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Albert Hertel „Der Tegelsee nordwestlich von Berlin“ (Aquarell, 1889)

Berlin - Ein überaus fähiger Maler, der, wie manche seiner Zeitgenossen, etwa Eugen Bracht oder Anton von Werner, ein schillerndes Werk schuf, welches akademische Großgemälde wie intime Vorstöße in die Freilichtmalerei umfaßte, war der Berliner Albert Hertel. Im Spannungsfeld zwischen Deutschrömern, Düsseldorfer Malerschule und Berliner Vormoderne schuf er Beachtliches.

Geboren wurde er 1843 in Berlin, Anton von Werner und Eugen Bracht (oder in Frankreich Claude Monet und Pierre-Auguste Renoir) waren seine Generationsgenossen. Der Vater, Peter Ludwig Hertel, war Kapellmeister der Königlichen Hofoper.

Sein Kunststudium begann er an der Berliner Akademie, wo er von 1859-62 bei Eduard Magnus, Eduard Meyerheim und Eduard Holbein lernte. Es folgten eine Zeit als Mitarbeiter von Peter Cornelius und eine frühe Pleinairphase in Schlesien. 1863 ging er für vier Jahre als Privatschüler des Spätromantikers Heinrich Dreber nach Rom, wo er alte Meister und italienische Landschaften studierte und sich u.a im Umfeld Anselm Feuerbachs bewegte.

Nach Deutschland zurückgekehrt hielt er sich zunächst in Berlin auf, lernte jedoch 1868/69 noch einmal an der Düsseldorfer Kunstakademie bei einem Meister der spätromantischen Landschaft, nämlich Oswald Achenbach. Es folgte eine Zeit in Paris, hier interessierte ihn vor allem die Freilichtmalerei der Schule von Barbizon.

1875 berief ihn Anton von Werner als Nachfolger Hans Gudes an die Berliner Akademie, wo er Landschaftsmalerei unterrichtete. Er lehrte dort die Malerei im Freien; damals noch nicht ganz selbstverständlich. Aufgrund eines Augenleidens mußte er jedoch die Professur bald niederlegen und war in Folge als freischaffender Künstler tätig, was seinem Erfolg keinen Abbruch tat.

Er wurde vielfach ausgezeichnet; Freundschaften pflegte er unter anderem mit Gustave Courbet, den er auf einer Studienreise am Genfer See kennengelernt hatte, und Adolph von Menzel, welcher Taufpate seines Sohnes wurde. Seine Beschäftigung mit der Freilichtmalerei führte 1901 zu einer Beteiligung an der Berliner Secession, im gleichen Jahr beauftragte ihn Kaiser Wilhelm II. mit Wandmalereien zur Ausgestaltung des Berliner Doms. Die Entwürfe wurden angenommen, und bei der Einweihung des Doms 1905 befanden sich die fertigen Gemälde an ihrem Platz. Auch das Berliner Rathaus stattete er mit monumentalen Gemälden aus.

So ist Hertel ein interessantes Beispiel für einen Künstler, welcher sowohl in der akademischen Welt als auch der malerischen Avantgarde Anerkennung fand. Mit seinen Historiengemälden und Landschaften in romantischer Tradition kam er der offiziellen Kunstauffassung entgegen, seine intimen Landschaften wirken für seine Zeit hingegen überraschend modern. Neben der Ölmalerei bewies er auch im Medium des Aquarells außerordentliche Fähigkeiten; für uns sind hier speziell die Landschaften und Veduten in und um Berlin malerisch wie auch als Zeitdokumente interessant. Als er 1912 in seiner Heimatstadt starb, war ein hochgeehrter Künstler. 1913 wurde er mit einer gewaltigen Werkschau geehrt; 150 Bilder waren bei dieser zu sehen.

 

Verweise:

https://graphem-kunsthandel.de/Albert_Hertel_Kopfstudie
http://www.artnet.de/künstler/albert-hertel/
http://www.arcadja.com/auctions/de/hertel_albert/kunstler/13377/

Albert Hertel - Landschaftsmaler der Berliner Schule https://art-depesche.de/images/Albert_Hertel_Berlin_Tegelsee.jpg Ruedi Strese