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Hans Baluschek „Vor der Stadt“ (Aquarell und Ölkreide auf Karton, 1918)

Berlin - Am 12. Mai hat das Bröhan-Museum in Charlottenburg seine Pforten für Besucher wieder geöffnet. Eine gute Sache, vor allem, da wir die eigentlich schon für Ende März angekündigte Sonderausstellung zu dem sozialkritischen Berliner Maler Hans Baluschek nun doch noch in Augenschein nehmen dürfen. Baluschek hat ein interessantes Werk irgendwo zwischen Menzel, Liebermann und Zille geschaffen, und dazu bietet das Bröhan noch bis zum 27. September 2020 einen gelungenen Überblick.

„Zu wenig Parfüm, zu viel Pfütze“ ist der Titel der Schau, und derzeit ist auch nur diese zu sehen, unter den üblichen Auflagen (Verhüllung der Atemorgane und Abstandsregelungen); die Dauerausstellung bleibt geschlossen. Doch wenden wir uns dem Eigentlichen zu.

Hans Baluschek wurde 1870 in Breslau geboren, studierte 1890-93 an der von Anton von Werner geleiteten Königlichen Akademie der Bildenden Künste in Berlin, wurde 1898 eines der Gründungsmitglieder der Berliner Secession um Max Liebermann, Walter Leistikow, Franz von Skarbina usw. Im Zusammenhang mit dieser Vereinigung wurde er auch sehr erfolgreich.

Dabei war er nicht sehr vom Impressionismus beeinflußt, gehörte stattdessen mit Heinrich Zille, Otto Nagel und Käthe Kollwitz zu den sich dezidiert mit proletarischem Leben und sozialen Mißständen befassenden Künstlern, welche Kaiser Wilhelm II. mit dem bekannt gewordenen Schmähbegriff der „Rinnsteinkünstler“ versah. Dabei ist doch bemerkenswert, wie offen der Staat und sein Oberhaupt in manchen Werken kritisiert werden konnten, ohne daß dies dem Erfolg der Künstler großen Abbruch tat. Heutzutage ... ist natürlich noch viel, viel mehr möglich. Oder wagt jemand, etwas Anderes zu behaupten?

Auch nach dem Ende der Monarchie war der Sozialdemokrat Baluschek ein stark politisch eingebundener Künstler, obgleich er sich nun vermehrt der Illustration u.a. von Kinderbüchern wie „Peterchens Mondfahrt“ zuwandte. Im Nationalsozialismus erfuhr er erwartungsgemäß Ablehnung, starb allerdings 1935 bereits in Berlin, wodurch er von größeren Repressionen nichts mehr mitbekam.

Der gezeigte repräsentative Querschnitt speist sich vornehmlich aus den eigenen Beständen sowie jenen des Berliner Stadtmuseums, ergänzt um wenige Leihgaben aus privatem Besitz sowie der Berlinischen Galerie. Geordnet ist die Auswahl im Wesentlichen thematisch, wir lernen Baluschek als Maler von Proletariern, Prostituierten und Industriebauten kennen. Gebäude des damaligen Berlin sind zum Teil lokalisierbar, zum Teil auch nur als Typen zu verstehen.

Vielseitig sind die Medien, es geht vom Ölgemälde über Aquarell und Kohlezeichnung bis zur Druckgraphik. Begleittexte finden sich zu den einzelnen Räumen sowie zu einigen Schlüsselwerken, darunter das an Menzel angelehnte „Eisenwalzwerk“ (1910) oder „Berliner Rummelplatz“ (1914). Ergänzt wird die Schau durch Zitate des Künstlers und Schaukästen mit von diesem illustrierten Büchern.

Insgesamt ein durchaus sehenswerter Einblick, ein kleines, aber feines Stück Kunstgeschichte. Das Museum empfiehlt derzeit das Buchen von Online-Zeitfenstertickets mindestens drei Tage vor Besuch; ein gewisses Kontingent gibt es jedoch auch vor Ort. Preis regulär 8,-, ermäßigt 5,- €. Das Bröhan-Museum befindet sich in der Schloßstraße 1a in 14059 Berlin (in der Nähe des Schlosses Charlottenburg). Geöffnet ist es von Dienstag bis Sonntag jeweils von 10-18 Uhr.

 

Verweise:

https://www.broehan-museum.de/ausstellung/zu-wenig-parfuem-zu-viel-pfuetze-hans-baluschek-zum-150-geburtstag/
https://www.youtube.com/channel/UC-IxKChNzfF5uIvGgWum8Ag/videos
https://www.facebook.com/broehanmuseum/

Hans Baluschek zum 150.: Retrospektive im Bröhan-Museum https://art-depesche.de/images/IMG_2030.jpg Ruedi Strese