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Philipp Franck „Sommer“ (Öl auf Leinwand, 1943, Ausschnitt)

Berlin - Am 9. April 1860 wurde der Maler Philipp Franck in Frankfurt am Main geboren. Im Laufe seines Schaffens erwies er sich als einer der hervorragendsten deutschen Impressionisten. Er war Gründungsmitglied der Berliner Secession und feierte seine Erfolge nicht zuletzt als Maler des Wannsees und der Potsdamer Gegend. Die Galerie Mutter Fourage in Berlin-Wannsee verfügt über bedeutende Bestände und präsentiert diese nebst bislang ungezeigten Schätzen nun in einer unbedingt sehenswerten Jubiläumsausstellung.

„Ein Leben für die Kunst“ lautet der Titel der noch bis zum 30. August 2020 zu besichtigenden Schau und ist sicher nicht zufällig auch der Name der 1944, kurz nach dem Tod des Künstlers, erschienenen Autobiographie. Gleichzeitig handelt es sich um ein weiteres Jubiläum, denn das Hofensemble, auf welchem sich die Galerie befindet, feiert seinen 120. Jahrestag.

Die Bezugnahme der Einrichtung auf Philipp Franck ist auch keineswegs willkürlich. Abgesehen davon, daß dieser in der selben Gegend tätig war, war es der Besitzer des Hofes, Wolfgang Immenhausen, welcher in einer Zeit, als Franck nahezu vergessen war, eine große Zahl von dessen Werken erstehen und ihn in Folge wieder ins Gedächtnis des Kunstwelt zurückholen konnte. Eigene Ausstellungen, Verleih der Bilder und nicht zuletzt das von ihm mit herausgegebene Werksverzeichnis trugen dazu bei.

Doch zum Eigentlichen: zu sehen gibt es eine sehr interessante und vielseitige Auswahl von Werken aus verschiedenen Phasen und Schaffensorten, sowie in verschiedenen Medien. Neben den eigenen Beständen werden bislang noch nicht an die Öffentlichkeit gelangte Bilder aus den Nachlaß von Jacob Franck, dem Enkel des Malers, gezeigt. Der Eingangsbereich stellt den Künstler mit einer biographischen Tafel vor, ansonsten sehen wir erste Bilder, von noch in erdigen Farben gehaltenen Genrebildern, nicht so fern vom Realismus eines Wilhelm Leibl („In der Stube (Spreewald)“, um 1907), bis zum nur wenige Jahre später entstandenen lichten „Der Wannsee“ (1914).

Der Hauptraum zeigt zum einen Bilder, zumeist Aquarelle, welche Franck bei seinen Italienaufenthalten in den 20er und 30 Jahren schuf, von Venedig, Rom und den oberitalienischen Seen. Besonders zu erwähnen dabei die Aquarelle vom Comer See; die Atmosphäre des Ortes ist perfekt eingefangen. Auf der anderen Seite des Raumes sehen wir mehrere Großgemälde, Landschaften aus dem Spätwerk von 1943/44. Auch diese sind kaum bekannt und überaus lohnenswert. Sie verbinden die impressionistische Lichterfahrung mit einem stärker zeichnerischen und realistischen Charakter. Sehr ansehnlich!

Ein Nebenraum zeigt Landschaften und Veduten in Wasserfarben und Öl von Potsdam und Havelland, auch hier handelt es sich um spätere Werke (von den späten 20er bis frühen 40er Jahren) mit im Vergleich zum stark impressionistischen Hauptwerk von etwa 1910-20 etwas erdigeren Farben. Ein zweiter, kleinerer Nebenraum schließlich ist der Handzeichnung und Druckgraphik gewidmet, thematisch geht es vom Porträt über das Tierbild bis zur Landschaft. Auch in diesen kleineren Arbeiten zeigt sich die Meisterschaft eines Künstlers, der Lichtspiel und Linie gleichermaßen beherrschte.

Zum Schluß sei erwähnt, daß ein Teil der Werke zum Verkauf steht - in jedem Fall eine sehr gelungene Präsentation eines der Großen der Lichtmalerei hierzulande; für jeden Liebhaber der Richtung eine klare Empfehlung. Die Galerie Mutter Fourage befindet sich in der Chausseestraße 15a in 14109 Berlin-Wannsee. Geöffnet hat sie freitags von 14-18 sowie am Sonnabend und Sonntag von 12-17 Uhrsowie nach Vereinbarung. Der Eintritt ist frei.

 

Verweise:

https://www.mutter-fourage.de/galerie/aktuelle-ausstellung.html
https://www.mutter-fourage.de/galerie/berliner-secession/philipp-franck.html
https://art-depesche.de/malerei/432-philipp-franck-–-deutscher-impressionist-zwischen-taunus-und-wannsee.html
https://archiv.adk.de/bigobjekt/14845
http://www.artnet.com/artists/philipp-franck/past-auction-results

160 Jahre Philipp Franck - Ausstellung am Wannsee https://art-depesche.de/images/104168126_n.jpg Ruedi Strese