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Nikolai Jaroschenko „Kaukasus. Der See von Teberda“ (Öl auf Holztafel, 1894)

Berlin - Die bedeutendste russische Künstlergruppe des 19. Jahrhunderts waren ohne Frage die Peredwischniki, die Wanderer. Sie vereinten die größten Maler des Realismus im Zarenreich; in späteren Jahren zeigen sich zunehmend impressionistische Tendenzen. Einer von ihnen war Nikolai Alexandrowitsch Jaroschenko, welcher ein breites Spektrum von sozialkritischen Genreszenen bis zur lichtvollen Landschaftsmalerei beherrschte.

1846 kam er in der zentralukrainischen Stadt Poltawa an der Worskla zur Welt. Sein Vater soll ein gebildeter und schöngeistiger Mann gewesen sein, zugleich war er Offizier der Armee des Zaren, und auch Nikolai schlug hauptberuflich die Militärlaufbahn ein (er sollte diese 1892 im Rang eines Generalmajors beenden).

Uns beschäftigt freilich seine künstlerische Ausbildung weit mehr. Sehr früh liebte er das Zeichnen, aus Schulzeiten erhaltene Zeichnungen sollen bereits Talent erahnen lassen. In Sankt Petersburg besuchte er zunächst Kurse eines gewissen A.M. Wolkow und 1866/67 die Zeichenschule Iwan Kramskois. Es folgte ein reguläres Studium an der Kaiserlichen Kunstakademie, welches er 1874 beendete.

Bereits zu Studienzeiten hatte er sich im Umkreis der Peredwischniki bewegt, 1876 wurde er als Vollmitglied aufgenommen. Er war nun Mitstreiter namhafter Künstler wie Kramskoi, Isaak Lewitan, Michail Nesterow, Wassili Perow, Walentin Serow oder Ilja Repin und wurde auch eines der engagiertesten Mitglieder.

In jener Zeit malte er vorrangig spärlich beleuchtete, realistische Genreszenen, welche sich mit sozialen Themen befassen (als Beispiel angeführt sei das intensive „Der Gefangene“ von 1878). In den gesellschaftlichen Kämpfen der nächsten Jahre nahm er eine liberale Haltung ein und geriet mit dem Staat in Konflikt, was ihm 1881 die Beschlagnahmung eines Bildes und eine Woche Hausarrest einschließlich Besuchs des Innenministers einbrachte. Neben den Genrebildern entstanden Porträts von einiger psychologischer Tiefe.

In späteren Jahren, vor allem nach Beendigung der Militärlaufbahn, widmete Jaroschenko einen großen Teil seiner Zeit dem Reisen durch Rußland, Europa, die Levante und Ägyten. Zusehends spielten Landschaften eine Rolle in seinem Werk, und die Farben hellten sich unter impressionistischem Eindruck deutlich auf.

Aufgrund seiner massiv angeschlagenen Gesundheit zog er 1892 nach Kislowodsk im Kaukasus, wo er 1898 an Tuberkulose starb. Er blieb auch die letzten Jahre schöpferisch und beteiligte sich trotz seines Leidens an Ausstellungen. Die späten Gemälde der majestätischen Gebirgslandschaften seiner Wahlheimat sind von außerordentlicher Energie und Leuchtkraft durchdrungen, weit vom düsteren Frühwerk entfernt und gehören zu den herausragenden Beispielen russischer Landschaftskunst.

 

Verweise:

https://www.youtube.com/watch?v=mbbW4fHQ468
https://www.mutualart.com/Artist/Nikolai-Yaroshenko/
http://www.rusartist.org/nikolai-alexandrovich-yaroshenko-1846-1898/#.XyFyOxFCQv4
http://www.encyclopediaofukraine.com/display.asp?linkPath=pages\Y\A\YaroshenkoMykola.htm

Nikolai Jaroschenko - vom düsteren Realismus zur lichten Landschaft https://art-depesche.de/images/Caucaso_Il_lago_di_Teberda_1000px.jpg Ruedi Strese