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Ștefan Luchian „Zwei Mädchen“ (Öl auf Leinwand, 1897-99)

Berlin - Rumänien ist ein für deutsche Kunstliebhaber weitgehend unentdecktes Land. Dies gilt sowohl für die Gegenwartskunst als auch die Kunstgeschichte. Unter den wenigen Namen, die man möglicherweise schonmal gehört hat, ist Ștefan Luchian, neben Nicolae Grigorescu und Ion Andreescu einer der Väter der malerischen Moderne seines Landes. Seine zarte, in Impressionismus und Symbolismus fußende Bildkunst zeigt Verwandtschaft mit großen Franzosen wie Paul Gauguin, Edgar Degas usw. und sollte Freunden dieser Richtung sicher zusagen.

Geboren wurde Luchian 1868 in Ștefănești, Region Westmoldau; er war also deutlich jünger als Grigorescu (1838-1907) und Andreescu (1850-1882). Sein Vater war Major der Grenzwacht. 1873 zog die Familie nach Bukarest, der Vater starb dort wenige Jahre später. Sein erstes der Nachwelt bekanntes Gemälde, eine kleine Ölstudie eines Hauses, stammt aus dem Jahr 1884, bevor er seine künstlerische Ausbildung begonnen hatte.

Diese erfolgte ab 1885, zunächst an der örtlichen Kunsthochschule. Grigorescu war es, der ihn dort lehrte und zu seinem Weg als Vollzeitkünstler ermunterte. Er schloß 1888 mit dem Diplom ab, und 1889 ging er an die Akademie der Bildenden Künste München. Er besuchte Kurse bei dem Genre- und Historienmaler Professor Johann Caspar Herterich,kopierte Werke von Rembrandt und Correggio. Im Folgejahr bereits kehrte er nach Bukarest zurück, im örtlichen Künstlerzirkel hatte er seine erste Ausstellung.

Schon 1891(92?) trieb es ihn wieder fort, diesmal nach Paris, wo er die Ausbildung bis 1893 unter William Adolphe Bouguereau und Tony Robert-Fleur an der Académie Julian fortsetzte, unterbrochen nur von einer kurzen Rückkehr nach Rumänien, um an der Beisetzung seiner Mutter teilnehmen zu können.

In Paris nahm er die Einflüsse der Impressionisten, Postimpressionisten und Symbolisten auf. Manet und Degas scheinen ihn besonders fasziniert zu haben, aber auch Anlehnungen an Gauguin, Toulouse-Lautrec oder Puvis de Chavannes lassen sich erahnen. Häufige Themen waren kleine Landschaften, Akte, Porträts, Blumenbilder. Er malte in Öl, doch (wie Degas) entfaltete er vielleicht im Pastell seine wahre Meisterschaft.

Im Frühjahr 1893 kehrte er in die Heimat zurück und beteiligte sich von nun aktiv am örtlichen Kunstleben. Er stellte regelmäßig mit dem Cercul artistic aus und wurde Juror der Expoziția anuală a artiștilor în viață („Jahresausstellung lebender Künstler“), später wurde er auch Gründungsmitglied der Künstlervereinigung Ileana. 1898-99 war er an der Ausmalung der Kathedralen von Alexandria(Walachei) und Tulcea beteiligt.

In das späte Jahr 1898 fällt allerdings bereits der Beginn der schweren Rückenmarksinfektion, die zu seinem frühen Tod führen sollte. Vorerst war allerdings das Ende seiner Schöpferkraft nicht erreicht. Höhepunkt im Jahr 1900 waren die Teilnahme an der Pariser Weltausstellung 1900 und die Gestaltung der Literatur- und Kunstzeitschrift „Ileana“, im Folgejahr wurde mit der Brezoianu-Kirche in Bukarest ein weiterer Sakralbau ausgemalt.

Ein schwerer Anfall seiner Krankheit zwang ihn 1901-02 für mehrere Monate ins Krankenhaus, nach der Entlassung setzte er seine Ausstellungstätigkeit im nationalen Raum fort, doch auch auf der Internationalen Kunstausstellung in Athen (1903) und der Dauerausstellung des Hamburger Kunstvereins (1905) waren seine Bilder zu sehen.

Wachsende Anerkennung ging mit verfallender Gesundheit einher. 1909 erhielt er die Medalia Bene Merenti Erster Klasse, 1910 wurde das Simu-Museum eröffnet und zeigte mehrere seiner Werke. Ab 1909 war Luchian jedoch bereits gelähmt und an den Lehnstuhl gebunden; in den letzten Jahren seines Lebens war er nicht mehr in der Lage, den Pinsel mit den Fingern zu halten, so ließ er sich diesen am Handgelenk festbinden. Dennoch entstanden Reihen beeindruckend feinfühliger Landschaften und Blumenstilleben.

1911 wurde er dauerhaft ins Sanatorium eingeliefert; das Jahr 1913 markiert das Ende seines künstlerischen Schaffens. Das aufkommende Gerücht, er lasse Bilder unter seinem Namen malen, brachte ihm eine Anzeige wegen Betrugs ein, welche zwar fallengelassen wurde, doch ihn tief verletzte, wohl ihren Teil zum Verlust seines Lebenswillens beitrug. Kurz vor seinem Tod 1916 in Bukarest wurde er von dem Violinisten George Enescu besucht, welcher für den sterbenden Künstler als Zeichen der Ehrerbietung spielte. Er wurde wie viele prominente Rumänen auf dem Friedhof Șerban Vodă, auch bekannt als Bellu-Friedhof, bestattet. Der künstlerische Wert der Bilder und Details der Geschichte seines 1981 auch verfilmten Lebens wurden in Rumänien in Folge stark diskutiert. Wenn wir uns allerdings heute die Arbeiten Luchians ansehen, möchten wir ihn ohne Weiteres unter die Meister seiner Epoche einreihen.

 

Verweise:

http://corinah.tripod.com/Stefan_Luchian1.htm
http://corinah.tripod.com/stefan_luchian_biografie.htm
https://archive.is/20060211061330/http://arthistory.heindorffhus.dk/frame-Luchian.htm
http://www.artnet.de/künstler/stefan-luchian/

Postimpressionismus auf Rumänisch: Ștefan Luchian https://art-depesche.de/images/Stefan_Luchian_-_Doua_fete.jpg Ruedi Strese