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Geoff Butterworth „Peveril Castle“ (Aquarell, 2017)

Bremen - Wir haben die große Freude, unseren Lesern eine Fragerunde mit dem englischen Aquarellkünstler Geoff Butterworth anbieten zu können. Da diese recht umfassend ausgefallen ist, haben wir sie in zwei Teilen veröffentlicht.

Hier geht es zum ersten Teil: https://art-depesche.de/malerei/627-das-licht-im-aquarell-geoff-butterworth-im-gespräch,-teil-1.html

ART DEPESCHE: Wer sind Ihre bevorzugten historischen britischen Aquarellisten?

BUTTERWORTH: Wer sind meine bevorzugten britischen Künstler ... Rowland Hilder aus dem Royal Institute war der Künstler, der mich damals, 1980, angeregt hat, zum Aquarell zu wechseln, und dessen Arbeit ich in einer Art Eins-zu-Eins-Kunststunde kopiert habe. Er war ein Buchillustrator, welcher die Kinderbücher von Ladybird [eines Verlagshauses, Anm. d. Red.] bebildert hat. Es gab von ihm auch Arbeiten in Kalendern, welche damals meine Aufmerksamkeit erregt haben. Er hat unten in Kent gelebt, einem Ort, wo ich nie gewesen war, und seine Aquarelle zeigten die flache bäuerliche Landschaft der Gegend in einer dunklen und kraftvollen Weise. Ich habe von seinem Stil nichts übernommen, aber in dreien meiner Bilder gelernt, wie. Ich mag auch David Shepherd, ein Grund, warum ich nie Züge oder Tiere gemalt habe ... aber, um ehrlich zu sein, habe ich nie studiert, wer was malt, und manche Inspiration kommt von Arbeiten weitgehend unbekannter Künstler, die man an Galeriewänden sehen kann, zudem bin ich hoffnungslos bei Namen, somit vergesse ich bald, wer was gemalt hat.

WENN ich Vermeer in dieser Frage mit hereinnehme, dann deshalb, weil er in dieser besonderen Qualität gemalt hat, welche alle Grenzen übersteigt, und am inspirierendsten sein muß.

ART DEPESCHE: Vermeer! Ja, das ist durchaus zu erkennen ... Wir bitten nun um Ihre Gedanken zu ... der Camden Town Group.

BUTTERWORTH: Zur Camden-Gruppe kann ich wirklich nichts sagen ...

ART DEPESCHE: ... der Farbe Grün.

BUTTERWORTH: Über Grün kann ich hingegen ohne Ende schreiben. Sagen wir es so, daß Farbenproduzenten eine lange Reihe von Grüntönen herausbringen, doch ich nutze nur einen, Saftgrün, welcher sich leicht mit Gelbtönen, Brauntönen, Schwarz, Karmesin, Seeblau, braunem, gelbem Ocker verbinden läßt, also dem ganzen Schebang ... warum also den Malkasten mit Massen an Grüntönen füllen und wertvolle Zeit damit verschwenden, welches Grün zu welchem Teil dieses Gebietes passen mag? Ich habe eigens ein Aquarell gefertigt, nur um mir selbst zu beweisen, daß ich richtig liege.

ART DEPESCHE: ... Wasseroberflächen.

BUTTERWORTH: Meinen Sie das Papier, auf dem ich arbeite? Ich mag verschiedene Papiere, die ich in Blattform kaufe. Ich habe Whatman-Papier geliebt, ich habe noch etwas ... ihre Produktion wurde eingestellt, aber sie waren die Crème de la Crème. Künstler verzweifelten, als sie aus dem Verkauf genommen wurden. Heutzutage gibt es großartige Papiere, und ich habe auf allen gearbeitet. Ich wähle eines, welches zum Thema der Arbeit paßt, aber ich mag Fabriano, Arches, Windsor, Newton und Bockingford. Zufälligerweise wurde das Aquarell der Wäscheleine im Royal Institute auf einem Blatt Whatman aus den 90ern gemalt. Also belegt es meinen Gedanken.

ART DEPESCHE: Auch interessant! Wir meinten jedoch die Oberflächen von Gewässern ...

