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Adriaen van Utrecht „Stilleben mit Blumenvase und Totenkopf“ (Öl auf Leinwand, ca. 1642)

Berlin - Seit die ART DEPESCHE ins Leben gerufen wurde, hat sie sich die Aufgabe gestellt, für interessierte Laien und mild gestimmtes Fachpublikum gut lesbare Hinweise auf aktuelle Ausstellungen zu geben und bekanntere wie unbekanntere Künstler aus Vergangenheit und Gegenwart zu würdigen. Dabei haben wir uns bewußt von den üblichen Streitfragen der Gegenwart ferngehalten. Nun haben wir jedoch mit der viel zu lange nicht ausreichend ernst genommenen Corona-Epidemie ein Geschehen, welches uns in ganz unmittelbarer Weise betrifft; die Schließung vieler Museen ist der erste große Einschnitt in das Kulturleben. Ausnahmsweise wollen wir uns deshalb hier einem an sich kunstfernen Thema widmen.

Für uns als ART DEPESCHE spürbar wurde es zuerst am Donnerstag, dem 12. März. Diesen Tag hatten wir ausgesucht, um uns mit der außergewöhnlichen Monet-Ausstellung im Potsdamer Museum Barberini zu befassen. Am Morgen lasen wir jedoch dann von der Schließung des Museums aufgrund der sich ausbreitenden Krankheit:

https://www.rbb24.de/kultur/thema/2020/coronavirus/beitraege/museum-barberini-monet-ausstellung-schliessung.html

Traurig, daß es soweit kommen mußte, jedoch eine verständliche, vermutlich notwendige Entscheidung. Vorerst ist nur von einer Schließung bis zum Dienstag, dem 17. März, die Rede, es würde uns jedoch wundern, wenn es dabei bliebe. Vorerst bis zum 19. April geschlossen bleiben nun auch die staatlichen und städtischen Berliner Museen, die geplante Ausstellung zu Hans Baluschek im Bröhan-Museum soll nach derzeitigem Stand am 21. Aprilstatt am 25. März eröffnet werden.

https://www.rbb24.de/kultur/thema/2020/coronavirus/beitraege/alle-staatlichen-kultureinrichtungen-wegen-coronavirus-geschloss.html

Die ersten privaten Galerien und Ausstellungsräume, etwa das Kunstforum der Berliner Volksbank, ziehen bereits nach. Die Sorge ist mehr als berechtigt, denn anders als bei der sehr mit Skepsis zu betrachtenden Vogel- und Schweinegrippe, bei denen zufällig bei Ausbruch sogleich der Impfstoff bereitstand, war hier von Anbeginn zu beobachten, daß es sich um ein viel ernsteres Problem handelte. Nicht ohne Grund hat der technokratisch und pragmatisch regierte Staat China sofort mit rigiden Maßnahmen reagiert, Quarantäne im Großmaßstab, neuen Krankenhäusern in Rekordzeit. Die Zahl der Todesopfer dürfte deutlich höher liegen als die von der Regierung genannte, doch immerhin konnte durch die schnelle Reaktion die Ausbreitung wesentlich eingedämmt werden, denn es spielt nicht nur die Schwere der Fälle an sich und die Zahl der Infektionen insgesamt eine Rolle, sondern angesichts beschränkter Aufnahmekapazitäten der Intensivestationen und ebenso beschränkter Zahl an Atemgeräten auch die Zahl zu einem bestimmten Zeitpunkt. Jede Verlangsamung der Ausbreitung hilft also, Leben zu retten! Eine Analyse, welche Maßnahmen Chinas sich als effektiv erwiesen haben, findet sich hier:

https://www.genengnews.com/news/coronavirus-spread-in-china-impacted-by-early-and-combined-interventions/?fbclid=IwAR3XwrDdZnXXt-QecTKxAhzMfZ84mx3aBcYOITrg0v4f8SMiukWd3yzcLsc

Sofort reagiert hat auch der Staat Israel. „Übermäßige Vorbereitung ist besser als ein Mangel an Vorbereitung“ sagte Präsident Netanjahu bereits Ende Februar, und es wurden Maßnahmen ergriffen, die zunächst hart erscheinen mochten, deren Wirksamkeit sich jedoch nicht bestreiten läßt. So wurden die Grenzen für Reisende aus etlichen Ländern geschlossen, Heimkehrer aus Risikogebieten sogleich unter Quarantäne gestellt, Großveranstaltungen verboten, medizinisches Personal verpflichtet, im Land zu bleiben und vieles mehr.

