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George Hitchcock „Calypso“ (Öl auf Leinwand, ca. 1906)

Berlin - Ein amerikanischer Maler der Jahre um 1900, welcher vor allem in Holland wirkte und in dessen Werk sich die damalige Begeisterung für Hollands prächtige Blumenmeere, auch bekannt als Tulpenmanie, niederschlug, war George Hitchcock. In seinen Gemälden verband sich impressionistische Liebe zu leuchtenden Farben mit der Ästhetik des Jugendstils.

Geboren wurde dieser Herr 1850 in Providence, Rhode Island, als Sohn des Porträtkünstlers Charles Hitchcock. Beginnen wir mit einer wahrlich unnötigen Abschweifung: der gleiche Ort war auch der Heimatort des Meisters der Horrorliteratur, H.P. Lovecraft. Und unser Maler teilte den Familiennamen mit einer noch bekannteren Figur, dem Regisseur verstörender Filme wie „Birds“ und „Psycho“. Wir werden allerdings sehen, daß an George Hitchcocks Schaffen nichts Gruseliges zu finden ist.

Zunächst studierte er Rechtswissenschaften, vollendete diese 1874 in Harvard, und arbeitete für einige Jahre als Rechtsanwalt in New York und Providence, bis er 1877 beschloß, sich der Kunstmalerei zu widmen. Ein in Chicago eingerichtetes Atelier sollte zum Ausgangspunkt einer Karriere als Aquarellist werden, mit recht mäßigem Erfolg.

Dies führte zur Einsicht, daß weiteres Studium notwendig sei, und daraus resultierte 1879 der Weg nach Europa. In der Londoner Heatherley’s School wurden erst die Fertigkeiten im Aquarell ausgebaut, danach ging es für eine Weile nach Paris, wo damals der Impressionismus in voller Blüte stand. Wie etliche Amerikaner besuchte er die renommierte Académie Julian, nahm dort Kurse bei Jules Joseph Lefebvre und Gustave Boulanger. 1880 nahm er in Den Haag Unterricht bei dem Marinemaler Hendrik Willem Mesdag.

Der Aufenthalt in Holland war anscheinend so fesselnd, daß er sich mit seiner ersten Frau 1883/84 dort, genauer in Egmond aan den Hoef (heute Gemeinde Bergen, Nordholland), niederließ. Es war ein Haus an den Dünen, welches ihm als Atelier diente und überdies Keimzelle einer kleinen Malerkolonie wurde, wo er auch selbst unterrichtete. Zeitweise lebte auch sein Freund Gari Melchers, welchen wir kürzlich erst hier vorstellten, in jenem Haus. Ein Abstecher im Jahr 1884 führte ihn noch einmal in die Lehre, und zwar zu dem akademischen Maler Hugo Crola an die Düsseldorfer Akademie.

Jene Jahre waren bereits von bedeutenden Erfolgen und Auszeichnungen geprägt, etwa kaufte 1884 Elisabeth, Kaiserin der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, eines seiner Bilder, ein weiteres fand lobende Erwähnung auf dem Pariser Salon von 1887. Der Schwerpunkt seines Werkes hatte zunächst bei Ansichten der See gelegen, doch ab etwa 1887 traten die Blumenfelder Hollands in den Mittelpunkt seines Schaffens.

Als wesentlich erwies sich vor allem die Gründung der Summer School im Jahr 1890, welche 15 Jahre Bestand haben und als Egmonder Schule respektive Egmonder Künstlerkolonie in die Geschichte eingehen sollte. Eine ganze Reihe junger Maler folgte dem Ruf Hitchcocks, relativ bekannt sind z.B. der Berliner Impressionist Hans Herrmann und der Landschafter Heinrich Heimes aus der späten Düsseldorfer Schule. Porträtiert wurde er 1895 von seinem Schüler James Jebusa Shannon sowie 1900 von seinem Freund John Singer Sargent.

Ihr Ende fand die Schule, als sich Hitchcock 1905 mit seiner Schülerin und bald zweiten Gattin Cecil Jay für die dauerhafte Niederlassung in Paris entschied, wobei er die Sommer weiterhin in Holland verbrachte. Auch die letzten Jahre konnte er sich als Mitglied der New Yorker National Academy of Design (assoziiert), der Münchener Secession und der Wiener Akademie der Bildenden Künste über mangelnde Anerkennung nicht beschweren, zudem war er Ritter der Französischen Ehrenlegion und Offzier des Franz-Joseph-Ordens.

Er starb 1913 auf seinem Boot in Marken, Nordholland. Sein Werk verbindet in seiner Hochphase eine stark vom Jugendstil beeinflußte Eleganz mit den intensiven Farben, wie er sie vom französischen Impressionismus kennengelernt hatte. Seine Gemälde feiner Damen inmitten herrlicher Blumengärten entsprachen der nicht nur in den Vereinigten Staaten um sich greifenden Modewelle der Holland-Begeisterung. Mit deren Ende verschwanden zunächst auch Hitchcocks Werke in der sprichwörtlichen Mottenkiste, doch in jüngster Vergangenheit wurde deren malerische Qualität wiederentdeckt und sie erzielen nunmehr Höchstpreise.

 

Verweise:

https://art-depesche.de/malerei/648-gari-melchers-ein-amerikanischer-naturalist-und-spätimpressionist.html
http://www.artcyclopedia.com/artists/hitchcock_george.html
http://www.victorianweb.org/painting/hitchcock/index.html
https://americanart.si.edu/artist/george-hitchcock-6265
http://www.artnet.com/artists/george-hitchcock/
https://art.famsf.org/george-hitchcock

George Hitchcock - Maler junger Frauen im Blumenmeer https://art-depesche.de/images/Hitchcock_George_Calypso_Google_Art_Project.jpg Ruedi Strese