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Quiringh van Brekelenkam „Schneiderwerkstatt“ (Öl auf Leinwand, 1661, Rijksmuseum Amsterdam)

Berlin - Er gilt als drittrangiger Vertreter der Genremalerei des Goldenen Zeitalters der Niederländischen Malerei; sein Werk allenfalls als durchwachsen. Freilich, an die großen Meister wie Jan Vermeer van Delft, Pieter de Hooch oder seinen Lehrer Gerard Dou reicht er nicht heran, doch gerade seine Intérieurs strahlen eine gemütliche Atmosphäre aus, die auch heute Sympathien erweckt.

Geboren wurde Quiringh Gerritszon van Brekelenkam zwischen 1620 und 1622 vermutlich im Dorf Zwammerdam bei Leiden in einer katholischen Familie. Der Vater war Schneider; ein Thema, welches in seinem Werk eine große Rolle spielen sollte. Solche Szenen wurden sein Markenzeichen: mindestens 25 Intérieurs von Schneider- und Schusterwerkstätte dürfte er gemalt haben.

Vermutet wird aufgrund der Angaben eines namenlosen Biografen aus dem 18. Jahrhundert eine künstlerische Ausbildung in Leiden bei Gerard (auch: Gerrit) Dou, welcher als Initiator der Leidener Feinmalerei gilt. Da sich Stil und Themen der Gemälde Brekelenkams von denen Dous erheblich unterscheiden, ist deren Schüler-Lehrer-Verhältnis bisweilen angezweifelt worden, doch gibt es ein Dokument, welches zumindest eine Beziehung der beiden Maler bezeugt.

1648 trat Brekelenkam in die Leidener Lukasgilde ein; aus jener Zeit stammen auch die ersten datierten Gemälde. Eine enge Verbindung bestand zu dem katholischen Maler Johannes van Oudenrogge (1621/22-53), welcher zum einen Brekelenkams Schwester heiratete und zum anderen Taufpate seines ersten Kindes wurde. Insgesamt hatte unser Mann mindestens neun Kinder und war zweimal verheiratet.

Finanziell scheint die Malerei nicht genug gebracht zu haben; Haupteinkommensquelle soll manchen Biografen zufolge der Handel mit Schnaps und Bier gewesen sein, was jedoch mittlerweile als fragwürdig gilt. Bezeugt ist jedoch, daß er zeitweise Schulden hatte und Schwierigkeiten, seine große Familie zu ernähren. Die Massenproduktion nicht immer meisterlich ausgeführter Gemälde dürfte auch hierin begründet sein. Etliche einsame Mönche und Eremiten sind lediglich Standard. Der Großteil sind jedoch Gemälde, welche das Leben der Kleinbürger, der Handwerker und Arbeiter in den Straßen und Häusern Leidens verewigen.

Die letzte dokumentierte Beitragszahlung an die Lukasgilde erfolgte 1667, im Folgejahr wurde die letzte Taufe eines seiner Kinder bezeugt und auch die letzten datierten Gemälde stammen aus dem Jahr 1668, weshalb dieses als sein wahrscheinliches Todesjahr angenommen wird. Brekelenkam hat auf jeden Fall ein sehr umfangreiches Oeuvre zu verantworten, ca. 170 Bilder sind erhalten. Es erscheinen auf dem Kunstmarkt immer mal wieder ihm zugeschriebene Werke unterschiedlicher Qualität, die zum Teil schon für geringe vierstellige Beträge erhältlich sind.

 

Verweise:

https://www.pubhist.com/person/222/quiringh-van-brekelenkam
https://www.lempertz.com/de/kataloge/kuenstlerverzeichnis/detail/brekelenkam-quiringh-van.html
http://www.artnet.de/künstler/quiringh-gerritsz-van-brekelenkam/
https://www.sammlung.pinakothek.de/de/artist/quiringh-gerritsz-van-brekelenkam

Der holländische Genremaler Quiringh van Brekelenkam https://art-depesche.de/images/Quiringh_van_Brekelenkam_-_Tailors_Workshop.jpg Ruedi Strese