https://www.health.gov.il/English/Topics/Diseases/corona/Pages/default.aspx

Die fernöstlichen Staaten Taiwan, Hongkong, Singapur und Vietnam haben ebenfalls rasch effiziente Maßnahmen ergriffen, so daß trotz der räumlichen Nähe zu China die Verbreitung eingeschränkt wurde. In Vietnam etwa wurden die ersten auftauchenden Fälle sofort isoliert und jeder genau zurückverfolgt und sämtliche Kontaktpersonen ermittelt. Die Schulen und Universitäten blieben nach den Mondneujahrsferien weiterhin geschlossen, den in Deutschland belächelten Mundschutz trug dort so ziemlich jeder, was eben doch erheblich positive Auswirkungen hatte. Der Staat setzte zudem auf großangelegte Aufklärung. Heimreisende Vietnamesen werden auf den Virus getestet und ggf. in Quarantäne gesetzt, Gästen aus Risikogebieten wie Italien und Deutschland wird die Einreise verweigert.

https://www.nzz.ch/panorama/coronavirus-wie-asien-die-epidemie-in-den-griff-kriegte-nzz-ld.1544974?fbclid=IwAR3I8l679MBHraqrc4TTU3y_VzXeiqR_SyHV6MeH5yUZiBsR-R3UMt9oKPE

Besonders schlimm getroffen hat es Italien, Ärzte berichten von Zuständen wie im Krieg, etliche Patienten werden aufgrund der völligen Überlastung des Gesundheitswesens nur noch zum Sterben nach Hause geschickt. Die Sterblichkeit ist besonders hoch, wenn man nicht die Infizierten gegen die Toten rechnet, sondern nur die abgeschlossenen Fälle vergleicht, also die Toten den Genesenen gegenüberstellt. Bei mehr als 15.000 Infizierten über 1.000 Tote (Stand Freitag, 13. März, vormittags) sind bereits extrem viele, eine Gegenüberstellung von Toten und Genesenen dürfte die Dramatik erst recht verdeutlichen.

https://www.merkur.de/welt/coronavirus-italien-covid-19-infizierte-tote-sperrzone-mailand-rom-arzt-zr-13596283.html

https://www.corriere.it/cronache/20_marzo_09/coronavirus-scegliamo-chi-curare-chi-no-come-ogni-guerra-196f7d34-617d-11ea-8f33-90c941af0f23.shtml?fbclid=IwAR2W_3UGSy4wR3dn0SSCbt4mJoRDP39RkgtfSTqES3gGVReVFX_Xge9yg0I

Es gibt neben dem Mangel an Betten und Atmungsgeräten in der Intensivemedizin verschiedene Erklärungsansätze für die extrem hohe Opferzahl, so soll in Italien besonders häufig auf Antibiotika zurückgegegriffen worden sein, wodurch Keime resistent wurden und Patienten sozusagen mehrere in ihrer Summe tödliche Krankheiten versammeln. Wenn hier COVID-19 nur der Tropfen wäre, welcher das Faß zum Überlaufen bringt, ist das nur bedingt ein Argument, es änderte nichts an seinem tödlichen Effekt. Ein Großteil der Patienten könnte vielleicht überleben - wäre das Gesundheitssystem nicht völlig überlastet. Immerhin versucht Italien nun, konsequent gegenzusteuern. Man kann hoffen, daß die Lage sich dort rasch beruhigt.

Leider sieht die Lage in Deutschland nicht viel besser aus, vielleicht sogar im Gegenteil. Von Anfang an gab es warnende Stimmen, wurden von einigen Ärzten Maßnahmen vorgeschlagen, die die Ausbreitung sofort hätten stoppen oder zumindest deutlich verlangsamen können. Passiert ist lange nichts. Der Mundschutz wurde in Medien für albern erklärt, der Virus sei nicht gefährlicher als die übliche Grippe, Schließungen von Schulen wurden mit Verweis auf die Schulpflicht lange abgelehnt (zum Teil von Personen, die für das Mißachten der Schulpflicht zu Protesten gegen den Klimawandel durchaus Verständnis hatten). Von der Schließung der Grenzen ganz zu schweigen ... Vertreter des Robert-Koch-Instituts wie auch die Bundeskanzlerin meinten, 60-70% der Bevölkerung würden sich infizieren, da könne man eh nichts machen. Harte Maßnahmen wären nicht das Richtige. Nun, man hätte lange wirklich etwas machen können. Nun bleibt lediglich Schadensbegrenzung.

