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Norbert Wagenbrett „Vor den Masken“ (Ausstellungsansicht)

Leipzig - Ursprünglich sollte diese Ausstellung im Leipziger Museum der bildenden Künste, im Volksmund bekannt als Bildermuseum, nur bis zum 16. August 2020 dauern, doch wurde sie, aus Gründen, bis zum 27. September verlängert, und so möchten wir doch noch auf die Werkschau eines zeitgenössischen Künstlers hinweisen, dessen Schaffen vorrangig von der veristischen Strömung der Neuen Sachlichkeit und vor allem Max Beckmann beeinflußt ist.

1954 wurde Norbert Wagenbrett in Leipzig geboren, zu DDR-Zeiten vielleicht der beste Ausgangspunkt für eine künstlerische Karriere. Doch zunächst machte er eine Ausbildung zum Offsetretuscheur, besuchte zudem Abendkurse der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, bevor er sich 1977 dort als regulärer Student einschrieb.

Er nahm Unterricht bei Arno Rink, Wolfgang Peuker, Volker Stelzmann und Sighard Gille; sein Malereidiplom erhielt er 1982 mit Auszeichnung. Er war anschließend als freischaffender Künstler in Leipzig und Halle (Saale) tätig, von 1986 bis 1988 war er Meisterschüler Willi Sittes. Somit kommt er aus dem Herzen der Leipziger Schule, welcher er im weitesten Sinne zugerechnet werden mag (wodurch auch immer diese bestimmt ist), hat jedoch einen unverkennbaren Individualstil entwickelt.

Bis heute lebt er in Leipzig, somit ist die Ausstellung im Bildermuseum, übrigens die erste institutionelle Schau in seiner Heimatstadt, ohne Frage auch ein Heimspiel. Was uns sogleich entgegentritt, ist die große Eigenständigkeit, doch auch innere Einheit des Werkes. Wagenbrett ist ein Menschenmaler. Wie für den Verismus typisch, verschönert er die Personen nicht, eher im Gegenteil, er karikiert, verzerrt jedoch nicht ins Abstoßende wie Otto Dix oder George Grosz, es bleibt immer Platz für das Menschlich-Liebenswerte, vor allem bei seinen Kindern.

Vom Hyperrealismus übernimmt er die hohe Präzision und Betonung der Formen, von der Pop Art finden sich die starken Umrißlinien und der kraftvolle Farbauftrag, ohne jedoch deren Comicartigkeit und Typisierung zu übernehmen.

Die knapp 50 Porträts, vom Frauenakt über das ältere Pärchen bis zum schüchternen Kind, erstrecken sich über fast die gesamte Schaffenszeit und zeigen, daß der einmal gefundene Stil bis heute kaum Veränderung erfahren hat. Ein Katalog ist für 14,- € erhältlich.

Noch frisch ist eine weitere Ausstellung am gleichen Ort, eine Auswahl aus den Museumsbeständen zur Leipziger Schule, welche wir sehr empfehlen können. Mehr dazu in den nächsten Tagen. Das Museum der bildenden Künste Leipzig befindet sich in der Katharinenstr. 10 in 04109 Leipzig. Geöffnet hat es am Dienstag sowie von Donnerstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, am Mittwoch von 10 bis 20 Uhr. Der Montag ist Schließtag. Der Eintritt kostet derzeit (bis zum 24. September) wegen Umbaus von Teilen des Ausstellungsbereichs regulär 5,- und ermäßigt 3,50 €.

 

Verweise:

https://mdbk.de/ausstellungen/norbert-wagenbrett/
http://www.norbert-wagenbrett.de/

Verlängert: Norbert Wagenbrett in Leipzig https://art-depesche.de/images/Norbert_Wagenbrett-Vor_den_Masken.jpg Ruedi Strese