static-aside-menu-toggler
gkSearch
Louis Krevel „Porträt der Marie-Louise Stumm“ (Öl auf Leinwand, 1835)

Berlin - Ein recht bemerkenswerter Porträtkünstler war Louis Krevel. Der Epoche des Biedermeier zugerechnet, tragen seine hochwertigen Porträts doch Anleihen von noblem Klassizismus und französischer Eleganz. Heute nahzu vergessen, dürfte er im südwestdeutschen Raum in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts der wichtigste Mann seines Metiers gewesen sein.

Geboren wurde er 1801 in Braunschweig; sein Vater Johann Hilarius Krevel (1776-1846) war Kunsthändler, Maler und Grafiker und auch für seinen ersten Mal- und Zeichenunterricht verantwortlich. Anschließend lernte er in Kassel an der privaten Mal- und Zeichenschule Justus Krauskopfs, welcher selbst Schüler des großen Pariser Klassizisten Jacques-Louis David gewesen war.

Krauskopf vermittelte ihm auch die Kontakte nach Paris, wo er dann von 1824-30 bei verschiedenen Lehrern sein höheres Studium absolvierte. Eine Schülerschaft bei Antoine-Jean Gros ist nicht belegt, wird aber aufgrund stilistischer Vergleiche vermutet. Klar hervor tritt der Einfluß von Jean-Auguste-Dominique Ingres. Die Teilnahme am Pariser Salon von 1827 wurde seine Eintrittskarte in die Riege der angesehenen Künstler. Er hatte ein eigenes Atelier in Paris, wo er als Porträtmaler gemeldet war.

1830 kehrte Krevel nach Deutschland zurück, wobei er sich die ersten Jahre hauptsächlich in Westfalen aufhielt und Mitte der 1830er Jahre in den südwestdeutschen Raum ging; insbesondere war er in Saarbrücken und Baden-Baden aktiv, wo er kaum ernsthafte Konkurrenz fürchten mußte und sich bald eine kontinuierlich gute Auftragslage einstellte.

1840 beteiligte er sich erstmals mit einem Porträt an der Ausstellung der Berliner Akademie der Künste; sowohl der klassizistische Bildhauer Christian Daniel Rauch als auch der noch junge Adolph Menzel zeigten sich über den Beitrag begeistert. Rauch versuchte sogar, Krevel zu überzeugen, sich in Berlin niederzulassen, dieser hatte jedoch guten Grund zur Annahme, in Berlin nicht der erste seines Fachs zu sein und blieb in Südwestdeutschland.

Einen recht eigenen Stil hatte er gefunden: Einflüsse von Rembrandt und Ingres mischten sich mit dem Biedermeier seiner Zeit; die dargestellten Personen traten klar hervor, nicht psychologisch tief, sondern auf kraftvolle Raumwirkung orientiert, fast, als könnten sie jederzeit aus dem Bild heraustreten. Sowohl die malerischen als auch die zeichnerischen Fähigkeiten waren auf einem ausgesprochen hohen Niveau. Brillant sind Texturen von Stoffen u.ä. wiedergegeben; die Hintergründe blieben frei oder waren etwa durch detailreiche Industrielandschaften ausgefüllt, vor allem, wenn er Mitglieder von Unternehmerfamilien auf die Leinwand brachte.

Neben den Aufträgen aus dem Saarland fand Krevel zusehends in Köln Kundschaft. Dessen Kunstverein war er bereits 1842 beigetreten, ab spätestens 1848 bis 1865 war es sein Hauptwohnsitz. Auch hier hatte er über lange Jahre keine Schwierigkeiten, Abnehmer zu finden.

1865 jedoch stellte er die kommerzielle Porträtmalerei ein und zog sich ins Private zurück. Er lebte zunächst in Freiburg im Breisgau und nach einem Schlaganfall die letzten Jahre ab 1873 bei seiner Schwester in Trier, wo er 1876 an dessen Folgen verstarb. Aus heutiger Sicht war Krevel eines der großen Talente der deutschen Bildnismalerei in der Zeit des Übergangs zwischen Romantik und bürgerlichem Realismus.

 

Verweise:

https://www.deutsche-biographie.de/gnd116534176.html#ndbcontent
https://www.museum-trier.de/ausstellungen/archiv-der-sonderausstellungen/ausstellungen-2001/kultur-des-biedermeier-der-maler-louis-krevel/
https://www.invaluable.com/artist/krevel-louis-ud9act5ckr/sold-at-auction-prices/
http://www.artnet.de/künstler/louis-krevel/
https://daten.digitale-sammlungen.de/0001/bsb00016330/images/index.html?seite=48

Louis Krevel - Porträtmaler des Biedermeier https://art-depesche.de/images/Stumm_Marie-Louise.jpg Ruedi Strese