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E. Künzel - Herbstwald (Öl auf Leinwand)

Berlin - Gemächlichen Fußes schreiten wir den sandigen Waldweg entlang. Es ist ein sonniger Nachmittag im Herbst. Golden schimmert das Laub an den Bäumen, zumeist Eichen, welche in einiger Entfernung voneinander gewachsen sind und voll ruhiger Kraft. Links neben uns ein gemächlich dahinfließender Fluß ... es ist alles so lebendig ...

Doch wir befinden uns nicht auf einem herbstlichen Waldspaziergang, sondern in unserer Wohnung. Es ist Frühling in der Stadt, aber die Straßen sind nahezu menschenleer. Auch wir gehen nur für das Nötigste raus - ein Spaziergang bisweilen gehört dazu, doch dabei sind wir auf Abstand zu anderen Menschen bedacht. Das Land befindet sich im Griff der Seuche.

Der Besuch von Galerien und Museen fällt flach, Gottes herrliche Natur ist für uns weit weg. Wir schauen Kunst daheim an. Bildbände, virtuelle Rundgänge durch Museen, Angebote von Galerien und Trödlern. Irgendwann packt es uns, und wir erstehen ein Gemälde. Als es ein paar Tage später auf dem Postweg ankommt, sind wir selbst über die Größe erstaunt. Irgendwie hatten wir das gar nicht auf dem Schirm.

Doch es findet seinen Platz, und wir finden, es hängt dort gut. Der Verkäufer ist Trödelhändler, hat es aus einer Haushaltsauflösung. Er kennt den Maler dieser stimmungsvollen, doch keineswegs kitschigen Herbstlandschaft nicht, es interessiert ihn wohl auch nicht sonderlich. Ich entziffere die Signatur als „E. Künzel“. Ehrlich gesagt: kenne ich auch nicht. Schauen wir, was die Weiten des Netzes so anbieten! Zwei bis drei Kandidaten stehen uns schließlich als E. Künzel zur Verfügung.

Der erste heißt Eduard. Er soll um 1850 geboren sein. Landschaftsmaler. Mehr bekommen wir eigentlich nicht wirklich raus.

Der zweite heißt Erich. Auch ihm wird ein Geburtsjahr um 1850 unterstellt. Vermutlich aus dem süddeutschen Raum, letzte Bilddatierung 1923, so lesen wir. Er war wohl in der Eifel und den Alpen unterwegs und ist in der Sammlung Eifelmaler des Graphikers, Bildhauers, Designers und Sammlers Michael Hümmer (*1950) vertreten.

Der dritte: auch ein Erich. Über diesen wissen wir Einiges mehr. Er hat sogar eine eigene und recht ausführliche Wikipedia-Seite. Er lebte von 1922 bis 2009, war Anatom und Veterinärmediziner an der Freien Universität Berlin. Nebenbei soll er sich mit bildender Kunst, vor allem der Glasmalerei, befaßt haben. Wir kennen keine sicher zugeordneten Werke. Unser Gefühl und unsere Kenntnis der Stilepochen sagt uns aber, daß dies nicht unser Mann ist.

Wenn wir den Stil und die Signaturen der im Netz diesen verschiedenen E. Künzels zugeschriebenen Bilder vergleichen, werden wir eine ziemliche Ähnlichkeit feststellen. Vermutlich also alles vom gleichen Künstler. Wir tippen auf Erich den Ersten. Aber ganz klar ist das nicht.

Nun denn. Vielleicht werden wir später noch mehr über diesen Herrn Künzel in Erfahrung bringen. Jeden Abend sitzen wir nun Seite an Seite und betrachten sein Werk. Es ist keine innovative Kunst, niemand wird darin ein Meisterwerk von Weltrang sehen. Auf jeden Fall aber ist es ein Bild, welches uns berührt, Wärme und Hoffnung gibt. Und das ist momentan unendlich viel wert.

 

Verweise:

https://www.treffpunkt-kunst.net/künstlerprofile-eifelmaler/kurzprofile-übersicht/
https://www.mehlis.eu/de/catalogs/8216/item/4639/
https://www.dieschatzkisteimnetz.de/viewtopic.php?t=9912
https://de.artprice.com/artist/342508/erich-kunzel/viele/vergangenheit
https://www.treffpunkt-kunst.net/künstlerprofile-lebende-künstler/michael-e-hümmer/

Kunst und Leben: Ein Künzel, ein Rätsel https://art-depesche.de/images/Herbstwald.jpg Ruedi Strese