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Thomas Armstrong „Frau mit Lilien“ (1867)

Berlin - Weitgehend unbekannt ist heutzutage der englische Maler Thomas Armstrong. Seine Bilder passen in die viktorianische Epoche und den britischen Ästhetizismus, sie erinnern mal an die Präraffaeliten und mal an James McNeill Whistler. Freunde dieser Richtung werden auch Armstrongs Arbeiten mögen. Darüberhinaus hatte er einen bemerkenswerten Lebensweg mit zahlreichen interessanten persönlichen Verbindungen, mit welchem wir uns hier nun befassen wollen.

Geboren wurde er 1832 in Manchester-Fallowfield als Sohn eines Geschäftsmannes, und ursprünglich sollte er den Weg des Vaters fortführen. Seine Neigung ging hingegen zur Kunst, und so nahm er zunächst bei dem Porträtkünstler Robert Crozier an der Manchester Fine Art Academy Zeichenunterricht.

1853 stand dann sein Entschluß, professioneller Künstler zu werden, und so ging er nach Paris, wo er sich für Abendkurse an der Académie Suisse einschrieb und zudem sehr prägende private Lehrstunden bei Ary Scheffer nahm. Im Sommer 1854 hielt er sich in der Freilichtmalerkolonie von Barbizon auf, machte die Bekanntschaft von Jean-François Millet, Karl Bodmer und Charles Jacque. Später schloß er auch Freundschaft mit der „Paris Gang“, bestehend aus George du Maurier, Edward John Poynter und James Abbott McNeill Whistler.

Unterbrochen war die Pariser Zeit durch Aufenthalte in Antwerpen 1855/56, hier studierte er an der Kunstakademie unter Theodor van Lerius, mit seinem Onkel, einem Priester in Algier 1858/59, und in Düsseldorf 1859/60. Düsseldorf war damals ein herausragendes Kunstzentrum, die nach der Stadt benannte Malerschule stand in voller Blüte. Für eine Zeit besucht von George du Maurier ließ er sich von Professor Eduard Bendemann fortbilden.

Nach seiner Rückkehr nach England befaßte er sich zunächst mit der dekorativen Ausmalung von Wohnhäusern im Norden des Landes, bis er sich 1864 in London niederließ. Hier stellte er regelmäßig bei der Royal Academy of Arts aus. Seine Genreszenen ab jener Zeit sind verwandt mit dem Ästhetizismus eines Myles Birkett Foster, atmosphärisch nicht weit von den frühen präraffaelitischen Ansätzen. Das Leben auf dem Land wird romantisch verklärt, bzw. ästhetisch überhöht, mit starken Anleihen an griechische Klassik und französischen Klassizismus. Schlicht und poetisch sind hingegen seine Landschaftsgemälde.

1881 wurde Armstrong zum Direktor des South Kensington Museums, welches heute als Victoria and Albert Museum firmiert. Sein Einfluß erstreckte sich auch auf die dem Museum angeschlossene Kunstschule, insbesondere auf deren Personalpolitik. Ein wichtiger Schritt war die Berufung Walter Cranes, womit das Arts and Crafts Movement akademische Weihen erhielt. Insgesamt hatte er auf Museumswesen und Kunsterziehung in ganz Großbritannien eine bedeutende Wirkung. Als hemmend wird oft sein starker Fokus auf das Abzeichnen klassischer Skulpturen betrachtet.

1898 gab er den Posten auf und wurde zum Companion des Order of the Bath (C.B.) ernannt. Seinen Lebensabend widmete er erneut dem künstlerischen Schaffen, unter anderem gestaltete er für die Kirche in Abbots Langley eine Wandtafel, welche er seinem frühverstorbenen einzigen Kind widmete. Er starb 1911 in Abbots Langley, wo er auch beigesetzt wurde.

 

Verweise:

https://artuk.org/discover/artists/armstrong-thomas-18321911
http://www.avictorian.com/Armstrong_Thomas.html
https://archive.org/stream/thomasarmstrongc00lamoiala/thomasarmstrongc00lamoiala_djvu.txt
http://collections.vam.ac.uk/item/O16459/the-hay-field-oil-painting-armstrong-thomas/

Thomas Armstrong - Maler und Kunsterzieher des viktorianischen England https://art-depesche.de/images/Woman_with_Lilies_Armstrong.jpg Ruedi Strese