BUTTERWORTH: Ich male gerne Wasser, wie es auf vielen meiner Bilder erscheint. Ich habe Seestücke und Flüsse und Seen gemalt ... sie alle erfordern ein besonderes Etwas. Es ist hilfreich, nach einer Fotografie zu arbeiten. Die Sache ist, in der Lage zu sein, mit vielen Sachen zu arbeiten, die gleichzeitig geschehen, wie drehende Teller auf Stöcken ... das Papier naß halten, die Kanten kontrollieren, mit Maskierflüssigkeit arbeiten und mit dem Fön trocknen. Wenn man das alles kann, wird es klappen. Wenn nicht, sollte man lieber eine Landstraße malen!

ART DEPESCHE: ... Percy French.

BUTTERWORTH: Ich habe sein Werk gesehen und mag seinen frischen, luftigen Stil, seine Himmel sind lieblich, und er zieht das Auge in den weiten Horizont. Ich habe einige Zeit in Irland verbracht, doch nie dort ausgestellt, so habe ich ein Gefühl davon, was er malt. Irland trägt einen zurück in ein anderes Zeitalter, insbesondere in den ländlichen Gegenden, insofern würden eine Menge seiner Werke heute immer noch genauso aussehen.

ART DEPESCHE: ... Großstadt versus ländlicher Raum.

BUTTERWORTH: Ich liebe es, in Städten zu arbeiten, und Manchester ist in meiner Nähe und hat eine Menge Anziehungskraft. Die Kanäle bieten großartige Themen und die Straßenszenen sind ebenfalls wunderbar. Tatsächlich ist es nicht wirklich wichtig, was ich male, solange das Bild diese Kraft und die Wirkung oder das Gefühl von Ernsthaftigkeit und Frieden hat. Alle Dinge inspirieren mich, das ist, warum ich bislang im Wortsinn Hunderte, vielleicht ein paar Tausend Aquarelle gemalt habe.

ART DEPESCHE: ... Pleinairmalerei bei Nacht.

BUTTERWORTH: Damt haben Sie mich erwischt, denn das habe ich nie versucht ... Ich lebe in Nähe eines Friedhofs mit einigen recht alten Gräbern, und ein Mondscheinspaziergang dadurch wäre vielleicht in Ordnung. Allerdings habe ich einige Weltallszenen von den Apollo-Mondmissionen gemalt. Zählt das?

ART DEPESCHE: Gute Antwort! Sind bereits Bücher bzw. Kataloge von Ihren Arbeiten erhältlich?

BUTTERWORTH: Ich habe für eine Zeitschrift geschrieben, die nur regional war, sie hieß „Northern Life“, aber ich habe das zwei Jahre lang jeden Monat getan, insgesamt etwa 30 Artikel, und nie eine Rückmeldung erhalten, das ist schon eine Schande. Ich nehme an, Facebook gibt mir eine Präsenz und Sachen wie die Teilnahme am Royal Institute ebenfalls.

Ein Artikel von mir wurde in einer Ausgabe der Zeitschrift „Art of Watercolour“ über Rom veröffentlicht, er umfaßte fünf Seiten Text und Bilder. Das war vor ein oder zwei Jahren. Es ging um Fragen der Farbwerte und ging über einfarbige Acrylarbeiten. Eine seltsame Sache für eine Aquarell-Zeitschrift, wenn man darüber nachdenkt, obschon Acrylfarben mit Wasser hergestellt werden.

ART DEPESCHE: Abschließende Worte?

BUTTERWORTH: Aquarelle sind mehr als eine Beschäftigung, es ist eine Leidenschaft und ein Bedürfnis. Ich mag es, schöpferisch zu sein und zu zeigen, was ich sehe, wenn ich unterwegs bin. Obgleich es meist Atelierarbeiten sind, am Schreibtisch sitzend geschaffen, achte ich darauf, die Stimmung des Ortes einzufangen. Ich hoffe, das inspiriert Sie!

ART DEPESCHE: Wir danken Ihnen für die Beantwortung unserer Fragen!

BUTTERWORTH: Vielen Dank!

 

Verweise:

https://www.geoffbutterworth.co.uk/
http://royalinstituteofpaintersinwatercolours.org/
https://www.royalwatercoloursociety.co.uk/

Das Licht im Aquarell: Geoff Butterworth im Gespräch, Teil 2 https://art-depesche.de/images/Peveril_Castle_2017.jpg Ruedi Strese