Im Vergleich zu Italien ist hier auch festzustellen, daß manche zu erwartende Auswirkungen noch schlimmer ausfallen könnten. Eine Rolle spielen dabei die starke Abhängigkeit von Energieimporten und von Nahrungsmittelimporten, der viel schwächer genutzte ländliche Raum. Auch ist die Altersstruktur in Deutschland noch ungünstiger; es gibt weit mehr alte Menschen. Besser aufgestellt ist Deutschland hingegen, gemessen an der Einwohnerzahl, bei der Zahl der Betten auf Intensivstationen.

Erschreckend liest sich ein Szenario, welches die Bundesregierung im Januar 2013 in einem Bericht zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz aufzeigte. Dort geht es um eine fiktive „Pandemie durch Virus Modi-SARS“, welche im Februar X in Asien ihren Anfang nimmt und zunächst in ihrer Gefährlichkeit nicht erkannt wird. Die Eigenschaften stimmen verblüffend mit dem gegenwärtigen Corona-Virus überein. Angenommen wird eine Lethalität von 10%, wobei Kinder wenig, alte Menschen stark betroffen sind. Ausgegangen wird von drei großen Erkrankungswellen, welche allein in Deutschland mindestens 7,5 Millionen Menschen das Leben kosten.

Man lese ab Seite 55:

https://www.bbk.bund.de/SharedDocs/Downloads/BBK/DE/Downloads/Krisenmanagement/BT-Bericht_Schmelzhochwasser.pdf?__blob=publicationFile

Traf die Situation die Verantwortlichen also wirklich so ahnungslos, oder handelt es sich vielleicht gar um Schlimmeres als grobe Fahrlässigkeit? Festzustellen, daß bei etwa der gleichen Fallzahl, bei welcher die chinesische Regierung beschloß, Aufnahmeeinrichtungen aus dem Boden zu stampfen, sich die 16 Ministerpräsidenten der Bundesrepublik trafen und eine Erhöhung der Gebühren für die Staatsmedien beschlossen, mag als Polemik betrachtet werden, ist dennoch symptomatisch.

Endlich beginnen also Schulschließungen, werden Großveranstaltungen abgesagt. Hoffen wir, daß dies möglichst viel zur Verlangsamung der Ausbreitung beitrage! Manche denkbare und sinnvolle Maßnahme würde den Grundgedanken der letzten Jahre zuwiderlaufen: kurzfristig etwa die Rückkehr zum Individualverkehr und Schließung der Grenzen, auf längere Sicht jegliche Förderung der regionalen Produktion von Medikamenten und Nahrungsmitteln, Ausbildung einheimischen medizinischen Personals. Alles, was Abhängigkeiten reduziert.

Weitgehend sind die Bürger jedoch auf sich selbst gestellt, und da ist die berechtigte Frage: was tun, was lassen? Naheliegend ist grundsätzlich die Einschränkung der Kontakte zu anderen Menschen. Bleibt daheim! Beachtung von Hygiene ist natürlich ebenfalls wichtig. Man sollte sich dabei nicht auf Desinfektionsmittel verlassen, häufiges Händewaschen ist noch bedeutsamer.

https://www.businessinsider.de/wissenschaft/so-viele-keime-befinden-sich-nach-desinfizieren-auf-den-haenden/

Vorräte anlegen? Ja, das sollte man immer, aus verschiedenen möglichen Gründen. Sie erlauben, eine längere Zeit die Wohnung nicht verlassen zu müssen. Neben Seuchen wären Straßenkämpfe und anhaltende große Stromausfälle absolut denkbar. Letztere gingen auch mit dem Schließen sämtlicher Geschäfte, dem Ausfall von Internet, Licht, Heizung und Wasserversorgung einher. Diese Gefahren wurden sträflich vernachlässigt, doch sie sind nicht gesunken, im Gegenteil.

