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Franz Nölken „Am Brunnen“ (1905)

Berlin - Dabei schuf er nicht nur ein hochwertiges und vielseitiges Werk, sondern nahm auch durch das weitverzweigte Netz seiner persönlichen Kontakte von den Brücke-Künstlern bis zu Henri Matisse eine interessante Stellung ein.

Geboren wurde Nölken 1884 in Borgeln bei Soest, aufgewachsen ist er in Hamburg. Früh muß sein Talent erkennbar gewesen sein, denn es war kein Geringerer als Alfred Lichtwark, Direktor der Hamburger Kunsthalle, auf dessen Rat der gerade erst 16jährige im Jahr 1900 den Schulbesuch abbrach und eine Kunstausbildung in der privaten Malschule Arthur Siebelists begann. Siebelist war ein Impressionist, ein begeisterter und begeisternder Lehrer, der seine Schüler vorzugsweise auf Expeditionen zur Freilichtmalerei mitnahm.

1903(04?) trat Nölken dem nichtakademischen „Hamburgischen Künstlerclub von 1897“ bei, 1904 war er mit mehreren weiteren Siebelist-Schülern in einer Gemeinschaftsausstellung vertreten. Eine Inspiration waren auch Ernst Cassirers Hamburger Ausstellungen der Bilder Vincent van Goghs und französischer Postimpressionisten. Nölkens Frühwerke verbinden impressionistisch geprägte Pinselführung mit expressiver Farbgebung.

Er reiste in die Schweiz und besuchte in den Sommermonaten seinen Geburtsort Borgeln zur Pleinairmalerei, lernte Christian Rohlfs, Emil Nolde und Edvard Munch kennen. 1907 ging es, gemeinsam mit Friedrich Ahlers-Hestermann und Walter Rosam, erstmals nach Paris. Dort fand er Anschluß an die internationalen Künstlertreffen im Café du Dôme.

1908 schloß er sich der „Brücke“ um Ernst-Ludwig Kirchner, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff an, nahm auch in Folge an deren Wanderausstellungen teil, zog sich jedoch 1912 wieder zurück. Bedeutend wurde auch eine zweite Parisreise 1909. Wieder mit Rosam sowie Ahlers-Hestermann, ebenfalls dabei war diesmal Gretchen Wohlwill; die vier Norddeutschen traten dort für einige Zeit der Académie Matisse bei.

1910 nach Hamburg zurückgekehrt eröffnete er ein Gemeinschaftsatelier mit Ahlers-Hestermann und Anita Rée. Diese begnadete Künstlerin wurde Nölkens Schülerin und verliebte sich in ihn, unglücklich, was zum Ende der engen Freundschaft führte. Ein Freund wurde auch der Komponist Max Reger; Nölken porträtierte ihn mehrfach.

Eine dritte Parisreise 1914 führte zur Begegnung mit den Werken Gauguins und Picassos; möglicherweise in einer stärkeren Abkehr von der Lichtmalerei und auflösendem Pinselstrich bei naturnaher Form hin zu mehr Fläche und Umriß bei vergröberter Form erkennbar.

Der Weltkrieg brachte ein teilweises Erliegen des künstlerischen Schaffens, und, nach der Einberufung 1917, im November 1918, kurz vor Ende der Kampfhandlungen, den Tod auf den Feldern Frankreichs. Damit war Nölken, neben Franz Marc, August Macke, Wilhelm Morgner und Benno Berneis ein weiteres Opfer, welches die expressionistische Künstlergeneration dem Mars darbrachte.

 

Verweise:

https://art-depesche.de/malerei/346-der-hamburger-impressionist-arthur-siebelist.html
https://www.hamburger-kunsthalle.de/sammlung-online/franz-noelken/zwei-nebeneinander-stehende-kleine-maedchen-einem-garten
https://www.weltkunst.de/kunsthandel/2018/12/flusslandschaft-aus-leuchtenden-farbfeldern
https://www.soest.de/03leben_wohnen/kultur/museen/117040100000095878.php
http://www.artnet.de/künstler/franz-nölken/
http://galerie-herold.de/de/kuenstler/kuenstler-details/art-info/franz-noelken/Artist/

Der Hamburger Expressionist Franz Nölken https://art-depesche.de/images/Franz_Nolken_Am_Brunnen_1905.jpg Ruedi Strese