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Gari Melchers „Mutter und Kind“ (Öl auf Pappe, ca. 1920)

Bremen - Er war einer der erstrangigen US-amerikanischen Maler des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Stilistisch wie thematisch ist sein Werk äußerst vielseitig, doch in seinem Hauptteil von leuchtenden Farben und kräftigem Pinselstrich geprägt; zumeist wird Gari Melchers als Vertreter des Naturalismus und Impressionismus eingeordnet.

Zur Welt kam er 1860 in Detroit als Julius Garibaldi Melchers. Sein Vater war der aus Deutschland stammende Bildhauer Julius Theodor Melchers (1829-1908), sein Name verband den Vatersnamen mit jenem des italienischen Nationalhelden Giuseppe Garibaldi, doch sollte er unter der Kurzform Gari bekannt werden.

1878, im Alter von 17 Jahren, ging er nach Deutschland, an die Düsseldorfer Kunstakademie, welche durch die religiöse Kunst der Nazarener und romantische Landschaftsmalerei zu Ruhm gelangt war. Seine Lehrer waren Carl Müller, Hugo Crola, Julius Roeting, Heinrich Lauenstein, Johann Peter Theodor Janssen und Eduard von Gebhardt. Bis 1881 blieb er dort, sein kaum bekanntes Frühwerk soll in seinem noch eher dunklen Kolorit an der damaligen realistischen Malerei aus Düsseldorf orientiert sein.

Es folgte eine Studienzeit in Paris, wo er sowohl die staatliche École des Beaux-Arts als auch, wie zahlreiche US-Amerikaner, die private Académie Julian besuchte; dort nahm er Unterricht bei Gustave Boulanger und Jules Lefebvre. 1882 konnte er einen beachtlichen Erfolg verbuchen und das im Vorjahr in der Bretagne gemalte Genrebild „Der Brief“ auf dem Pariser Salon präsentieren, wo dieses auf wohlwollende Reaktionen traf.

Nach einem kurzen Abstecher in die Heimat ging er 1884 an die Nordseeküste Hollands, wo er mit seinem Freund George Hitchcock ein Atelier im Fischerdorf Egmond aan Zee einrichtete. Mit seinen naturnahen Darstellungen des holländischen Landlebens machte er sich schnell einen Namen. „Die Predigt“ von 1886 fand ebenfalls Anerkennung auf dem Pariser Salon. Er stellte in verschiedenen Ländern Europas aus und gewann zahlreiche Preise, wurde mit der Zeit Mitglied mehrerer Künstlervereinigungen, darunter der Münchner Sezession, der Königlichen Kunstakademie in Berlin, der New Yorker National Academy of Design.

Auf einer Münchner Ausstellung gewann er den ersten Preis, vor einem anderen Amerikaner: James McNeill Whistler. Zusammen mit seinem Freund John Singer Sargent war er 1889 der erste Amerikaner, welcher einen Großen Preis bei der Pariser Exposition Universelle gewinnen konnte. Durch den Erfolg in Europa erst wurden Sammler in den USA auf ihn aufmerksam, und er begann, auch dort regelmäßig auszustellen.

Einige Arbeiten aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert, etwa Wandmalereien für die Kongreßbibliothek in Washington D.C., sind dem Symbolismus zuzurechnen, wobei Melchers Freundschaft mit Puvis de Chavannes eine Rolle gespielt haben dürfte, doch bald lernte er die Malerin Corinne Mackall aus Baltimore kennen, seither dominierten Tüpfeltechnik und leuchtende Farben des Impressionismus sein Schaffen. Seine vornehm gekleideten Damen, Freizeitszenen und Gartenbilder fanden guten Anklang.

1903 heiratete er seine Partnerin Mackall, und nicht deshalb, doch im Folgejahr wurde er Offizier der Französischen Ehrenlegion. Das Paar lebte zunächst abwechselnd in Paris, Nordholland und New York. Von 1909 bis 1914 war Melchers Professor an der Kunstakademie in Weimar.

1915 gingen die Eheleute endgültig in die USA zurück und eröffneten ein gemeinsames Atelier in New York. Die Ehrungen und Aufgaben hörten nun nicht auf, so war er von 1920 bis 1928 Präsident der New Society of Artists und später Vorsitzender der Kunstkommittees des Smithsonian American Art Museum. Die letzten Jahre verbrachte er auf seinem 1916 erstandenen Landsitz, dem Belmont Estate in Falmouth, Virginia, wo er 1932 starb. Seine Witwe übergab das Anwesen später dem Staat Virginia; als Gari Melchers Home & Studio wird es seit 1975 u.a. als Museum genutzt.

Melchers bei allem Eklektizismus eher konservatives Werk war nach dem Tod seines Schöpfers aufgrund der dominierenden Moderne zunächst in Vergessenheit geraten; mittlerweile hat es jedoch wieder einen sicheren Platz in der US-Kunstgeschichte und kann ohne Weiteres mit dem Werk von Künstlern wie John Singer Sargent oder Childe Hassam in einem Atemzug genannt werden.

 

Verweise:

https://web.archive.org/web/20100527185923/http://www.umw.edu/gari_melchers/melchers/default.php
https://www.nga.gov/collection/artist-info.1711.html
https://www.garimelchers.org/gari-melchers/
https://www.georgiaencyclopedia.org/articles/arts-culture/gari-melchers-1860-1932
https://www.invaluable.com/artist/melchers-gari-z3zlzonn4g/sold-at-auction-prices/

Gari Melchers: ein amerikanischer Naturalist und Spätimpressionist https://art-depesche.de/images/Gari_Melchers_-_Mother_and_Child_c1920_.jpg Ruedi Strese