Ulrich Neujahr „Auf dem Dach“ (Aquarell, 1962)

Berlin - Eine fein abgestimmte Ausstellung dreier Künstler bietet uns derzeit die Salongalerie „Die Möwe“. Bis zum 5. September 2020 soll „Sommertage auf Ischia – Die Maler Ulrich Neujahr, Eduard Bargheer und Hermann Poll“ zu sehen sein, und dem südlichen Licht auf der italienischen Insel entsprechend, wird uns leichte, lichte Kunst geboten, welche dort in den 30er bis 70er Jahren des letzten Jahrhunderts entstand.

Ischia liegt im Golf von Neapel, ist die größte von dessen Inseln und wie all diese vulkanischen Ursprungs. Fischerdörfer und Weinhänge prägen die Kulturlandschaft unter der Mittelmeersonne, und so mancher Künstler hat für sich dort ein kleines Paradies gefunden. Im 19. Jahrhundert etwa der englische Landschafter Clarkson Stanfield oder der armenische Marinemaler Iwan Aiwasowski und im mittleren 20. Jahrhundert vornehmlich deutsche Künstler, darunter Ida Kerkovius, Werner Gilles und Werner Heldt sowie jene, um welche es nun gehen soll.

Ulrich Neujahr (1898-1977) ist mit den meisten Werken vertreten, und diese stechen durch ihre kräftige Farbgebung auch zuerst ins Auge. Er war der erste der drei Maler auf Ischia, gesichert ist das Jahr 1931, möglicherweise auch bereits früher. Er hatte dort von Anbeginn sein eigenes Atelier und verbrachte die größte Zeit bis zum Ende seines Lebens auf der Insel.

Wir sehen Werke in verschiedenen Medien, vor allem Aquarelle und Ölbilder, doch auch Holzschnitte und Handzeichnungen. Die frühesten Bilder sind aus den späten 1920er Jahren, sie thematisieren wohl Italien, jedoch nicht die damals noch nicht entdeckte Insel. Badende, Landschaften, Fischer bei der Arbeit sind wiederkehrende Motive. Dabei sind die früheren Bilder der Neuen Sachlichkeit zuzurechnen, später sind stärker kubistische Anklänge zu sehen, auch eine Interpretation von Oskar Schlemmers „Bauhaustreppe“ und ein gegenstandsloses Gemälde sind im Programm; der Einfluß von Neujahrs erster Gattin Charlotte Voepel, welche am Dessauer Bauhaus bei Josef Albers und Wassily Kandinsky studiert hatte, könnte hier eine Rolle gespielt haben.

Zweiter im Bunde ist Eduard Bargheer (1901-1979) mit rund einer Handvoll Aquarelle von zurückhaltender Farbgebung aus den 1950er bis 1970er Jahren. Diese sind im Wesentlichen Veduten mit Hang zur geometrischen Abstraktion, welche stark unter dem Eindruck der Arbeiten Paul Klees, dem Bargheer 1935 erstmals begegnete, zu stehen scheinen. Jenes Jahr war übrigens auch das seiner ersten Reise nach Ischia.

Hermann Poll (1902-1990) hatte an der Düsseldorfer Kunstakademie u.a. bei dem Rheinischen Expressionisten Heinrich Nauen studiert. Später ging er nach Berlin, wo er von Max Liebermann gefördert wurde. In den 1930er und später wieder ab den 1950er Jahren bereiste er Ischia. Die gezeigten Ölgemälde und Pastelle lassen einen starken französischen Einschlag, vor allem von Henri Matisse, erkennen.

Erwähnt seien noch zwei Schmuckstücke, welche in der offiziellen Ankündigung nicht vorkommen, und zwar kleine Landschaftsaquarelle des Ortes Sant’ Angelo auf Ischia von Maria Heckert-Fechner (1888-1960; das im Netz zu findende Todesjahr 1950 ist nicht korrekt). Als Entstehungsjahr dieser wird 1957 angegeben.

Überdies findet sich ein kleiner Schaukasten mit Dokumenten und Fotografien. Alles in allem wieder eine ausgesprochen schöne Ausstellung, sowohl von den gezeigten Werken als auch der Präsentation her. Die Salongalerie „Die Möwe“ befindet sich in der Auguststraße 50b in 10119 Berlin, in der Nähe des Rosenthaler Platzes. Telefonisch erreichbar ist sie unter 030-30881842, geöffnet von Dienstag bis Sonnabend jeweils von 12-18 Uhr.

 

Verweise:

https://www.salongalerie-die-moewe.de/aktuell.html

„Sommertage auf Ischia“ - Sonnengewärmte Kunst in Berlin-Mitte https://art-depesche.de/images/Neujahr_Auf_dem_Dach_web.jpg Ruedi Strese
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