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John Doman Turner The Kissing Bridge (Aquarell, 1922)

Bremen - Ein Mitglied der postimpressionistischen Camden Town Group, welches heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist, ist John Doman Turner. Das mag daran liegen, daß er nicht mit Ölgemälden hervortrat, sondern sich hauptsächlich mit dem Aquarell befaßte. In diesen Papierarbeiten, zumeist Veduten, erwies er sich jedoch als feinsinniger Künstler.

Die Kenntnisse über sein Leben sind äußerst dürftig, aber versuchen wir, es in groben Zügen nachzuvollziehen. Geboren wurde er 1871 im Londoner Bezirk Brixton. Er war taubstumm, doch fand er Arbeit als Angestellter eines Börsenmaklers.

Zur Malerei kam er erst spät; er nahm von 1908 bis 1913 Unterricht bei dem einige Jahre jüngeren Postimpressionisten Spencer Gore. Wegen seiner körperlichen Behinderung erfolgte der Unterricht auf eine besondere Weise: Turner sandte Gore Stapel seiner Aquarelle, und Gore antwortete (für 5 Schilling pro Lektion) in einer Reihe von 30 insgesamt detaillierten lehrenden Briefen, welche erhalten geblieben sind und sich im Besitz der Familie Gores befinden.

Gore war es auch, der Turner in die Camden Town Group um Walter Sickert einführte, an deren drei Ausstellungen 1911-13 er mit insgesamt 12 Aquarellen, wohl vorrangig im Urlaub gemalten Landschaften und Ansichten englischer Küstenstädte, teilnahm. Allerdings soll Turner ein überaus schüchterner Mensch gewesen sein, unsicher ob der eigenen Fähigkeiten. Den Schritt zum Berufskünstler wagte er nie, und mit den anderen Mitgliedern der Ausstellungsgemeinschaft baute er keine engen Freundschaften auf. Beteiligt war er auch an Ausstellungen des New English Art Club.

Als die Camden Town Group Ende 1913 in der größeren London Group, welche nun auch verschiedene avantgardistische Strömungen umfaßte, aufgegangen war, war Turner zwar noch deren Gründungsmitglied, zog sich aber bald zurück, und nachdem Gore im März 1914 an einer bei der Freilichtmalerei eingefangenen Lungenentzündung verschied, scheint er auch keine engeren Kontakte zu seinen einstigen Kollegen aufrecht gehalten zu haben.

In den 1930er Jahren tat sich Turner noch einmal mit vier ungewöhnlichen großen Arbeiten hervor, nämlich Aquarellen auf Papierrollen. Die „Walberswick Scroll“ (1931/32) hat 123 Fuß Länge und enthält eine genaue Aquarellstudie jedes einzelnen Hauses des Dorfes Walberswick in Suffolk. Die „Trinity Fair Scroll“ ist ein Porträt eines Wanderzirkus; sie ist heute im Swan Hotel in der englischen Kleinstadt Southwold ausgestellt.

Turner starb 1938 an einer Lungenentzündung, somit an der gleichen Ursache wie sein Mentor Gore. Eine größere Gedenkausstellung fand 1997 statt. In der bedeutenden Retrospektive der Camden Town Group der Tate Gallery 2008 war er, da er nicht in Öl malte, nicht vertreten.

 

Verweise:

https://messumslondon.com/artists/john-doman-turner/
http://www.johndomanturner.com/
https://www.tate.org.uk/art/research-publications/camden-town-group/john-doman-turner-letter-to-james-bolivar-manson-r1104560
https://art-depesche.de/malerei/134-spencer-gore-farbenfrohe-juwelen-des-britischen-impressionismus.html

John Doman Turner - Aquarellist in der Camden Town Group https://art-depesche.de/images/The_Kissing_Bridge.jpg Ruedi Strese