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Hippolyte Boulenger „Das Josaphat-Tal bei Schaarbeek“ (1868)

Berlin - Titel wie „Der Robin Hood aus dem Hunsrück“ (für den Schinderhannes) oder „Rose von Jericho“ für die Wüstenpflanze Anastatica hierochuntica weisen auf eine im Vergleich zum Bezugswort der Phrase geringere Bekanntheit des so Benannten hin (welch furchtbaren Satz schrieb ich hier ...). Weniger bekannt als Camille Corot ist Boulenger sicher, die stilistische Verwandtschaft bzw. Beeinflussung ist nicht zu bestreiten. Schauen wir uns also das Leben und Wirken dieses Mannes an!

Er kam 1837 im wallonischen Tournai zur Welt, war damit nicht aus der Generation der Schule von Barbizon um Corot (1796-1875) oder Jean-François Millet (1814-1875), sondern wurde in der gleichen Zeit geboren wie die erste Generation der Impressionisten. 1850 zog die Familie nach Paris, wo er erstmals Zeichenunterricht erhielt.

1853 verwaist ging er nach Brüssel, arbeitete in einer Designwerkstatt und nahm abendliche Kurse bei dem Landschaftsmaler Joseph Quinaux an der Académie Royale des Beaux-Arts. Er malte zunächst Landschaften und Porträts. Um 1863 hatte er seinen Weg gefunden, er stellte nun auch im Brüsseler Salon aus. Als glücklich erwies sich die Bekanntschaft mit dem Porträtmaler Camille van Camp, welcher sein Mentor und Mäzen wurde.

1864 kam Boulenger erstmals nach Tervuren in Flämisch-Brabant, wo er eine Gruppe von ähnlichen Ideen bewegter Maler um sich versammelte. Diese Künstlerkolonie, welche sich selbst als „Schule von Tervuren“ betrachtete, wurde die späte belgische Antwort auf Barbizon. Er ließ sich von Millet und Corot beeinflussen und machte sich schnell einen Namen in belgischen Künstlerkreisen. Die Société Libre des Beaux-Arts verdankte ihre Entstehung einem Vorschlag Boulengers. Dabei waren u.a. Alfred Verwee, Félicien Rops und Constantin Meunier; Millet, Corot und auch Honoré Daumier konnten als Ehrenmitglieder gewonnen werden.

Nach seiner Heirat im Jahr 1868 zog er nach Zaventem, kehrte jedoch 1870 nach Tervuren zurück. Es handelte sich um außerordentlich produktive und erfolgreiche Jahre, 1872 konnte er gar eine Goldmedaille des Brüsseler Salons erringen. Dies war allerdings sein letztes Schaffensjahr.

Seit spätestens 1867 litt er nämlich an einer damals unheilbaren Nervenerkrankung, wohl Epilepsie. Dies und sein zunehmender Alkoholismus führten zu einem frühzeitigen Tod in einem Brüsseler Hotel im Jahr 1874. Somit war er noch vor seinen Vorbildern Millet und Corot gegangen.

Rund 10 Jahre hatte also sein recht fruchtbares Schaffen gewährt, welches mit einer spätromantischen bis erdig-realistischen Landschaftsmalerei begonnen hatte und sich zum Ende den leichteren Einflüssen des noch blutjungen Impressionismus öffnete. Ein starkes Naturgefühl spricht aus seinen unter freiem Himmel gemalten paysages intimes. Neben den Gemälden sind auch Aquarelle und Zeichnungen erhalten. Sein Werk ist in verschiedenen Museen Belgiens, u.a. in Brüssel und Antwerpen, gut vertreten.

 

Verweise:

http://www.associationdupatrimoineartistique.be/espace-exposition-fiche-712
https://www.larousse.fr/encyclopedie/peinture/Boulenger/151254
https://www.mutualart.com/Artist/Hippolyte-Boulenger/20D834A22BEAE9BB/Artworks

Hippolyte Boulenger - „Belgiens Corot“ https://art-depesche.de/images/Boulenger_Landscape.jpg Ruedi Strese