Nun haben wir die Situation der Hamsterkäufe, da Menschen, die sich vorher nie Gedanken zu solchen Fragen gemacht haben, plötzlich in Panik verfallen. Und doch gibt es Dinge, die man nicht nur für heute und morgen haben sollte: verschiedene haltbare Nahrung, darunter auch solche, welche notfalls auch ohne Erhitzen genießbar ist. Konserven, Trockenfrüchte, Energieriegel, Nüsse sind ein guter Anfang. Wasser darf nicht fehlen. Man rechne sicherheitshalber zwei Liter pro Tag und Person. Ansonsten sollten das berühmte Toilettenpapier, Desinfektionsmittel, Atemschutzmasken des Typs FFP3, Taschentücher, Schmerzmittel nicht fehlen. Unabhängig von Corona wären grundsätzlich auch Pflaster, Verbandszeug, ein Camping-Gaskocher, Feuerzeuge, Teelichter, Taschen- und Stirnlampe, Batterien, ein Outdoor-Wasserfilter möglicherweise sinnvolle Anschaffungen für mögliche Unglücksfälle.

Vor allem kann jeder selbst seine Gesundheit stärken, damit ihn eine Infektion nicht unvorbereitet trifft. Kalt duschen, Atemübungen, Sport (ein Zusammenwirken dieser Ansätze bietet z.B. die Wim-Hof-Methode):

https://www.carpediem.life/3684/wim-hof-methode-lernen/

Verschiedene Nahrungsmittel stärken die Abwehrkräfte, hemmen Entzündungen und/oder beugen Infektionen vor. Rohe Zwiebeln, Zitrusfrüchte, Brokkoli, Ingwer, Kurkuma, Knoblauch und etliche mehr. Dazu findet sich vieles im Netz. Ein befreundeter Heilpraktiker empfahl mir bis zum Ende der Epidemie die tägliche Einnahme verschiedener Nahrungsergänzungsmittel: Vitamin B-Komplex, 1000 (vorübergehend auch 2000) mg Vitamin C time-released, 25 (ggf. 50) mg Zink, 1000 mg Omega 3 (mit der Zusammensetzung 50 % EPA, 25 % DHA), 200 µg Selen (dieses sollte mit mindestens einer Stunde Pause zum Vitamin C eingenommen werden, um es nicht zu neutralisieren). Dabei sollte man täglich mindestens zwei Liter Wasser trinken, um Schäden durch das saure Vitamin C zu vermeiden. Für Schwangere und Kinder gelten andere Dosen. Für den hoffentlich nicht eintretenden Ernstfall sollte man zudem eine Packung hochdosierten Kurkuma-Extraktes vorrätig haben. Der gute Mann nimmt diese Mittel selbst, und der Verfasser richtet sich auch danach!

Vielleicht werden Sie gezwungenermaßen mehr Zeit daheim verbringen. Kümmern Sie sich um die Menschen, die Ihnen am Herzen liegen. Nutzen Sie die Situation, um Familie zu leben. Gibt es etwas, was Sie Ihren Eltern, Ihren Kindern, Ihrem Partner sagen möchten? Es ist wichtig, sich gegenseitig zu stützen, füreinander da zu sein. Emotionale Wärme hat auch auf die Gesundheit eine große positive Wirkung. Geborgenheilt heilt. Liebe heiligt.

Zum Schluß lassen Sie mich wieder zur Kunst kommen. Ich weiß nicht, ob ich die Monet-Ausstellung im Museum Barberini sehen werde. Aber ich habe einen Bildband, den werde ich mir sicher nicht nur einmal ansehen. Warum fangen Sie nicht an, zu malen oder zu zeichnen? Und sicher werde ich mich auch mit den Vanitas-Stilleben des Barock befassen. Memento mori, carpe diem. Tun wir, was wir tun können, um uns vorzubereiten, äußerlich und innerlich. Wagen wir angesichts einer realen Gefahr den Blick in die Innenwelt. Was ist für uns wirklich wichtig im Leben? Welche Prioritäten sollten wir setzen? Was sind nur Moden, Launen und Irrungen der Zeit? Was ist wahrhaftig? Was bleibt? Memento mori, carpe diem - die Kunst kann uns dabei wichtige Hinweise geben.

Vanitas 2020: die Kunst und die Seuche https://art-depesche.de/images/Adriaen_van_Utrecht-_Vanitas_-_Still_Life_with_Bouquet_and_Skull.jpg Ruedi Strese