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Geoff Butterworth „Lock 90, Rochdale Canal“ (Aquarell, 2014)

Berlin - Äußerst akribisch ausgeführt sind die lichtdurchfluteten Aquarelle des britischen Meisters Geoff Butterworth, voll vornehmer Schönheit. Stilleben, Intérieurs, Veduten und Landschaften bringt er zu Papier. Zauberhafte Arbeiten sind es, und umso glücklicher sind wir ob der Ehre, Antworten auf unsere Fragen bekommen zu haben. Doch lesen Sie selbst!

ART DEPESCHE: Bitte stellen Sie sich doch zuerst unseren Lesern einmal vor. Vor allem wüßten wir gerne etwas über Ihre künstlerische Ausbildung ...

BUTTERWORTH: Als Künstler bin ich Autodidakt, ich war bereits mit vier von Natur aus Zeichner. Ich habe immer gekrakelt, und mein älterer Bruder brachte stets etwas Besseres zustande, so denke ich, erwachte in mir ein Wettbewerbsgeist. Ich hatte an der Schule Kunstunterricht und arbeitete meist mit Holzkohle und manchmal dickflüssigen Wasserfarben, nichts wie den verfeinerten Hochqualitäts-Pigmenten von heute, ich spreche von vor etwa 50 Jahren. Mein Kunstlehrer hat mir nie wirklich etwas gezeigt, und als ich die Schule verließ, ging ich ins Ingenieurswesen. Als Jugendlicher hatte ich begonnen, mich für Motorräder zu interessieren und ging öfters zu Rennen und begann, Rennszenen in Öl zu malen. Ich ging zu den TT-Rennen und habe etliche Hochgeschwindigkeits-Eckschüsse gemacht, so konnte ich einige Bilder malen und sie im Folgejahr mitbringen und in einer Galerie auf der Isle of Man ausstellen, oder vielleicht einen kleinen Marktstand bekommen und versuchen, sie selbst zu verkaufen. Drei Tage später kam ich zurück nach Hause. Ich war auf dem Weg zur Arbeit in einen größeren Verkehrsunfall verwickelt und hatte beinahe mein Bein verloren. Es war fünffach gebrochen.

ART DEPESCHE: Wie kam es dazu, daß Sie die Wasserfarben gegenüber der Ölmalerei bevorzugten?

BUTTERWORTH: Ich war dreieinhalb Jahre weg. Im ersten Jahr brachte meine Mutter mir Wasserfarben, gute ... und ich begann, mit ihnen herumzuspielen. Ich kopierte einige Arbeiten aus einem Kalender meines Bruders und fand eine grundsätzliche Herangehensweise heraus, aber ich spielte auch immer noch mit Ölfarben. Ich denke, die Wasserfarben haben gewonnen, weil ich den Terpentingeruch und Ölfarben überall an den Händen nicht mochte.

ART DEPESCHE: Ihre Bilder sind außerordentlich detailliert und voller Sonnenlicht. Wie können wir uns die Entstehung eines Ihrer Bilder vorstellen?

BUTTERWORTH: Als ich mich nach dem Verkehrsunfall wieder bewegen konnte, kaufte ich mir ein Auto und fuhr für eine Woche weg nach Wales und fotografierte einige Schlösser und Küstenszenen. Ich benutzte Farbdiafilme, und als ich nach Hause kam, begann ich, mir diese Fotos anzusehen und dachte, daß ich diese malen könnte. Also skizzierte ich eines davon vor und malte es, wobei ich durch einen kleinen, batteriebetriebenen Betrachter schaute.

Es funktionierte recht gut, und es gelang mir, Licht und Farbe des Bildes zu beobachten. Die Stabilität des Lichtes gab mir Zeit, herauszufinden, wie die Farben in Schichten gebildet werden und daß nicht nur reine Farben auf das Papier aufgetragen werden. Der Farbwert, obgleich ich mir damals dessen nicht bewußt war, begann, sich in meiner Technik herauszubilden. Ich habe nicht daran gedacht, mir Mallehrbücher zu kaufen, da ich diesmal nur zu meinem eigenen Vergnügen malte. Ich hatte nicht daran gedacht, tatsächlich Künstler zu werden. Es war erst, nachdem ich einen Malwettbewerb in einer lokalen Zeitung gewonnen und dafür 25 £ bekommen hatte, daß ich fand, ich könne es ja mal versuchen. Ich habe mir drei Rowney-Flachpinsel geholt, 1/8", 1/4" und 1", und ich war gefangen. Das war 1980, und im September beschloß ich, mich selbständig zu machen, und meine Arbeiten bei möglichst vielen Galerien anzubieten. Ich habe seither nicht aufgehört.

