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Fra Bartolommeo „Bildnis des Girolamo Savonarola“ (etwa 1498)

Florenz - 1490 kam ein einfacher Mönch nach einigen Jahren, die er als Prediger in Oberitalien verbracht hatte, nach Florenz zurück. Sein Name war Girolamo Savonarola. Er war 1452 in Ferrera geboren worden, hatte in jungen Jahren Philosophie und Medizin studiert und gehörte nun dem Dominikanerorden an. Er bezog ein Zimmer im Kloster von San Marco, welches 1436 erbaut worden war. 
Einer der Mönche, die zu den ersten Bewohnern gehört hatten, war ein gewisser Fra Giovanni da Fiesole („Bruder Johannes aus Fiesole“), geboren zwischen 1386 und 1400 als Guido de Pietro, später berühmt als Fra Angelico, einer der bedeutendsten Renaissancemaler mit einem wahrlich zauberhaften, ätherischen Stil. Das Kloster San Marco zeigt einige seiner bedeutendsten Fresken. Fra Angelico wurde bereits kurz nach seinem Tod 1455 als selig verehrt und 1982 von Papst Johannes Paul II auch selig gesprochen - als einziger Maler überhaupt.

Girolamo Savonarola jedoch war von einem anderen Schlag. Ein düsterer Asket, ein Endzeitprediger, dem das jeder Art von Ausschweifung verfallene Florenz unter den Medici gänzlich zuwider war und der die Verkommenheit von Staat und Klerus in schärfsten Worten geißelte. Er konnte insbesondere durch zwei Prophezeiungen Eindruck machen, denn er sagte den Tod von Lorenzo de Medici wie auch den von Papst Innozenz VIII. richtig voraus. 1494 wurde er faktisch zum Herrscher über Florenz.
Große Teile des Volkes und auch Künstler folgten ihm, so geriet der nicht zuletzt durch erotisch angehauchte Werke wie der „Geburt der Venus“ (1486) zu Ruhm gelangte Sandro Botticelli unter den Einfluß des Dominikanermönches, welcher zweimal, im Februar 1497 und im Februar 1498, ein „Freudenfeuer der Eitelkeiten“ veranstaltete. Bei dieser Bildersturm-Aktion wurden gewaltige Scheiterhaufen entzündet, auf welchen von Savonarola als heidnisch angesehene Schriften landeten, pornographische Bilder, Schmuck, Kosmetika, luxuriöse Möbel, Spiegel, Musikinstrumente und zahlreiche Kunstwerke der Renaissance. Botticelli warf einige seiner eigenen Werke in die Flammen.

Ein weiterer glühender Anhänger Savonarolas war Bartolommeo Pagholo del Fattorino (1475-1517), als Künstler ursprünglich bekannt als Baccio della Porta. Er malte das Bildnis Savonarolas im Jahr 1498. Ein strenges und hartes Gesicht muß es gewesen sein, die große Nase und die vollen Lippen deuten üblicherweise auf Sinnlichkeit - Savonarolas Kampf gegen die Welt könnte insofern auch ein Kampf gegen sich selbst gewesen sein. 1498 wurde er jedoch nach seinem politischen Scheitern gehängt und verbrannt, und zwei Jahre später beschloß Baccio in seinem Schmerz, seine weltlichen Bilder zu verbrennen und selbst Mönch des Dominikanerordens zu werden. Sein Fresko „Das Jüngste Gericht“ war zuvor von seinem Freund Mario Albertinelli (1474-1515) beendet worden.

Baccio nannte sich nun Fra Bartolommeo. Fünf oder sechs Jahre später griff er jedoch erneut zum Pinsel, oft in Zusammenarbeit mit Albertinelli. Unter seinem Ordensnamen sollte er den Ruhm der Nachwelt ernten und unter anderem Raffael beeinflussen.
Ein weiteres Porträt Savonarolas malte posthum, im Jahr 1524, Alessandro Moretto. Dieser, üblicherweise ein Meister der lebendigen Farben, lebte von 1490 oder 1498 bis 1554, wird Savonarola also kaum bewußt erlebt haben. Das Gemälde zeigt den Bußprediger mit intelligenten, stechenden Augen, er wirkt weit asketischer und blutleerer als auf dem von Fra Bartolommeo geschaffenen Bildnis.
Ein Bildnis von der Hinrichtung Savonarolas auf dem Piazza della Signora am 23. Mai 1498 wird Francesco Rosselli (1445 bis zwischen 1508 und 1513) zugeschrieben. Dieses wie auch das oben beschriebene Werk des Klosterbruders Bartolommeo sind heute in der Zelle Savonarolas im Kloster San Marco zu besichtigen.

 

Verweise:

http://www.paradoxplace.com/Perspectives/Italian%20Images/Montages/Firenze/San%20Marco.htm
https://maitaly.wordpress.com/tag/savonarola
https://maitaly.wordpress.com/2011/02/26/the-medici-part-2-lorenzo-the-magnificent-botticelli-and-savonarola

Der Dominikaner Savonarola und die Kunst https://art-depesche.de/images/Girolamo.Savonarola_1024px.jpg Ruedi Strese