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Julius Paulsen „Adam und Eva“ (1893)

Berlin - Ein Künstler, dessen Werk sich der stilistischen Einordnung weitgehend entzieht, war der Däne Julius Paulsen. Neben den verschiedenen Strömungen des 19. Jahrhunderts fanden Alte Meister ihren Niederschlag. Erfolgreich wurde er vorrangig als erstklassiger Porträtist und Aktmaler, doch auch im Bereich der Landschaft schuf er Bleibendes.

Geboren wurde er 1860 in Odense als Sohn eines Lebensmittelhändlers. Die künstlerisch interessierte Mutter gab ihm früh Zeichenunterricht, seine ältere Schwester Agnes (1844-1898) war ebenfalls Malerin. Nach seiner Konfirmation begann er eine Malerlehre und besuchte eine technische Schule, bis er schließlich 1879 sein Studium an der Königlich Dänischen Akademie der Bildenden Künste begann.

1882 machte er dort seinen Abschluß und wurde bald mit kleineren Landschaften und feinfühligen Porträts ein gefragter Künstler, schließlich einer der erfolgreichsten dänischen Maler des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. 1885 bereiste er gemeinsam mit seinem Landsmann Viggo Johansen Frankreich, Belgien und die Niederlande. Nicht wenige Bildnisse fertigte er auch von Künstlerkollegen, so von Laurits Tuxen und Peder Severin Krøyer.

Mit den Freilichtmalern der Skagener Künstlerkolonie stand er in engem Kontakt, obgleich er den Ort erst 1900 das erste Mal besuchte. In seinen atmosphärischen Landschaften beweist er Sparsamkeit in der Palette und einen Blick für das Wesentliche. Seine Genreszenen wiederum zeigen die Verwurzelung in einer großen malerischen Tradition, deren berühmtester Name Rembrandt ist.

Wenn wir feststellen können, daß Paulsens Eklektizismus sich nicht nur impressionistischer, symbolistischer und naturalistischer Elemente bedient, sondern in diesen Topf auch noch französische Salonmaler und die alten Meister der Niederlande wirft, mag dies nach einem ungeordneten Werk klingen, tatsächlich ist Paulsen jedoch ein Meister des Subtilen, der all diese Einflüsse organisch verschmilzt. Allerdings steht er unter den Zeitgenossen in Dänemark damit nicht alleine, auch Viggo Johansen, Vilhelm Hammershøi oder Carl Holsøe machten sich, freilich auf ihre wiederum ganz eigene Art, eine unorthodoxe Stilmischung zu eigen.

Die Bilder sind in der Regel als ausgesprochen zurückhaltend und stilvoll zu bezeichnen. Das Schrille liegt ihm fern, die Farben sind bisweilen freundlich, wenn das Motiv (etwa eine sommerliche Landschaft) es hergibt, doch meist eher erdig, es dominieren Braun- und Grüntöne. Die Akte stellen gleichfalls eine große Werkgruppe dar, vom erdigen Charakter und dem kräftigen Pinselstrich mag man sich bisweilen an den Engländer Walter Sickert erinnert fühlen, doch ist Paulsen von dessen Morbidität weit entfernt. Im Gegenteil, die Darstellung wirkt ausgesprochen liebevoll. Unser Künstler starb 1940 in Kopenhagen, 80 Jahre später lädt sein Werk uns zur Entdeckung ein.

 

Verweise:

http://nordicattic.blogspot.com/2011/07/evening-motive-1886-julius-paulsen-1860.html
http://runeberg.org/dbl/12/0588.html
https://gravsted.dk/person.php?navn=juliuspaulsen
http://www.artnet.com/artists/julius-paulsen/
https://www.youtube.com/watch?v=EgMQ-xpVsws

Julius Paulsen: ein dänischer Porträtist und Landschafter https://art-depesche.de/images/Paulsen_Adam_Eve.jpg Ruedi Strese