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Carl Wilhelm Hübner „Junger Seemann als Freier“ (Öl auf Leinwand, 1862, Albert König Museum)

Berlin - Die Düsseldorfer Malerschule im 19. Jahrhundert hat schier unglaubliche Massen beachtlicher Künstler hervorgebracht. Einen von ihnen wollen wir heute vorstellen, den Landschafts- und Genremaler Carl Wilhelm Hübner. Stilistisch befand er sich im Grenzland zwischen Romantik und Realismus, inhaltlich stand er den bürgerlich-revolutionären Ideen des Vormärz nahe.

Zur Welt kam er 1814 als Sohn eines Bauhandwerkers in Königsberg, Ostpreußen. Der Vater wollte ihn in seinem Fach folgen sehen, doch erkannten seine Lehrer früh seine Begabung und unterstützten seinen Wunsch, Maler zu werden. In Königsberg begann er seine künstlerische Ausbildung bei dem Porträt- und Historienmaler Professor Johann Eduard Wolff, welcher seinerseits in Paris bei Jacques-Louis David und Antoine-Jean Gros studiert hatte.

Durch Vermittlung Wolffs und großzügige Unterstützung eines kunstsinnigen Königsberger Kaufmanns wurde es ihm möglich, ab 1837 sein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie fortzusetzen. Bis 1841 lernte er dort bei zwei bedeutenden Malern, Carl Ferdinand Sohn und dem Akademiedirektor Wilhelm von Schadow.

Anschließend eröffnete er sein eigenes Atelier im Düsseldorfer Stadtteil Pempelfort. Aus einer kurz zuvor geschlossenen Ehe sollten zahlreiche Kinder hervorgehen; ein Sohn, Joseph Julius Hübner (1841–1874) sollte ebenfalls Genremaler werden, wobei er das väterliche Talent geerbt haben soll. Er starb leider sehr jung am Typhus.

Unser Künstler selbst malte zunächst wenig aufsehenerregende Genrebilder und Landschaften. Erst als er sich der in seiner Zeit zusehends in den Fokus rückenden sozialen Frage und dem Leben der Unterschicht und der Ausgestoßenen widmete, änderte sich dies sehr schnell.

Das Schlüsselbild hierfür ist „Die schlesischen Weber“, welches 1844(45?) entstand und ihm in zahlreichen deutschen Städten Aufmerksamkeit brachte. Es zeigt den Gegensatz zwischen den bettelarmen Arbeitern und dem reichen Textilfabrikanten in einer schonungslosen Weise, welche später von „Veristen“ wie Otto Dix oder George Grosz auf die Spitze getrieben wurde. Die sozialkritische Thematik fand selbstverständlich nicht nur wohlwollende Kritiker.

Von einer Studienreise in die USA 1847 brachte er zahlreiche Skizzen mit, welche späteren Bildern als Grundlage dienten. 1848 war nicht nur das Jahr der bürgerlichen Revolution, es war auch Gründungsjahr des bis heute bestehenden Düsseldorfer Künstlervereins Malkasten; Hübner war hier Mitwirkender der ersten Stunde und zudem dessen Namensgeber.

Die politischen Ereignisse des Jahres führten bei ihm indes zu einer teilweisen Abkehr von politischen Themen, in Folge vertrat er eine eher für das Biedermeier typische Ausrichtung, die sich mit dem Allgemein-Menschlichen befaßte. Er war ein sehr produktiver Maler, nicht immer der präziseste im Sinne akademischer Ansprüche. Dennoch wurde er sehr erfolgreich, selbst außerhalb Deutschlands. Sein Gemälde „Rettung aus Feuersgefahr“ (1853 oder -54) wurde in Brüssel gezeigt und brachte ihm den vom belgischen König verliehenen Leopoldsorden ein.

Vom preußischen König erhielt er den Professorentitel, war zudem Mitglied mehrerer Akademien. Das Jahr 1874 führte ihn erneut in die USA, wo zwei seiner Söhne lebten und er begeistert empfangen wurde. Freilich gab es vielfache Verbindungen zwischen den USA und Düsseldorf, wo eine ganze Reihe amerikanischer Maler studiert hatte. Hübner starb 1879 in Düsseldorf. Seine Bedeutung ist heute umstritten. War er nun ein bahnbrechender Überwinder akademischer Konventionen und Vorkämpfer eines neuen Realismus, ähnlich wie Frankreichs Gustave Courbet, oder war er lediglich ein Vertreter seiner Epoche mit einer bisweilen untypischen Themenwahl? Daß er ein guter Maler war, ist zumindest unstrittig.

 

Verweise:

https://www.deutsche-biographie.de/sfz34151.html
https://www.dorotheum.com/de/k/carl-wilhelm-huebner/
http://www.artnet.de/künstler/carl-wilhelm-hübner/
https://www.lempertz.com/de/kataloge/kuenstlerverzeichnis/detail/huebner-carl-wilhelm.html

Carl Wilhelm Hübner: Genremaler des Vormärz https://art-depesche.de/images/Huebner_Junger_Seemann_als_Freier-Albert_Koenig_Museum.jpg Ruedi Strese