nahm also um 400 Jahre den modernen Surrealismus vorweg“ schrieb der feinsinnige Spötter Joachim Fernau anerkennend. Das Bild zu diesem Artikel zeigt übrigens ein Porträt des Kaisers Rudolf II., zusammengesetzt aus Früchten, Blüten, Gemüse und Getreide. Es ist nicht bekannt, daß der Herrscher ihn dafür hätte hinrichten lassen. Beachtenswert sind überdies auch seine Umkehrbilder: Stilleben, welche, auf den Kopf gestellt, wiederum Porträts ergeben.

Giuseppe Arcimboldis Mächtige in Feldfrüchten https://art-depesche.de/images/Arcimboldovertemnus_1024px.jpg Ruedi Strese