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Franz Ludwig Catel „Nonnen im Kloster Certosa, mit Blick auf das Meer in Richtung Faraglioni, Capri“ (Öl auf Leinwand, 1823)

Berlin - Die deutsche Italiensehnsucht hatte ihren Höhepunkt im frühen und mittleren 19. Jahrhundert. Ganze Malerscharen zog es in südliche Gefilde, und inspiriert vom mediterranen Licht schufen sie romantische Ideallandschaften. Einer dieser Künstler war der Berliner Franz Ludwig Catel.

Catel wurde 1778 als Sproß einer Hugenottenfamilie in Berlin geboren. Der Vater war dort Assesor am Französischen Gericht. Zunächst befaßte er sich mit der Holzbildhauerei, doch schwenkte bald auf Handzeichnungen und Druckgraphik um. Ersten Unterricht erhielten er und sein Bruder Ludwig Friedrich hierin von Daniel Chodowiecki, welcher viel auf sein Talent gab.

Mit Landschaftsaquarellen und Buchillustrationen (zumeist Genreszenen) feierte er frühe Erfolge. Den Höhepunkt stellte dabei sicher 1799 die Bebilderung von Goethes „Hermann und Dorothea“ auf dessen Wunsch dar; den Dichterfürsten hatte er 1797 in Paris getroffen, wo er an der École des Beaux-Arts studierte, nachdem er zuvor bereits Kurse an der Berliner Akademie belegt hatte. Später arbeitete er auch mit Karl Friedrich Schinkel zusammen.

1806 wurde er als ordentliches Mitglied der Berliner Akademie aufgenommen und beschäftigte sich nun vermehrt mit der Ölmalerei. 1807 (andere Angabe: 1811) ging er wieder nach Paris, wo er sich mit der Technik der französischen Klassizisten befaßte, und 1811 in die Schweiz, wobei die Majestätik der Alpen ihn zur Landschaftsmalerei führte, die fortan Schwerpunkt seines Werkes wurde.

Noch im selben (oder im folgenden) Jahr ließ er sich in Rom nieder und schloß sich dem Kreis um Joseph Anton Koch an, dessen Schaffen ihn stark beeinflußte. Er schuf neben den Landschaften auch Genreszenen und Historienbilder, wobei die Zeichnung stark betont wurde, die Lichtverhältnisse gekonnt eingefangen wurden. Genauigkeit ließ er in der Perspektive walten, das Malerische ging etwas unter. Man könnte auch von einer gewissen Sterilität sprechen. Freundschaftliche Kontakte schloß er bald mit den Nazarenern um Friedrich Overbeck, Wilhelm Schadow und Peter Cornelius, ohne sich deren Malweise zu eigen zu machen. 1818 führte ihn eine gemeinsame Reise mit dem Prinzen von Galitzin nach Sizilien.

Die deutsche Heimat besuchte er nur noch gelegentlich, eine 1826 angebotene Professur für Zeichnung in Berlin lehnte er ab, und 1830 verlegte er seinen Hauptwohnsitz nach Macerata an der Adria. Seine Gemälde trafen den Geschmack seiner Zeitgenossen, so daß er ein ordentliches Vermögen erwarb, welches er großzügig zur Förderung jüngerer Künstler einsetzte. So rief er eine bis heute bestehende Stiftung ins Leben, welche später auch alleiniger Erbe wurde, denn Catel und seinem Weib waren leibliche Nachkommen nicht vergönnt.

1840 führte in eine ausgedehnte Reise durch Deutschland, Frankreich, die Niederlande und England, und 1841 erhielt er einen Professorentitel der Königlich Preußischen Kunstakademie. Er starb 1856 in Rom. Sein Grabdenkmal, gestaltet von Julius Troschel, beindet sich in der reich ausgestatteten Basilica Santa Maria del Popolo.

 

Verweise:

https://matthiesengallery.com/artist/catel-franz-ludwig
https://www.hamburger-kunsthalle.de/ausstellungen/franz-ludwig-catel
https://www.deutsche-biographie.de/gnd119022079.html#ndbcontent
https://de.wikisource.org/wiki/ADB:Catel,_Franz

Ein Berliner in Rom: Franz Ludwig Catel https://art-depesche.de/images/Franz_Ludwig_Catel_-_Kloster_Certosa_1823_Spencer_Museum_of_Art.jpg Ruedi Strese