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Philipp Veit „Allegorie der Religion“ (1819)

Berlin - Er kann als beachtlicher Fall einer preußisch-jüdischen-katholischen Begegnung gelten, allein sein biografischer Hintergrund läßt also aufmerken. Mit seinen zumeist religiösen Gemälde und der kunsttheoretischen Unterfütterung seiner Arbeit war er zudem einer der profiliertesten Vertreter der romantischen Malerschule der Nazarener.

Geboren wurde er 1793 in Berlin als Feibisch Veit. Sein Vater war der jüdische Kaufmann Simon Veit, die Mutter Brendel Mendelssohn die älteste Tochter des Philosophen Moses Mendelssohn. 1799 ließen sich die Eltern scheiden, die Mutter wurde in Folge die Geliebte, dann protestantische und später als Dorothea Friederike katholische Ehefrau Friedrich Schlegels. Ihr war jedoch im Scheidungsvertrag verboten worden, ihre Söhne zum Christentum zu bekehren. Jonas war beim Vater geblieben, Philipp 1806 zur Beendigung der Schule wieder zu diesem zurückgekehrt.

1808 ging er schließlich nach Dresden, um an der Kunst-Academie Malerei zu studieren, u.a. bei dem Klassizisten Friedrich Matthäi, zu dessen Schülern auch der ältere Bruder und Carl Eggers, ein weiterer späterer Nazarener, gehörten. Den Übertritt zum Katholizismus vollzogen die Brüder Jonas (dann Johannes) und Feibisch (dann Philipp) 1810 im Wiener Stephansdom. Während der Befreiungskriege gegen die napoleonische Herrschaft bewegte Philipp sich im Umfeld der Dichter Joseph von Eichendorff und Friedrich de la Motte Fouqué.

1815 ging er, Jonas folgend, nach Rom, wo er sich der später als Nazarener bekannten Malergruppe anschloß. Er lernte bei Friedrich Overbeck und Peter von Cornelius und stieg zu deren bestem Schüler auf. Gemeinsam mit diesen und Wilhelm von Schadow beteiligte er sich an der Ausmalung der Casa Bartholdy in Rom; die Villa Massimo verzierte er mit Fresken aus Dantes „Göttlicher Komödie“.

1821 ehelichte er die Römerin Carolina Pulini, Tochter des Bildhauers Gioacchino Pulini, seines Hausherren. Sie sollte ihm fünf Kinder gebären. Auch für den Vatikan und den Nürnberger Dom wurde er während dieser Jahre tätig. Seine Bilder zeigen einen klaren nazarenischen Stil, bei welchem die strenge Zeichnung das Malerische deutlich überwiegt; man könnte durchaus von nachträglich kolorierten Zeichnungen sprechen.

1830 erhielt er das Angebot, Direktor des Städelschen Kulturinstituts in Frankfurt am Main zu werden; er folgte diesem Ruf. Für den neuen Brötchengeber malte er bedeutende Fresken, das gewaltige „Die Einführung des Christentums und der Künste“ sowie die beiden Nebenbilder „Italia“ und „Germania“. Auch antike und mittelalterliche Themen verarbeitete Veit; für den Kaisersaal im Römer schuf er Porträts deutscher Kaiser.

Für die Frankfurter Paulskirche entstand 1848 eine weitere berühmte Germania, heute zu sehen im Germanischen Nationalmuseum zu Nürnberg. Üblicherweise wurde diese gleichfalls Veit zugeschrieben, von dessen Bild sie auch offensichtlich inspiriert ist. Neuere Forschungen halten dies jedoch für sehr fraglich, möglicherweise war der Urheber Eduard von Steinle, ein Schüler und Malerfreund Veits aus der Nazarenergruppe.

1853 zog er nach Mainz, wurde Direktor der Gemäldesammlung des dortigen Doms, zu welchem er auch Bilder in seinem typisch streng katholischen Nazarener-Stil beisteuerte, welchen er bis zum Ende seines Lebens 1877 pflegte, und welcher auch u.a. von seinem Schüler von Steinle fortgesetzt wurde.

 

Verweise:

https://d-nb.info/910008019/04
http://www.zeno.org/Kunstwerke/A/Veit,+Philipp
https://www.newadvent.org/cathen/15322a.htm
https://www.mendelssohn-gesellschaft.de/mendelssohns/biografien/philipp-veit

Katholische Romantik: Der Nazarener Philipp Veit https://art-depesche.de/images/1819_Veit_Religion_anagoria.jpg Ruedi Strese