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Karl Wilhelm Wach „Porträt der Anny Elżbiety hr. Raczyńskiej“ (Öl auf Leinwand, 1827)

Berlin - Nicht der eigenständigste Schöpfer neuer Ideen, doch ein hervorragender Techniker und geschätzter Lehrer zahlreicher jüngerer Maler war der Berliner Karl Wilhelm Wach. In seiner eklektizistischen Malweise fanden sich Elemente von italienischer Renaissance und französischem Klassizismus.

Geboren wurde er 1787 in Berlin, als Carl oder Karl Wilhelm Wach, wobei zu Zeiten, als sein Werk noch bekannter war, etwa bei Theodor Fontane, auf ihn zumeist als Wilhelm Wach referiert wurde. Seine Ausbildung begann er aufgrund der früh erkannten Begabung bereits im zehnten Lebensjahr in Berlin an der Preußischen Akademie der Künste bei dem Porträt- und Historienmaler Karl (Carl) Kretschmar, welcher ihn auch porträtierte. Das Bild befindet sich im Besitz der Nationalgalerie.

Das Thema der Perspektive soll ihn derart begeistert haben, daß er bereits als Zwanzigjähriger selbst Vorträge dazu hielt. Auch wurde er durch Fürsprache Kretschmars schon 1807 mit einem Altarbild für die Dorfkirche von Paretz beauftragt. Während der Befreiungskriege gegen Napoleon 1813-15 diente Wach in der preußischen Landwehr, nach dem Sieg über den Korsen ließ er sich dann für weitere Studien in Paris nieder.

Mit seinem Freund Wilhelm Hensel lernte er zunächst bei Jacques Louis David und später bei Antoine-Jean Gros. Diese beiden berühmten Vertreter des französischen Klassizismus konnten Wach in technischer Hinsicht Vieles lehren, doch als stilprägender erwies sich Italien, welches er 1817 dank eines Stipendiums des Königs Friedrich Wilhelm III. bereisen konnte. Er befaßte sich mit der Malerei der Renaissance, wobei Raffael sich mit seiner weichen, farbstarken Malweise als bedeutendster Einfluß erweisen sollte, was Wach auch selbst freimütig erklärte.

1919 ging er als freischaffender Künstler zurück in die Heimatstadt und erhielt bald große Aufträge, deren erster ein Deckengemälde für das Königliche Schauspielhaus war. Auch wurde ihm auf königliches Geheiß in der Klosterstraße eine große Halle mit Wohnung zur Verfügung gestellt, welche er als Atelier und bis 1837 als Kunstschule nutzte.

Bald erhielt er den Professorentitel und wurde Mitglied der Königlich Preußischen Akademie der Künste; zum 40. Geburtstag wurde er gar zum Hofmaler ernannt. Sein bedeutendster Schüler dürfte Wilhelm von Schadow gewesen sein, seines Zeichens Mitbegründer der Düsseldorfer Malerschule, welcher die Inspiration durch Raffael offensichtlich übernahm.

Beliebt waren insbesondere die wachschen Porträts, welche sich durch ihre genaue Technik, kräftigen Farben und meisterliche Behandlung von Oberflächen wie Stoffen auszeichneten. Im Berliner Kunstleben spielte er als Kunsterzieher und Mitglied der Kommission zur Anordnung der Sammlungen im Königlichen Museum eine große Rolle, und 1840 wurde er zum Vizedirektor der Akademie in Berlin berufen, was er bis zu seinem Ableben bleiben sollte.

Mit der Zeit verlor sich allerdings das Interesse an der Kunst Wachs; gegen die verschiedenen neueren Strömungen konnte er sich mit seinem raffaelitischen Rückgriff auf dem Kunstmarkt nicht mehr durchsetzen. Er starb 1865 und wurde im Familiengrab auf dem Friedhof der Friedrichwerderschen Kirche beigesetzt, welches jedoch heute nicht mehr besteht.

 

Verweise:

https://www.kollenburgantiquairs.com/de/Gemaelde/Carl-Wilhelm-Wach-1787-1845
https://www.deutsche-biographie.de/sfz84158.html
http://www.artnet.de/künstler/karl-wilhelm-wach/
https://www.bildindex.de/document/obj02530175

Der Berliner Klassizist Karl Wilhelm Wach https://art-depesche.de/images/Carl_Wilhelm_Wach_-_Portret_Anny_Elbiety_Raczyskiej_1827-1.jpg Ruedi Strese