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Dierick Bouts der Ältere „Abendmahlsaltar“ (Öl auf Holz, 1458)

Bremen - Über Dierick (auch Dirk oder Dieric) Bouts’ Leben ist äußerst wenig bekannt. Aus seinem Werk spricht jedoch einer der großen Meister der niederländischen Spätgotik, der durchaus in einem Atemzug mit Petrus Christus und Rogier van der Weyden genannt werden darf. Er beherrschte das Porträt ebenso wie Marienbilder und Altarstücke.

Schauen wir uns zunächst die spärlichen Informationen an, welche Kunsthistoriker zu seinem Lebensweg zusammentragen konnten. Er soll zwischen 1410 und 1420 in Haarlem geboren worden sein, wo er vermutlich auch seine Ausbildung erhielt. Jugendwerke sind uns nicht bekannt. Spekuliert wird aufgrund stilistischer Verwandtschaft über einen möglichen Kontakt mit dem Jan van Eyck-Schüler Petrus Christus. Van Eycks Werk dürfte er wohl gekannt haben, auch Bezüge auf Rogier van der Weyden gelten als wahrscheinlich. Vielleicht war dieser sogar sein Lehrer während eines, ebenfalls nur vermuteten, Aufenthaltes in Brüssel.

Frühestens 1445, spätestens 1457 (frühester urkundlicher Nachweis) kam er nach Löwen. Er heiratete eine Patriziertochter, welche ihm vier Kinder gebar. Die beiden Söhne Dierick Bouts der Jüngere und Aelbert Bouts sollten später selbst malerischen Ruhm erringen. 1465 wurde er zum Stadtmaler ernannt und scheint es zu hohem Wohlstand und Ansehen gebracht zu haben; in zeitgenössischen Dokumenten wird er explizit als wichtiger Stadtbewohner aufgeführt. Seine Frau starb in den frühen 1470er Jahren; 1473 heiratete er erneut, und zwar die Witwe des Löwener Bürgermeisters. Allzuviel Zeit mit ihr war ihm nicht vergönnt, denn er selbst verschied 1475.

Die frühesten bekannten Werke stammen aus seiner Löwener Zeit, wo er von Anfang an als bedeutender Maler erscheint. Damit kommen wir zur nächsten Schwierigkeit, welche allerdings eine ganze Reihe alter Maler betrifft: nur bei einigen seiner Bilder ist die Urheberschaft gesichert, ein Großteil der bekannten Werke sind jedoch mehr oder weniger sichere Zuschreibungen.

Das früheste Werk ist ein Marienaltar um 1445, zu sehen im Prado. Ein echter Bouts, und eines der Schlüsselwerke, ist definitiv auch das Triptychon des Abendmahlsaltars der Peterskirche von Löwen. Mit dem Vertrag, welchen der Maler mit der Bruderschaft des Heiligen Sakraments abschloß, ist ein wichtiges Originaldokument erhalten. Das in Zentralperspektive, welche er als einer der ersten Maler nördlich Italiens nutzte, angelegte Hauptbild zeigt einen blassen, erschütternden und erschütterten Jesus im Kreise seiner Jünger, um sein baldiges Ende wissend.

Besonders beeindruckend war auch die Leistung des Künstlers als Porträtist, das „Bildnis eines Mannes“ (1462, ausgestellt in der Londoner Nationalgalerie), mag hier als Beispiel gelten. Es gilt als erster Beleg einer Dreiviertelansicht des Dargestellten an einem Fenster mit kleinem Landschaftsausschnitt im Hintergrund. Der Einfluß Rogiers ist hier nicht zu übersehen. Am selben Ausstellungsort findet sich auch ein meisterliches Bild der Jungfrau mit dem Kinde.

Eine große Rolle spielte Bouts auch in der Fortentwicklung der Landschaftsmalerei, insbesondere hinsichtlich Perspektive und Lichtspiel, und so manche seiner religiösen Szenen sind im Grunde Landschaften, bei denen der Hintergrund mehr zur Dramatik beiträgt als die Handlung selbst. Für zahlreiche jüngere Maler der Niederlande, darunter Größen wie Hugo van der Goes, Hans Memling und Quinten Metsys wurde er ein bedeutender Einfluß.

 

Verweise:

http://www.zeno.org/Kunstwerke/A/Bouts,+Dieric
https://web.archive.org/web/20070927191323/http://www.aiwaz.net/gallery/bouts-dirk/gc362
http://www.artcyclopedia.com/artists/bouts_the_elder_dieric.html
https://www.deutsche-biographie.de/sfz98128.html
https://www.kettererkunst.de/bio/dierick-bouts.php

Ein Meister der Spätgotik: Dierick Bouts der Ältere https://art-depesche.de/images/Dieric_Bouts_-_Altaarstuk_van_het_Heilig_Sacrament.jpg Ruedi Strese