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Jakob Becker „Der vom Blitz erschlagene Schäfer“ (Öl auf Leinwand, 1844, Städel Museum)

Berlin - Seinerzeit ein angesehener Genremaler und Kunstprofessor, ist Jakob Becker heutewohl nur noch Kunsthistorikern ein Begriff. Wohl kein Genie oder bedeutender Neuerer, doch ein weiterer Beleg, welch gewaltige Zahl versierter Künstler Deutschland im 19. Jahrhundert hervorbrachte, war er allemal. Hier also eine kleine Würdigung eines weitgehend Vergessenen in der Übergangszeit zwischen Romantik und Realismus.

Geboren wurde er 1810 in Dittelsheim bei Worms, der Vater war Gastwirt. Seine künstlerische Ausbildung begann zunächst in Worms bei einem Carl Nikolaus Jung, über welchen wir heuteso gut wie nichts mehr wissen. 1827 kam er nach Frankfurt am Main und arbeitete bei der Vogelschen Kunstanstalt als Lithograf. Er erwies sich als hervorragender Zeichner, was später auch in seiner Malerei bestimmend wurde.

1833 reiste er wegen eines grafischen Auftrags nach Düsseldorf. Das künstlerische Milieu der Stadt und die Anerkennung, welche er erfuhr, bewegten ihn dort zu bleiben. Er schrieb sich an der Düsseldorfer Kunstakademie ein, wo er bis 1841 studierte, unter anderem bei den bedeutenden Lehrern Wilhelm von Schadow und Johann Wilhelm Schirmer.

Sein Werk war stark von den Nazarenern beeinflußt, wie diese ging er von der präzisen und klaren Umrißlinie aus, verwarf jedoch deren religiöse Thematik und wandte sich bevorzugt gemütvollen bis romantischen bäuerlichen Genreszenen zu, wobei ein Hang zu realistischer Detailverliebtheit und dramatischen Gesten unverkennbar ist. Zudem schuf er Porträts, in Öl wie als Handzeichnung. Auf Wanderungen an Rhein und Lahn entstanden zahlreiche Landschaftszeichnungen.

1842 bekam er eine Professur für Genre- und Landschaftsmalerei am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt, wo er sich einen Ruf als fähiger Lehrer erarbeitete. Unter seinen Schülern waren Anton Burger, Heinrich Winter, Heinrich Hasselhorst und Johannes Deiker.

Als Gustave Courbet 1858 in Frankfurt weilte, stellte Becker, mittlerweile zum Direktor des Städelschen Kunstinstitutes aufgestiegen, diesem ein eigenes Atelier zur Verfügung. Der von vielen Zeitzeugen als selbstverliebt und hochmütig beschriebene Courbet dankte es indes dem Gastgeber wenig und wurde schließlich wegen grober Unhöflichkeiten rausgeschmissen. Nichtsdestotrotz nahm Becker Ideen des Franzosen in seine Malerei auf.

Die wichtigsten Arbeiten Beckers stammen aus seiner frühen Frankfurter Zeit, sie erfreuten sich damals großer Beliebtheit. Übertragungen seiner Bilder als Kupferstiche und Lithografien fanden weite Verbreitung.

Als unser Künstler 1872 in Frankfurt am Main starb, war er ein angesehener Mann. Er wurde auf dem Frankfurter Hauptfriedhof in einem Ehrengrab bestattet, in seinem Heimatort Dittelsheim wurde eine Straße nach ihm benannt. Werke Beckers finden sich u.a. in der Nationalgalerie Berlin, im Frankfurter Städel Museum und in der Kunsthalle Karlsruhe.

 

Verweise:

https://www.lempertz.com/de/kataloge/lot/1108-2/1317-jakob-becker.html
https://sammlung.staedelmuseum.de/de/person/becker-jakob
https://www.deutsche-biographie.de/sfz56641.html
https://www.dorotheum.com/de/l/5561844/
https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/kultur/gustave-courbet-in-frankfurt-die-raetselhafte-schoene-im-garten-15156486.html

Jakob Becker: Genremaler aus der Düsseldorfer Schule https://art-depesche.de/images/1844_Becker_Der_vom_Blitz_erschlagene_Schaefer_anagoria.jpg Ruedi Strese