ART DEPESCHE: Ihre Arbeiten sind grundsätzlich einfach schön, von einer überaus lyrischen Stimmung. Was ist die Rolle von Schönheit in der Kunst?

BUTTERWORTH: Meine Arbeit leitet sich, seltsam genug, oft von Titeln her. Wenn eine Arbeit einen schönen Namen hat, sollte sie selbst ebenfalls schön sein. Klingt läppisch, aber für mich paßt es. Zudem möchte ich Farbe und Licht einfangen, darum ist es auf vielen meiner Bilder Morgen oder Abend, man nennt es die „goldene Stunde“. Die Kraft des Lichtes ist etwas, was ich schätze, und oft sage ich, je mehr Dunkelheit man hineingibt, desto mehr Licht wird herauskommen. Kontraste sind wichtig und erzeugen diesen Realismus, um dessen Wiedergabe es mir geht.

ART DEPESCHE: Wenn ich es richtig sehe, sind Sie Mitglied einer der großen britischen Aquarellistengesellschaften, des Royal Institute of Painters in Water Colours, und haben jüngst einen Preis bei deren 208er Jahresausstellung gewonnen. Bitte geben Sie uns dazu einige Informationen!

BUTTERWORTH: Ich sollte sagen, obgleich ich kein Mitglied des RI bin, habe ich dort ausgestellt. Ich habe in den letzten vier Jahren Arbeiten in der Mall Gallery bei den offenen Ausstellungen des RI gezeigt und jedes Mal etwas verkaufen können. Bei der Ausstellung 2017 habe ich den Matt-Bruce-Preis für eine Aquarellarbeit mit herausragender Farbe und Licht gewonnen. Dieses Jahr wurde meine Arbeit mit dem Neil-Meacher-Preis für herausragende Aquarelle ausgezeichnet.

Ich bin während meiner Karriere in viele kleinere Gesellschaften aufgenommen worden und habe auch sehr viele Preise gewonnen. Manche von diesen waren ordentlich dotiert. Der Wettbewerb für Landschaften und Seestücke von Laing 1988 mit einem Preis von 1000 £ war ein solcher. In etwa jener Zeit wurde ich auch in die British Watercolour Society aufgenommen und habe den Ersten Preis dreimal im Trab gewonnen. Ich bin der Aquarellisten-Gesellschaft von Birmingham beigetreten und habe den Ersten Preis ihrer Hundert-Jahres-Ausstellung gewonnen. Ich war Mitglied der Society of Artists wie einiger kleinerer Gruppen, die im Lande verteilt Ausstellungen hatten.

ART DEPESCHE: Historisch gesehen wurde das Royal Institute als Alternative für Künstler gegründet, die zur (Royal) Watercolour Society nicht zugelassen worden waren. Wie müssen wir uns das Verhältnis der beiden Institutionen heutzutage vorstellen?

BUTTERWORTH: Für mich ist das RI das höchste Ziel meines Ehrgeizes. Ich weiß, ich kann Auszeichnungen und Preise bei anderen Ausstellungen gewinnen und habe das bei vielen Gelegenheiten in der Vergangenheit getan, aber das RI hat dieses besondere Etwas, das Qualität verheißt. Es braucht etwas Magie, um eine Arbeit heineinzubekommen, denn es ist ein weltweiter Entscheid. Somit ist es sehr inspirierend, dort ein Gewinner zu sein.

Fortsetzung folgt.

 

Verweise:

https://www.geoffbutterworth.co.uk/
http://royalinstituteofpaintersinwatercolours.org/
https://www.royalwatercoloursociety.co.uk/

Das Licht im Aquarell: Geoff Butterworth im Gespräch, Teil 1 https://art-depesche.de/images/Lock_90_-_Rochdale_Canal.jpg Ruedi Strese