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Silvestro Lega „La Pergola“ (Öl auf Leinwand, 1868)

Berlin - Wenn wir an italienische Malerei denken, kommen uns mit Recht zuerst die Alten Meister in den Sinn; zwischen Gotik und Barock begegnet uns ein ganzes Heer bedeutender Künstler. Danach scheint in der internationalen Rezeption eine Lücke zu herrschen, deutsche Romantik und Frankreichs Impressionismus dominieren das Bild, und erst mit der Avantgarde von Futurismus und Pittura metafisica tritt Italien wieder nach vorne. Doch auch im 19. Jahrhundert wurde gemalt, und einige Künstler schufen Meisterwerke. Dazu zählt auf jeden Fall Silvestro Lega.

Geboren wurde er 1826 in der Gemeinde Modigliana bei Forlì in der norditalienischen Region Emilia-Romagna als Kind vermögender Eltern. Damit entstammte er der etwa gleichen Generation wie Gustave Moreau, Anselm Feuerbach, Arnold Böcklin und Eugène Boudin.

Sein Studium begann er 1843 bis 1847 an der Accademia di Belle Arti in Florenz. Die Zeit darauf war er in der Unahängigkeitsbewegung Giuseppe Garibaldis involviert, es folgte eine weitere Studienzeit bei Antonio Ciseri, einem akademischen Maler vorwiegend religiöser Themen. Auch Lega war bis 1859 noch sehr an der akademischen Malweise orientiert und feierte in jenem Bereich erste Erfolge. Beeinflußt war er dabei von der puristischen Schule Luigi Mussinis, welche sich unter dem Eindruck der deutschen Nazarener auf Gotik und Renaissance bezog, den Neoklassizismus hingegen ablehnte.

Der eher als ernsthafter Charakter beschriebene Künstler tat sich anfangs schwer mit neueren Entwicklungen, doch verkehrte er gelegentlich im Florentiner Künstlercafé Caffè Michelangiolo, wo sich ab den 1850er Jahren Maler der später als Macchiaioli bekannten Gruppe begegneten. Hier schloß Lega Freundschaften, und insbesondere die gemeinsam vorgenommenen Ausflüge zum Malen unter freiem Himmel führten zu einer Wandlung des Stiles hin zu einem lichten Realismus.

Wichtiger Schaffensort war das toskanische Dorf Pergentina, wo er von 1861 bis 1870 bei der Familie Batelli lebte. Die lokale Landschaft und die Gastgeber wurden Motiv zahlreicher Gemälde, die älteste Tochter, Virginia, seine Gefährtin. Ein besonders schönes Bild aus jener Zeit ist unser Titelbild, welches heutzutage in der Mailänder Pinacoteca di Brera zu sehen ist. Hier verbindet er tief in der Tradition verwurzelte Kompositionslehre mit einer modernen Behandlung der Farbe.

1870 starb Virginia, und in rascher Folge auch drei seiner Brüder. Lega ging zurück in seine Heimatgemeinde, die Jahre 1874 bis 1878 litt er an schweren Depressionen und malte kaum noch. Hinzu kamen mit seinem Scheitern als Kunsthändler finanzielle Sorgen und ein zunehmendes Augenleiden. Erst die längeren Aufenthalte bei der Familie seines Schülers Tommasi weckten Ende der 1879er Jahre erneut seine schöpferische Kraft, wobei er nun auch unmittelbar Einflüsse des französischen Impressionismus aufnahm, seit er in Florenz zwei Gemälde Camille Pissarros gesehen hatte.

Ab Mitte der 1880er Jahre war Lega nahezu blind, dennoch malte er, mit einer letzten Hochphase bei seinen Aufenthalten bei einer Familie Bandini in Gabbro ab 1886. 1889 konnte er noch an der Pariser Exposition Universelle teilnehmen, das Ende war jedoch absehbar. Blind, einsam und verarmt erlag er 1895 einem Krebsleiden. Silvestro Lega kann für sich beanspruchen, ein großer Künstler gewesen zu sein. Kunsthistorisch ist für uns zudem interessant, daß es außerhalb Frankreichs durchaus parallele Entwicklungen zum werdenden Impressionismus gab.

 

Verweise:

https://pinacotecabrera.org/en/collezione-online/opere/an-afternoon-the-pergola/
http://www.artnet.de/künstler/silvestro-lega/
http://www.artcyclopedia.com/artists/lega_silvestro.html

Silvestro Lega: zwischen Realismus und Impressionismus https://art-depesche.de/images/Silvestro_Lega_La_Pergola.jpg Ruedi Strese