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Karl von Piloty „Die Ermordung Caesars“ (Öl auf Leinwand, 1865)

Berlin - Die akademische Historienmalerei des 19. Jahrhunderts genießt heutzutage einen etwas zweifelhaften Ruf. Dies dürfte im Wesentlichen in ihrem Gegensatz zum Impressionismus und der angehenden Moderne liegen, von welchen sie letztlich überrollt wurde. Sie hatte ihre Grenzen, im Positiven wie Negativen, doch wer sie gerecht beurteilen möchte, wird nicht übersehen können, daß diese Künstler oft hervorragend malen konnten und viel geleistet haben. Einer der bedeutendsten Vertreter in Deutschland und vor allem ein überragender Lehrer war der Münchner Karl (auch: Carl) Theodor von Piloty.

1826 kam er zur Welt, der Vater Ferdinand Piloty (1786-1844, noch ohne „von“) hatte sich als Maler und vor allem Lithograph einen guten Ruf erworben und wurde sein erster Lehrer, der ihn u.a. mit niederländischen Alten Meistern wie Rubens und van Dyck vertraut machte. Der jüngere Bruder Ferdinand (1828-1895) sollte ebenfalls Maler werden. 1840 begann der Junge sein Studium an der Münchner Akademie, Lehrer waren sein Schwager Karl Schorn und der Nazarener Julius Schnorr von Karolsfeld.

Nach dem Tod des Vaters leitete er für einige Jahre dessen druckgraphische Werkstatt, wandte sich jedoch schließlich hauptberuflich der Malerei zu, wobei seine Sujéts zunächst vor allem realistische Genreszenen waren. Ab 1848 gab es Studienreisen nach Frankreich, Belgien und England. Diese spielten bei der Stilfindung eine Rolle; insbesondere die belgische Historienmalerei sollte einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Er wurde schnell anerkannt, und verlegte sich auf historische Themen. Zu seinen Auftraggebern gehörte unter anderem der bayerische König Maximilian II.; Pilotys „Seni an der Leiche Wallensteins“ (1855) verschaffte ihm die Mitgliedschaft in der Münchner Akademie und im Folgejahr eine Professur als Nachfolger Schorns. 1860 wurde er in den Adelsstand erhoben (auch 1874 ist zu lesen, doch 1860 dürfte die korrekte Angabe sein).

Seine dramatischen und pompösen Werke waren durch meisterliche Beherrschung von Komposition, Linie und Licht gekennzeichnet, zudem war er bemüht, historisch möglichst akkurat zu sein, seine Darstellungen der Gewänder usw. waren am damaligen wissenschaftlichen Stand orientiert.

Als Lehrer wurde er von seinen Schülern geachtet, ja geradezu verehrt, es soll einen regelrechten Piloty-Kult gegeben haben. In jedem Fall war er einer der bedeutendsten Lehrer in der deutschen Kunstgeschichte. Zahlreiche illustre Namen finden sich unter seinen Schülern, so Wilhelm Leibl, Franz von Defregger, Heinrich von Zügel, Franz von Lenbach, Wilhelm von Diez, Hans Makart, Rudolf Epp u.v.m. Allein die Nennung dieser so vielseitigen Schüler, welchen er ihre handwerklichen Kenntnisse vermittelte, dürfte zur Widerlegung des behaupteten nur rückständigen Wesens der akademischen Malerei genügen.

Von 1869 bis 1873 schuf Piloty im Auftrag Ludwigs II. das bekannte „Thusnelda im Triumphzug des Germanicus“. 1874 wurde er nach dem Tod seines Vorgängers Wilhelm von Kaulbach Direktor der Münchner Akademie und trug erheblich zu deren Ruhm bei. Er behielt den Posten bis zu seinem Tod 1886; bestattet wurde er auf dem Alten Südlichen Friedhof in München. Sein gewaltigstes Werk, das monumentale „Allegoria monachia“, welches 15,3 x 4,5 m mißt und somit Bayerns größtes Leinwandgemälde ist, hatte er 1879 vollendet. Es zeigt 128 Personen der Münchner Stadtgeschichte; nach aufwendiger Restaurierung ist es seit 2004 im Großen Saal des Münchner Rathauses zu besichtigen. Weitere Werke befinden sich heutzutage in der Neuen Pinakothek in München sowie im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover.

Wenn wir heute Werke Pilotys betrachten, können wir einerseits verstehen, daß es eine Gegenbewegung ins Freie und Experimentelle geben mußte. Andererseits: beim Vergleich mit so manchem Werk anerkannter heutiger Künstler kann uns wiederum der Gedanke beschleichen, daß die akademische Malerei damit, daß äußerste Genauigkeit und technische Meisterschaft in der Ausführung Grundlage ernsthafter Malerei sein sollten, auch nicht unbedingt falsch lag.

 

Verweise:

https://www.neumeister.com/kunstwerksuche/kuenstler/9996/0/
https://www.sammlung.pinakothek.de/de/artist/carl-theodor-von-piloty
http://www.karl-theodor-von-piloty.de/
http://www.shakespearealbum.de/biographien/karl-von-piloty.html

Karl von Piloty - Historienmaler und Kunsterzieher https://art-depesche.de/images/Karl_Theodor_von_Piloty_Murder_of_Caesar_1865.jpg Ruedi Strese