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Fanny Churberg „Frühlingslandschaft“ (1876)

Berlin - Eine sehr interessante finnische Malerin der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Landschafterin Fanny Churberg. Sie hatte ihre Wurzeln zweifelsohne in der späten Romantik, verband diese jedoch mit einer sehr eigenen Auffassung des Farbauftrags. Zu Lebzeiten kaum bekannt, hat sie eine posthume Würdigung als Vorläuferin des Expressionismus erfahren.

Geboren wurde sie 1845 im schwedisch geprägten Vaasa in Westfinnland. Ihr Vater war Arzt, die Mutter Tochter eines Geistlichen. Die Mutter starb, als das Mädchen 12 Jahre alt war, der Vater 1865, als sie das zwanzigste Lebensjahr erreicht hatte. Mit ihren beiden Brüdern ging sie anschließend zu ihrer Tante nach Helsinki, wo sie, aufgrund bereits früh aufgekommener entsprechender Neigungen, ihre künstlerische Ausbildung begann.

Sie nahm dort Privatunterricht, zunächst bei Emma Gyldén und Alexandra Frosterus-Såltin und 1866/67 bei Berndt Lindholm. Jener war einer der profiliertesten finnischen Landschafter seiner Zeit und hatte selbst an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert. Von Düsseldorf versprach sich nun auch Churberg wesentliche Anregungen, und so ging sie 1867 erstmals für ein Jahr dorthin. Die Universität selbst ließ damals noch keine weiblichen Schüler zu, doch konnte sie bei Carl Ludwig, gleichfalls ein Landschafter, privaten Unterricht nehmen.

Nach einer Zeit in Finnland ging sie von 1871 bis 1874 noch einmal nach Düsseldorf, verbrachte die Sommermonate jedoch stets im Heimatland. Es folgten von 1875 bis 1878 Jahre in Paris, auch diese standen vornehmlich im Zeichen des Lernens. Lehrer dort war der Schwede Vilhelm von Gegerfelt. Dieser verarbeitete bereits Einflüsse des französischen Impressionismus und begeisterte Churberg für die Winterlandschaft.

Mit ihrer Rückkehr nach Helsinki 1879 begann sie ihr Engagement im Finnischen Kunstverein; in diesem Kontext stellte sie ihre Bilder auch aus. Insgesamt blieben die Reaktionen jedoch verhalten, zum Teil sogar ablehnend, und im Jahr darauf legte Churberg das Malzeug endgültig nieder, um sich im Sinne der englischen Arts & Crafts-Bewegung der Töpferei und Weberei zu widmen.

Sie starb 1892, als Malerin zunächst vergessen. Erst das Jahr 1919 markierte mit einer Gedenkausstellung den Beginn ihrer Wiederentdeckung. Obgleich ihre Schaffensphase recht kurz geblieben war, hat sie immerhin über 300 Gemälde geschaffen, darunter einige Stilleben, vornehmlich jedoch finnische Naturszenen.

Darin verbindet sie eine durchaus von der Düsseldorfer Malerschule beeinflußte Landschaftsauffassung, die jedoch eher das Wilde und Ungezügelte sucht, weder naturalistisch abbildet noch idealisiert, sondern proto-expressionistisch zum Träger persönlicher Stimmungslagen wird, mit einem ausgesprochen kraftvollen, für ihre Zeit ungewöhnlich breiten Pinselstrich und starken Farbkontrasten. Für uns eine der interessantesten Malerinnen des 19. Jahrhunderts, auch außerhalb Finnlands!

 

Verweise:

https://www.germanistik.hhu.de/angegliederte-bereiche/frauen-kultur-archiv/kuenstlerinnen/fanny-churberg.html
https://www.mutualart.com/Artist/Fanny-Churberg/2C5446E52A7D6C5B
https://www.bukowskis.com/en/auctions/F161/279-fanny-churberg-in-the-forest

 

Landschaftskunst, expressiv, auf Finnisch: Fanny Churberg https://art-depesche.de/images/Fanny_Churberg_-_Spring_Landscape_-_A-1996-92_-_Finnish_National_Gallery.jpg Ruedi Strese