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Thomas Jones „The Capella Nuova outside the Porta di Chiaja“ (Öl auf Papier, 1782)

Berlin - Richard Wilson gilt als erster großer Vertreter der britischen Landschaftsmalerei und einer der ersten, welche Landschaften um ihrer selbst willen auf die Leinwand brachten, somit der Romantik die Tür öffneten. Wilsons Schüler Thomas Jones trat mit hochwertigen, doch konventionellen Arbeiten in die Fußstapfen des Meisters. In der Kunstgeschichte gilt er heute vor allem aufgrund kleiner, damals nicht für Ausstellungszwecke en plein air geschaffener Ölstudien als bedeutsam.

Geboren wurde er 1742 in Cefnllys, Radnorshire, als zweites von sechzehn Kindern des Grundbesitzers Thomas Jones of Trefonnen geboren. Um ihn von anderen Personen gleichen Namens zu unterscheiden, wird auf ihn bisweilen als Thomas Jones of Pencerrig referiert. Er studierte ab 1759 dank der Unterstützung eines wohlhabenden Onkels in Oxford, nach dessen Tod 1761 verließ er jedoch die angesehene Lehranstalt, denn er wollte Künstler werden.

Er ging also nach London und schrieb sich an der Zeichenschule William Shipleys ein und besuchte Aktzeichenkurse an der St Martin's Lane Academy. Mit seinen Ergebnissen unzufrieden, überzeugte er seinen walisischen Landsmann, den damals erfolgreichsten britischen Landschafter Richard Wilson (1714-1782), ihn als Schüler aufzunehmen.

Nun kam der Erfolg rasch; ab 1765 bereits durfte Jones bei der Society of Artists ausstellen, aus welcher später die Royal Academy of Arts hervorgehen sollte. Er folgte damals der Manier seines Lehrers und malte zusehends groß angelegte Landschaften, für deren Figurenstaffage sich bisweilen sein Kollege John Hamilton Mortimer hergab; ein bekanntes Werk jener Zeit ist „The Bard“ (1774).

1771 wurde er selbst in die Society of Artists aufgenommen, von 1773-74 fungierte er gar als deren Direktor. In jenen Jahren begann er auch, zu seinem eigenen Pläsier kleine Landschaftsskizzen auf Papier unter freiem Himmel zu malen, etwa „The Vale of Pencerrig“ (1776).

1776 ging er nach Italien, lernte 1779 in Rom seine Gefährtin Maria Moncke kennen, mit welcher er im Folgejahr nach Neapel zog. Durch den britischen Botschafter Sir William Hamilton und den klassizistischen Landschaftsmaler Jakob Philipp Hackert (1737-1807) gewann er zahlkräftige Kundschaft, für welche er idyllische Landschaften malte, neben Wilson war hierbei Francesco Zuccarelli (1702-1788) ein wichtiger Einfluß. Diese Bilder waren handwerklich einwandfrei ausgeführt, jedoch in gewisser Weise „Ware von der Stange“.

Äußerst spannend sind aus heutiger Sicht jedoch die um 1782 entstandenen Ölskizzen der oft recht verfallenen neapolitanischen Häuser. Hier verbinden sich zeichnerische Präzision und eine damals äußerst ungewöhnliche Spontanität. Ihr radikaler Naturalismus steht im schärfsten Gegensatz zu den kommerziellen Ideallandschaften, sie nehmen Ideen vorweg, welche erst Jahrzehnte später durch Camille Corot und die Schule von Barbizon popularisiert werden sollten; unser Titelbild mag hier als Beispiel dienen. Eine Ausstellung dieser Arbeiten zu Jones' Lebzeiten gab es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht.

Nach dem Tod des Vaters 1782 kehrte er mit Maria Moncke und den zwei gemeinsamen Kindern nach London zurück, wo ein Großteil seiner Besitztümer einschließlich der meisten Ölskizzen durch Dampfeinwirkung irreparablen Schaden erlitten hatte. Er versuchte zunächst, an frühere Höhen als Maler anzuknüpfen, doch ohne großen Erfolg.

Erst der Tod eines Bruders bzw. die daraus resultierende Erbschaft des Gutes im walisischen Pencerrig 1787 enthob ihn seiner finanziellen Not; 1789 endlich heiratete er auch seine langjährige Lebensgefährtin. Er malte kaum noch, und wenn, dann recht mäßig und starb 1803; er wurde in der Familienkapelle in Caebach, Llandrindod Wells, beigesetzt.

Seine in den letzten Lebensjahren verfaßte Autobiografie, welche 1951 erstmals verlegt wurde, sollte zu einer wichtigen Quelle zur britischen Malerei des 18. Jahrhunderts werden. Der Handelspreis seiner Werke hat übrigens eine rasante Entwicklung durchgemacht: als 1954 im Zuge des Erscheinens der Lebensbeschreibung rund 50 Aquarelle und Ölskizzen bei Christie's versteigert wurden, erzielte keines der Blätter mehr als 20 Pfund, 2010 wechselte dann bei Sotheby's eines dieser Aquarelle aus der Zeit in Rom für nahezu 230.000 Pfund den Besitzer.

 

Verweise:

https://art-depesche.de/malerei/131-richard-wilson-–-der-erste-große-britische-landschafter.html
https://www.nationalgallery.org.uk/artists/thomas-jones
https://www.tate.org.uk/art/artists/thomas-jones-301
https://artuk.org/discover/artists/jones-thomas-17421803

Heimlicher Pionier: der walisische Landschaftsmaler Thomas Jones https://art-depesche.de/images/Thomas_Jones_-_Santa_Maria_a_Cappella_Nuova.jpg Ruedi Strese